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Den Urknall der Auto-Renngeschichte seiner Stadt aufgespürt

Dietrich-Peter Orban erschließt Neuland für die "Kleine Suhler Reihe" - Am 24. November erscheint Heft 42

Von Sabine Gottfried SUHL Wussten Sie, liebe Leser, dass vor geschlagenen 100 Jahren ein Simson-Automobil in einer der härtesten Leistungsfahrten gestartet ist und sogar

  • Der Simson-Autobobilchronist hat und zeigt wahre Schätze der Historie in seinem heimischen Fundus. Sein Hobby ist nebenbei auch die Sammlung von schon fast 1000 Automodellen. Foto: got
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Von Sabine Gottfried

SUHL Wussten Sie, liebe Leser, dass vor geschlagenen 100 Jahren ein Simson-Automobil in einer der härtesten Leistungsfahrten gestartet ist und sogar ganz beachtlich abgeschnitten hat? Seien Sie beruhigt, das wussten selbst Freunde der Suhler Fahrzeugtradition bis jetzt noch nicht alle. Das wird sich nun ändern. Aber der Reihe nach.

Wenn der eingefleischte Fahrzeugkenner und -chronist Dietrich-Peter Orban zu erzählen anfängt, muss der Zuhörer etwas mehr Zeit einplanen. Er wird aber mit Spannung und ungeheurem Detailreichtum belohnt und spürt ungebändigte Lust am Forschen. Für ausführliche Fachgespräche gibt es jetzt wieder mal einen triftigen Anlass. Orbans zweite Broschüre in der "Kleinen Suhler Reihe" ist fertig und wird im würdigen Rahmen am 24. November im Suhler Fahrzeugmuseum präsentiert und zum Erwerb freigegeben. Heft 42 der bemerkenswerten Reihe mit dem Titel "Suhler Simson-Rennfahrer 1914 bis 1926" ist geballtes Wissen auf 80 Seiten, gespickt mit einigen erstmals nachgewiesenen Neuigkeiten und Namen zur Leistungsstärke von Suhler Autos und ihren Piloten in der Simson-Vierrad-Fahrzeugschmiede.

Das alles ist dem heute 78-jährigen Autor nicht eben locker zugefallen, obwohl seine Verwurzelung in der Simson-Automobilgeschichte und sein stattliches Archiv hinlänglich bekannt sind. Orban hat für den fein von Künstlerin Annette Wiedemann gestalteten Almanach geschätzte fünf Jahre lang zwölf Archive "gewälzt", wie er sagt, und zapfte auch den Fundus von damals namhaften Rennsportlern bei deren Nachkommen an. Das Wichtigste dabei: "Wenn du sowieso in einer Clique von Chronisten bist, dir einen guten Ruf erworben hast, spielt man sich die Bälle nur so zu", lächelt der anscheinend immer frohgelaunte Orban. Das Interesse an seinen Nachforschungen über Suhl in Einrichtungen wie dem ADAC-Archiv in München, dem Fundus im badischen Rastatt, im Verkehrsmuseum Dresden oder den Stadtarchiven Saalfeld, Eschwege und natürlich zuallererst Suhl und der Wunsch nach Rückinformationen hat ihn sehr gefreut. Denn Orban geht immer bis an die Wurzeln. Was im neuen Heft steht, ist belegbar und zudem gut illustriert.

Eine Freundschaft trägt dabei reiche Früchte, die zum Suhler Autoliebhaber Gerhard Heß. Mit einem kleinen "Aber". Gerhard habe die absolute handwerklich-technische Präsenz in Details des Suhler Automobilbaus. Er selbst zeichnet dagegen für die chronistische Einordnung verantwortlich, erklärt Orban. "Das Auto allein als faszinierendes technisches Gerät ist nur die Hälfte", ist sein Grundsatz. "Denn sie sind immer in einem bestimmten gesellschaftlichen Rahmen gebaut worden. Auch die Plaste für den Trabi beispielsweise war der wirtschaftlichen Situation seinerzeit geschuldet." In diesem Gespann seien die beiden Männer "echte Zwillinge".

Dabei gibt der fesselnde Erzähler zu, bei der Suhler Zweiradgeschichte gern zu kapitulieren, zurückzutreten. Sein Spezialgebiet sind die Autogeschichten bis 1934. Da macht dem alten Fuchs so schnell keiner was vor und das schätzt man im Förderverein des Fahrzeugmuseums, dem Orban seit 2007 angehört. Mit unverhohlenem Stolz gibt er zu, dass wohl viele auf seine Veröffentlichung warten. Antrieb verspürte der Autor spätestens nach dem Run auf sein Heft "100 Jahre Automobilbau in Suhl" von 2011. Schwanger aber, die erste Rennfahrergeneration einmal aufzuarbeiten, war er schon lange, gingen doch bereits Anfang der 1980-er Jahre erste Zeitungsartikel aus seiner Feder weg wie warme Weck. Aber heute seien die Zugriffe auf Archive natürlich weitaus einträglicher, weiß er. Und erwähnt zum Beispiel, dass aus einigen Simson-Rennpiloten bedeutende Autokonstrukteure geworden sind.

So wird u.a. nun erstmals dokumentiert, dass knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 ein "Simson Do" neben renommierten Horch-, Mercedes-, Benz-, Hansa- oder NAG-Automobilen über die halsbrecherische Internationale Alpenfahrt gerattert und unter den ersten zehn von 48 Autos eingekommen ist. Der Krieg freilich warf den Autosport aus dem Rennen. So setzt Orbans Chronik 1921 wieder an - mit der Entdeckung schlechthin, dem nachweislichen Ursprung des Suhler Rennstalls. Nicht von ungefähr ziert ein Abbild des urigen Eigenbaufahrzeugs mit Otto Reif als Pilot das neue Heft. Schon beim 1. Avus-Rennen ging es an den Start in einer Zeit des ersten Kräftevergleichs nach dem Krieg.

Simson fuhr auf Simson

Mit der Geburt der "Supra"-Serie 1924 kam das Renngeschehen auch für die Suhler Autobauer richtig auf Hochtouren. In das stieg sogar auch der Mitbesitzer der Simsonwerke, Arthur Simson, selbst ein. Der Eintrag "Simson auf Simson, Suhl" auf einer vergilbten Starterliste aus Orbans Schatztruhe war natürlich ein Knüller. Weitere zwei Suhler Rennfahrer, die noch nirgendwo aufgetaucht sein sollen, recherchierte der Autor: den Ingenieur Fritz Hattler und den Chefkonstrukteur Paul Henze. Über diese Neuigkeit leuchten noch immer die Augen des Fahrzeug-Freaks Dietrich-Peter Orban. Der "Reife-Tö" Otto Reif, der den Spitznamen vom harten "Tö-Tö" der Autohupen bekam, findet sich noch auf mehreren Abbildungen im Heft.

Als aus den bisher bekannten fünf, sechs Rennfahrern durch die Recherchen schließlich 55 Männer und Frauen (!) und deren Rennerfolge nachweislich geworden waren, trat Orban erst einmal auf die Bremse, um endlich die bisherigen Erkenntnisse ins neue Heft zu gießen. Die Aufzählungen und Geschichten über die "erste Rennfahrergeneration" enden zunächst 1926. Längst reizt ihn aber auch die "zweite Fahrer-Generation" bis 1930, da wohl Autos aus Suhl fuhren, aber keine Suhler Rennpiloten mehr. Und das berüchtigte neue deutsche Regime verlangte bald mehr nach Waffen, denn nach Suhler Autos. Die damaligen Fabrikstandorte in Suhl wurden rein durch die Waffenherstellung getragen, weiß Orban. "Man sollte auch diese Jahre aufschreiben", meint er in nie versiegendem Eifer.

Dietrich-Peter Orban in der 3. Generation einer Suhler Kaufmannsfamilie, selbst Diplomfachwirt und langjähriger Handelsspezialist, hat untrüglich die Technik-Affinität von Großvater und Vater im Blut, ist mit deren Liebe zu technischem Fortschritt, mit ihrer frühen Vermittlung von Zeitzeugen in der Spur geblieben. So setzt er sich heute liebend gern in den matt-weißen Supra R oder den 8-Zylinder-Supra A, echte Diven des Simson-Autobaus. "Diese Technik und Eleganz sind eine Faszination!" Der eigene Fuhrpark indes besteht aus fast 1000 Fahrzeugen: Automodelle, denen er auch eine große, verspiegelte Schrankwand mitten im Wohnzimmer gewidmet hat. Der 500-er Familien-Trabant, ein "Kugelhupf", ist durchaus auch etwas Besonderes, kommt aber an solche Leidenschaft wie für die Geschichte der Vierrädrigen aus der Suhler Fahrzeugschmiede nicht ganz ran.

Präsentation des Hefts 42 der "Kleinen Suhler Reihe" mit dem Titel "Suhler Simson-Rennfahrer 1914 bis 1926" sowie die Enthüllung einer Ehrentafel für alle Simson-Rennfahrer (Automobil- und Motorradsieger) am 24. November um 17 Uhr im Fahrzeugmuseum.

    
    

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