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Luchs kehrt nach Thüringen zurück

Von Lars Lützkendorf REGION Anfang Dezember 2015 wurde das Skelett, der vom Nationalpark Harz sendermarkierten Luchsin

Drei der fünf Luchs-Babys. Sensationsfund 2015 im Landkreis Eichsfeld.  

Von Lars Lützkendorf

REGION Anfang Dezember 2015 wurde das Skelett, der vom Nationalpark Harz sendermarkierten Luchsin "F5", bei Bockelnhagen im thüringischen Landkreis Eichsfeld gefunden. Das Tier hatte vergangenen Mai in dem Gebiet fünf Jungtiere zur Welt gebracht. Die Luchsin trug einen GPS-Halsbandsender, der allerdings seit Ende August 2015 keine Daten mehr lieferte, lässt der bekannte Luchsprojekt-Leiter aus dem Harz, Ole Anders wissen. Auf die Frage, wie das Tier zu Tode gekommen ist, informiert der Diplom Forstingenieur : "Es ist eine pathologische Untersuchung des Skeletts von der TLUG ( Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie/red ) beauftragt worden. Ob sich am Ende anhand der wenigen Überreste des Tieres dessen Todesursache noch ermitteln lässt, bleibt fraglich. Hinweise auf eine illegale Tötung des Tieres liegen nicht vor. Entsprechenden Spekulationen, wie sie in den letzten Tagen geäußert wurden, fehlt jede sachliche Grundlage."

Herr Anders, kehrt der Luchs nach Thüringen zurück?

Wir beobachten derzeit eine deutliche Ausbreitungstendenz der Harzer Luchspopulation in Richtung Westen und Südwesten. Die Thüringische Landschaft bietet in weiten Bereichen mit einem hohen Waldanteil recht gute Bedingungen für den Luchs. Ich gehe davon aus, dass die Anzahl der Luchs-Nachweise in Thüringen über Kurz oder Lang steigen wird, auch wenn aktuell, verglichen mit den Nachbarbundesländern, auffallend weniger Nachweise zu verzeichnen sind.

Thüringen könnte in der Zukunft einen Teil eines Verbindungskorridors zur Vernetzung der beiden Luchsvorkommen in Deutschland - Harz und Bayerischer Wald - darstellen. Auf jeden Fall ist es wahrscheinlich, dass weiterhin Luchse aus dem Harzgebiet abwandern und somit Thüringen dauerhaft besiedeln könnten.

In welchen Bundesländern reproduzieren sich Populationen bereits?

Die Bayerisch/Böhmische Population reproduziert seit mehreren Jahrzehnten. Die Harzpopulation - eine international verwendete Bezeichnung - auch wenn diese die Grenzen des Mittelgebirges mittlerweile deutlich überschreitet, reproduziert in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordhessen und wie nun sicher nachgewiesen auch in Thüringen.

Der Wurf von "F5" soll der erste in Thüringen seit langer Zeit gewesen sein?

Es gab in den vergangenen Jahren mehrfach Sichtungen von führenden Luchsinnen im Bereich des Thüringischen Harzes. 2006 konnte Dr. Dieter Storch aus der Nähe von Sülzhayn erstmals Fotos von Luchs-Jungtieren vorlegen, die im September bereits mit dem Muttertier umherzogen. Dabei handelte es sich um den ersten sicheren Nachweis in Thüringen.

Das Geheck der Luchsin F5 ist nun allerdings das erste, das am Geburtsort gefunden und markiert wurde und bei dem damit ganz sicher ist, dass es auf Thüringischem Gebiet zur Welt kam.

Gibt es Hinweise, was aus den Kleinen geworden ist?

Der Verbleib der Jungtiere ist unklar. Dass sie nach dem Verlust der Mutter im Herbst 2015 noch am Leben sind, ist allerdings aus meiner Sicht eine eher theoretische Möglichkeit.

Es soll der Verdacht bestehen, Luchse werden in Deutschland illegal gejagt?

Ja,es gibt leider Belege dafür aus Bayern. Im Bereich der Harzpopulation, also auch in Thüringen, ist dagegen kein einziger Fall aufgetreten. Es sollten daher die beiden Luchs-Vorkommensgebiete in diesem Punkt ganz klar getrennt voneinander besprochen werden. Verdächtigungen ohne handfeste Belege und nur vor dem Hintergrund der bayerischen Situation helfen dem Luchs nicht - im Gegenteil, aus meiner Sicht gefährden sie eine breite Allianz, die für den Schutz des Luchses unbedingt organisiert bzw. erhalten werden muss.

Vor dem Hintergrund der zuletzt erfolgten Berichterstattung ist es vielleicht noch einmal sinnvoll zu betonen, dass die Wiederansiedlung des Luchses im Harz von Jägern initiiert wurde, bis heute in Kooperation der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von Jägern umgesetzt und betreut und von Harzer Jägerschaften unterstützt wird.

Wissenswertes über den Luchs:

Mit einer Schulterhöhe von 60 cm ist der Luchs die größte heimische Katzenart. Charakteristisch sind die Pinselohren, der typische Backenbart und der kurze Schwanz.

Nach einer Tragzeit von 10 Wochen bringt der Luchs 2 bis 5 Junge zur Welt. Die Jungtiere bleiben etwa ein Jahr bei der Mutter. Danach legen sie auf der Suche nach unbesetzten Revieren oft viele Kilometer zurück.

Der Luchs ist ein Überraschungsjäger. Sein Seh- und Hörvermögen erlaubt es ihm, vor allem in der Dämmerung und nachts, seine Beute aufzuspüren.

Als Einzelgänger beansprucht der Luchs ein eigenes Revier, das in der Regel mehr als 100 Quadratkilometer umfasst. Nur während der Paarungszeit von Februar bis April suchen die Männchen die Nähe der Weibchen.

(Quelle: Nationalpark Harz)

    
    

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