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In Suhl sollen künftig wieder alle Flüchtlinge ankommen

Derzeit rund 400 Ankünfte pro Monat in Thüringen / Kapazität und Vorzüge auf dem Friedberg passen

Von Sabine Gottfried SUHL/THÜRINGEN Der Boiler in der kleinen Küche neben der Teestube gibt noch immer kein heißes Wasser. Das WLAN läuft nicht.

Hier in der Weidbergstraße auf dem Suhler Friedberg ist die Zentrale zur Aufnahme, Untersuchung und zur Entscheidung über die Anträge der Asylsuchenden. Auch die Sozialräume befinden sich hier. Foto: got  

Von Sabine Gottfried

SUHL/THÜRINGEN Der Boiler in der kleinen Küche neben der Teestube gibt noch immer kein heißes Wasser. Das WLAN läuft nicht. Zimmer können für eine vernünftige Privatsphäre nach wie vor nicht abgeschlossen werden. Die Ankommenden warten auch bei schlechtem Wetter im Freien, und es bilden sich lange Schlangen bei der Auszahlung der Leistungen, die ihnen zustehen. Die Mitarbeiter und Helfer dachten längst, da wird sich wohl nichts mehr ändern.

Auf dem Gelände, in den Gebäuden in der Suhler Weidbergstraße und auch nach außen hin war es ruhig geworden um die Flüchtlingseinrichtung. Als dann ihr Leiter, Kai Philipps, vor einem Jahr ins Landesverwaltungsamt nach Weimar zurück beordert worden war, kamen gewiss auch Fragen auf nach dem Sinn der immens hohen Investitionen in die Einrichtung mit einer Maximal-Kapazität von bis zu 1800 Plätzen. Gebäude-, Zimmer- und Sanitärsanierungen, Aufzüge, größere Teestube, Spielzimmer, Kleiderkammern, sogar ein Gebetsraum - Sponsoren und Helfer waren bei allem überaus rührig.

Inzwischen steigt die Belegung kaum mal über 200 Menschen bei laufender Verteilung in die Landkreise. Mit den deutlich gesunkenen Ankünften ist Suhl aber keine Ausnahme. Seit Jahresbeginn erreichten noch rund 2500 Asylsuchende den Freistaat. Viele Landeseinrichtungen, unter anderem in Gotha, Eisenberg, Gera-Liebschwitz und Hermsdorf, befinden sich im Standby-Modus. Das soll bis zum Herbst auch für das frühere Geraer Bergarbeiter-Krankenhaus, das bisherige sogenannte Ankunftsportal, so werden, inklusive der Option zur Wiederaufnahme bei Bedarf.

Mit der Ruhe auf dem Suhler Friedberg wird es damit also vorbei sein. Wobei wohl jeder auf Schlagzeilen von Auseinandersetzungen und Polizeieinsätzen verzichten kann. Aber eine höhere Auslastung der Blöcke rechtfertigt auf alle Fälle die seit Mitte 2014 getane Arbeit auch sehr vieler Ehrenamtlicher, um Geflüchteten, nicht selten mit Kindern, eine menschenwürdige Bleibe zu geben und sich ihrer anzunehmen.

Denn: Die Suhler Flüchtlingseinrichtung soll mit der Schließung in Gera als zunächst einzige Aufnahmestelle Thüringens arbeiten. Beim kürzlichen Arbeitsbesuch von Landes- und Fraktionsvorsitzender der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, und ihrer Sprecherin für Flüchtlings- und Integrationspolitik, Sabine Berninger, klang unmissverständlich an, dass dann auch wieder eine verantwortliche Leitung vor Ort benötigt werde.

Nichts ohne die vielen Helfer und Sponsoren

Als wichtige Argumente für die Standortwahl werden Suhl nicht nur beste Bedingungen bescheinigt. Seit etlichen Monaten arbeitet die Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf dem Friedberg mit inzwischen über 80 "Entscheidern" und Mitarbeitern für die Asylanträge. Das Büro der Arbeitsagentur sondiert weiterhin potenzielle Personen für Arbeitsmarkt, Ausbildung oder Förderung.

Die Initiative Starthilfe und Begegnungsarbeit des Kirchenkreises Henneberger Land mit Projektleiterin Marlies Venohr funktioniert gut für eine ganz praktische Begleitung und Hilfestellung für die Geflüchteten bei Behördenangelegenheiten, aber auch für die menschliche, psychosoziale Seite beim Ankommen in einem fremden Land. Und für ein Lächeln der Kinder.

Zwei Festangestellte, ein Bundesfreiwilligendienstler und wohl ab September zwei FSJ-ler klingen da nicht eben viel. Jedoch konnte man hier stets auf einen großen Schatz vertrauen: viele unermüdliche, freiwillige Helfer, oftmals von Anfang an die gleichen Leute, wie Landtagsabgeordnete und Stadträtin Ina Leukefeld beobachtete und auch der frühere Leiter, Kai Philipps, immer außerordentlich schätzte. Philipps ist derzeit Projektleiter für Integrationsmaßnahmen im Landesverwaltungsamt.

Helfer und Unterstützer werden künftig weiter gefragt sein, vor allem falls die Flüchtlingszahlen wieder steigen, wie Politikerin Hennig-Wellsow annimmt. Von diesen Menschen hänge die Willkommenskultur für die Flüchtlinge ab, die über das Netzwerk für Integration auch auf das städtische Leben in Suhl übertragen werden müsse.

An die Landespolitik würden nun die gegenwärtigen Ungereimtheiten und Erfordernisse heran getragen, um die Zeit für die Rückveränderung zur Erstaufnahmestelle auf dem Friedberg zu nutzen, hieß es beim Rundgang. - Vom ewig schon herum hängenden Wasserboiler ("ein klassischer Verwaltungs-Irrweg", wurde bemerkt) bis zur europaweiten Ausschreibung der künftig verantwortlichen Sozialdienste.

    
    

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