| Sicherheitsbedenken: Anwohner wollen Bauvorhaben der Stadt stoppen | |||
| Wenn man über die Brücke nur noch gehen kann |
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Zella-Mehlis (av). Mit einer Petition versuchen Anwohner von Bohnengasse und Heinrich-Ehrhardt-Straße in Zella-Mehlis ein Bauvorhaben der Stadt zu stoppen. Im Juni hatte der Bauausschuss des Stadtrates beschlossen, die alte Brücke über den Lubenbach an der Bohnengasse abzureißen und durch eine neue Brücke zu ersetzen, die dann allerdings nur noch für Fußgänger und Radfahrer freigegeben sein soll.
Zu dem Bauvorhaben hatte es im Vorfeld auch eine Einwohnerversammlung gegeben, damals waren die Einwohner prinzipiell damit einverstanden. Lediglich einige offene Fragen habe es dazu gegeben, beispielsweise, welche Kosten auf die Anwohner umgelegt werden. „Dazu haben wir bis heute keine Antworten bekommen“, sagt Anwohner Peter Bernhardt. Was ihn aber noch viel mehr störe, sei der Eindruck, dass wichtige Vorschriften nicht eingehalten werden, wenn die Brücke für motorisierte Fahrzeuge gesperrt und so die Verkehrsführung geändert wird. „Ich habe als Planer regelmäßig selbst beruflich mit solchen Fragen zu tun und denke, dass ich das richtig einschätze“, sagt er. Deshalb hat Bernhardt sich gemeinsam mit den anderen vier betroffenen Parteien und einem vor Ort praktizierenden Arzt mit einer Petition an Bürgermeister Karl-Uwe Panse gewandt, die Kritikpunkte aufgeführt und unter anderem den Erhalt der bestehenden Brücke gefordert. „Aus drei Gründen sind wir mit einer reinen Fußgängerbrücke nicht einverstanden“, erklärt Bernhardt. Zum einen sei in der Thüringer Bauverordnung vorgeschrieben, dass es in einer Sackgasse, die länger als 50 Meter ist, eine passende Gelegenheit zum Wenden geben müsse, einen sogenannten Wendehammer. Das ist entsprechend der bisherigen Planungen nicht gegeben. Wenn die öffentlichen Stellplätze, die an der Stelle eines abgerissenen Hauses entstehen sollen, belegt sind, haben Autofahrer keine andere Möglichkeit, als rückwärts wieder auf die Heinrich-Ehrhardt-Straße zu fahren. „Das ist ein Problem, dass wir auch sehen. Rückwärts aus Einfahrten herauszufahren, das lässt sich nicht vermeiden. Aber wenn das bei einer öffentlichen Straße der Fall ist, hätten wir sicher unsere Bedenken angemeldet“, sagt Dirk Bernsdorf vom Sachgebiet Verkehr in der Polizeiinspektion Suhl. Er sagt „hätten wir“, weil die Polizei zu dieser Angelegenheit gar nicht befragt wurde. „Das ist ungewöhnlich. Es gibt eine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung, derzufolge die Polizei bei Änderungen der Verkehrsführung angehört werden sollte. Bisher hat das auch immer gut geklappt in Zella-Mehlis“, ergänzt er. Ein weiterer Kritikpunkt der Anlieger ist es, dass künftig der Winterdienst diesen Teil der Bohnengasse nicht mehr räumen kann, weil auch diese Fahrzeuge nach dem Schieben rückwärts fahren müssten. Am problematischsten ist das für Klaus Büchner, der seine Arztpraxis im Haus hat. Er wohnt auswärts, muss aber oft als Notarzt zu Einsätzen und ist daher auf einen jederzeit befahrbaren Parkplatz angewiesen. „Für mich ist ein uneingeschränkter Zugang von beiden Seiten der Bohnengeasse zu allen Jahreszeiten für die Ausübung der Notarzt- und leitenden Notarztdienste unverzichtbar“, schrieb er unter die Petition an den Bürgermeister. Im Unglücksfall am gefährlichsten ist aber wohl der dritte Kritikpunkt der Anwohner. Peter Bernhardt ist sich sicher, dass bei Änderungen von Zufahrtswegen, also bei allem, was nicht dem Bestandsschutz unterliegt, ein zweiter Rettungsweg vorgesehen werden muss. „Im schlimmsten Fall brennt eins der Häuser ganz vorn an der Einfahrt zur Bohnengasse. Wenn aus der Bohnengasse Nummer 2 oder 4 Menschen evakuiert werden müssten, hätte die Feuerwehr keine Chance, sie mit der Drehleiter zu holen“, argumentiert Peter Bernhardt. Susanne Reinhardt vom Bauamt möchte jetzt die Einwände prüfen und den Mitgliedern des Bauausschusses dann eine neue Empfehlung geben. „Für uns ist das Neuland. Wir haben noch nie eine Brücke zur Nutzung herabgestuft“, sagt sie. Mit den Verantwortlichen vor Ort, mit der Zella-Mehliser Verkehrsbehörde und mit der Feuerwehr habe man vor der Entscheidung gesprochen. Dabei seien keine Bedenken aufgetreten. „Wenn es Zweifel gegeben hätte, hätten wir uns natürlich an den Brand- und Katastrophenschutz beim Landratsamt und an die Verantwortlichen bei der Polizei gewandt“, sagt sie. Das werde nun nachgeholt. Georg Sauerteig, Sachbearbeiter vom Sachgebiet für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsamt im Landratsamt Meiningen, möchte deshalb auch noch nicht vor der Presse Stellung beziehen: „Wir haben in dieser Woche ein Vor-Ort-Treffen, dabei werde ich mir ein Bild machen“, sagt er. Seine Einschätzung soll dann ebenso in die Hinweise für den Bauausschuss einfließen wie die der Polizei. Der Ausschuss tagt im Zella-Mehliser Rathaus am Dienstag, dem 24. August, 19 Uhr.
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Zwei Planungsbüros seien unabhängig voneinander zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung der bestehenden Brücke, die mit Fahrzeugen bis zu 2,8 Tonnen befahren werden darf, unwirtschaftlich wäre, hieß es unter anderem in der Begründung. Da nun nach dem Abriss mehrerer leerstehender Gebäude in diesem Gebiet die Bohnengasse erneuert werden soll, schien es nur sinnvoll, im gleichen Zug die Brücke zu ersetzen.