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Suedlink: Widerstand soll auf breitere Grundlage gestellt werden

Nächste Protestaktion soll am 25. März in Fambach stattfinden

BAD SALZUNGEN Aus Sicht der Vertreter des "Salzunger Bündnisses", das sich gegen die Führung der Suedlink-Stromtrasse durch West- und Südthüringen wendet, ist es jetzt allerhöchste Zeit, den Widerstand auf eine breitere Grundlage zu stellen und sichtbar zu machen.

Im Frühjahr vergangenen Jahres formierte sich der Widerstand gegen die Suedlink-Trassenführung durch West- und Südthüringen. Auf dem Bild: Landräte und Bürgermeister aus den betroffenen Regionen. Sie, Verbandsvertreter und Einzelbürger haben sich im "Salzunger Bündnis" zusammengeschlossen. Archiv-Foto: E. Hande  

BAD SALZUNGEN Vor allem private Grundstückseigentümer, die vom Bau der Trasse betroffen wären, sollen mit ins Boot geholt werden. Überlegungen wurden geäußert, Privatleute zu unterstützen, wenn sie sich wehren.

INFO

Suedlink

 

Damit der Strom aus Windkraftanlagen im Norden nach dem Atomausstieg auch im Süden genutzt werden kann, sollen nach Vorgaben der Bundesregierung neue Stromtrassen gebaut werden. Nachdem die ursprünglich oberirdisch geplante Trasse nun in Form von Erdkabeln in einem rund 1000 Meter breiten Planungs-Korridor verlaufen soll, steht neuerdings neben den aktuellen Planungen für Westdeutschland auch eine Streckenführung über ehemals ostdeutsches Gebiet und damit auch durch den Wartburgkreis, den Unstrut-Hainich-Kreis, den Landkreis Schmalkalden-Meiningen und Ortsteile der kreisfreien Stadt Eisenach zur Debatte.

 

Hintergrund der jüngsten Zusammenkunft des Bündnisses war der von der Bundesnetzagentur abgelehnte Alternativvorschlag zum Trassenverlauf des Netzbetreibers TenneT, den der Freistaat Thüringen vorgelegt hatte.

 

Gegen die Realisierung des Projektes auf der Grundlage der TenneT-Pläne suche man natürlich weiter nach rechtlichen Ansatzpunkten, "die noch keine Berücksichtigung fanden", versicherte Dr. Martin Gude, Abteilungsleiter Energie/Klima beim Thüringer Umweltministerium. Aber es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass man solche neuen Ansatzpunkte auch finden werde. Gude betonte grundsätzlich, dass sich die Landesregierung nach wie vor zum Energieübertragungsnetz von Norden nach Süden bekenne, man aber auch geltend mache, dass der Freistaat durch den Verlauf des Suedostlinks bereits stark belastet sei. Auch erklärte er, dass die erdgebundene Verkabelung, um die es jetzt gehe, das absolut notwendige Mindestmaß sei, um den Strom von Norddeutschland gen Süden zu bekommen. Bei der Frage nach dem zukünftigen Bedarf sprach sich Gude jedoch dafür aus, ein Szenario zu entwickeln, das die dezentrale Energieversorgung einbezieht.

Thomas Walter vom Infrastrukturministerium äußerte Zweifel daran, dass die Bundesnetzagentur den Thüringer Vorschlag wirklich gründlich genug geprüft habe. Der Freistaat gehe weiter davon aus, dass das Gebot der Geradlinigkeit des Trassenverlaufs durch den TenneT-Plan nicht eingehalten werde. Es sei auch ein Fehler, den Vergleich der Raumwiderstände nur auf deren Anzahl zu beziehen, nicht aber auf deren Qualität im Einzelnen.

Der Meininger Landrat Peter Heimrich hatte vor der jüngsten Bündnis-Zusammenkunft ins Spiel gebracht, die Suedlink-Trasse unter dem Grünen Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verlaufen zu lassen. Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs sagte dazu, dass der Vorschlag durchaus "Charme" habe, betonte aber auch, dass das Grüne Band gerade im Wartburgkreis eben doch auch Siedlungen tangiere. "Da rede ich noch gar nicht vom Naturmonument."

Er sprach sich dafür aus, den Widerstand besser zu koordinieren und vor allem zu intensivieren. "Wir müssen was tun." Krebs regte an, stärker auf die Betroffenheit der Flächeneigentümer abzuzielen. Hierzu müsste in den einzelnen Gemeinden informiert werden. "Ich möchte, dass die Menschen spüren, dass sich die Mandatsträger für sie einsetzen."

Ingo Jendrusiak, Bürgermeister der Krayenberggemeinde, ermunterte die Grundstückseigentümer, sich mit dem Thema

Suedlink auseinanderzusetzen. Wer seine Flächen verpachtet habe und womöglich vom Trassenbau betroffen sei, dem könnten Verluste bei den Pachteinnahmen drohen, warnte er.

Es müsse verhindert werden, dass Flächeneigentümer und Pächter durch das Suedlink-Thema gegeneinander ausgespielt werden, betonte Bernhard Bischof, Bürgermeister der Gemeinde Hörselberg-Hainich.

Jürgen Herrmann, Bürgermeister von Fambach, erklärte, dass man mit dem Widerstand erst am Anfang stehe. "Das Problem ist, die Leute hinter dem Ofen hervorzulocken." Er erinnerte an die erste Protestdemonstration Mitte vergangenen Jahres in Fambach, zu der 3000 Menschen gekommen waren. Eine weitere Protestaktion kündigte er für den 25. März, 14 Uhr, an. "Ich hoffe, dass wir in Richtung Eisenach noch mehr Ressourcen haben", sagte er mit Blick auf die Teilnehmerzahl aus dem mittleren und nördlichen Wartburgkreis. Johannes Schmidt vom Kreisbauernverband Schmalkalden-Meiningen sieht die Landeigentümer als "das Zünglein an der Waage" - nicht zuletzt aus Sicht der landwirtschaftlichen Pächter. Er sprach sich dafür aus, die Folgen des Trassenbaus auch in Briefen schriftlich klarzumachen. Die direkte Betroffenheit bei den Leuten klar anzusprechen, die mit den Folgen leben müssten, dafür plädierte auch Hannes Knott, Bürgermeister der Moorgrundgemeinde.

Die Spaltung der Dörfer müsse verhindert werden, betonte Landrat Krebs. Er erinnerte daran, dass das "Salzunger Bündnis" bei Verfahrensfragen durch eine Fuldaer Kanzlei vertreten werde. Diese sei jedoch nicht für das Individualrecht des einzelnenen Grundstückeigentümers zuständig, betonte er. "Das Individualrecht muss der Eigentümer für sich wahrnehmen."

Gleichwohl sprach sich der Marksuhler Bürgermeister Martin Trostmann dafür aus, dass die Gebietskörperschaften die einzelnen Betroffenen unterstützen sollten, weil der Normalbürger mit einem möglichen Enteignungsverfahren rechtlich einfach überfordert sei.

Die Mobilisierung von 10 000 bis 15 000 Bürgern hält Christoph Friedrich (Bürgermeister der Gemeinde Rhönblick und Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Suedlink) für notwendig, um den Widerstand sichtbar zu machen. "Der Rahmen für die Region muss größer werden." Die Nutzung soziale Netzwerke und einer App nannte er in diesem Zusammenhang ebenfalls.

Wer am gemeinsamen Protest mitwirken will, kann sich an das Büro des Landrates im Wartburgkreis wenden (pressestelle@wartburgkreis.de). Kontakt zur Bürgerinitiative "Keine Stromtrasse zwischen Rhön und Rennsteig e.V." kann hergestellt werden, teilte die Verwaltung des Wartburgkreises nach der Bündnis-Zusammenkunft mit. yv

    
    

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