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Musikalische Schätze heben

Die "Straße der Barockmusik" soll im Herbst stattfinden/Bad Liebenstein, Barchfeld-Immelborn und Bad Salzungen sind beteiligt

BAD LIEBENSTEIN/BAD SALZUNGEN/BARCHFELD-IMMEBORN Mit der "Straße der Barockmusik" wurde in dieser Woche ein neues musikalisches Format angekündigt.

Ein Ensemble für Alte Musik soll an der Musikschule Wartburgkreis Fuß fassen. Ein Cembalo und Blockflöten stehen hierfür u. a. zur Verfügung. Foto: Göring  

Bad Liebenstein, Barchfeld-Immelborn und Bad Salzungen wollen im Herbst an das reiche Erbe dieser Epoche erinnern, die mit den Komponisten Johann Melchior Molter und Johann Theodor Roemhildt zwei zu ihrer Zeit sehr bekannte Vertreter hatte und die aus der Region stammen. Sowohl kirchliche als aus höfische Musik wird hierbei erklingen. Als Beitrag zum aktuellen Themenjahr "Musikland Thüringen" haben die Kulturverantwortlichen der drei Kommunen ihr Konzept entwickelt, das eigentlich schon im Frühjahr seine Premiere erleben sollte. Die Corona-Pandemie zwang die Organisatoren, die Konzert-, Vortrags- und Ausstellungsreihe zu verschieben. Vom 19. September bis zum 7. November werden die Veranstaltungen in Steinbach, Barchfeld, Bad Salzungen und Tiefenort nun stattfinden. "Die ,Straße der Barockmusik‘ ist das erste Gemeinschaftsprojekt, das unser reiches Musikerbe pflegt und erhält", sagte der Bad Salzunger Bürgermeister Klaus Bohl anlässlich der Vorstellung der Reihe. Für den Barchfelder Bürgermeister Ralph Groß zeigt das Projekt, dass Kultur und Tourismus nicht an den Grenzen von Kommunen oder Regionen enden. Mit dem Steinschen Schloss und dem Landgräflichen Schloss habe man in der Gemeinde zwei Objekte, die man ohnehin für die Einheimischen als auch die Touristen weiterentwickeln wolle. Schon deshalb begrüßt Groß das neue Format. "Man braucht Ideen und Visionen, um im Leben etwas zu erreichen", lobt er die Macher des Konzeptes. "Wir haben Schätze in der Region, die unbedingt gehoben werden müssen", unterstrich Kathleen Heß vom Fachbereich Kultur bei der Stadtverwaltung Bad Salzungen. Gemeinsam mit Dr. Christian Storch, Geschäftsführer der Bad Liebenstein GmbH, war sie federführend bei der inhaltlichen Ausarbeitung für die "Straße der Barockmusik". Johann Theodor

Roemhildt, der in Bad Salzungen zur Welt kam, sei zu seinen Lebzeiten wahrscheinlich bekannter gewesen als Bach. Seine und die Werke von Johann Melchior Molter bilden gewissermaßen den Kern der "Straße der Barockmusik". In mehrfacher Hinsicht soll diese Musikreihe ausstrahlen, so Kathleen Heß. So soll sich damit ein identitätsstiftender Charakter verbinden, der den Bürgern zeigt, in welch kulturell reicher Landschaft sie leben. Der innovative Aspekt bezieht sich auf die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. Die Vielfältigkeit spiegele sich im Zusammenspiel von professionellen und lokalen Akteuren wider. Für den Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit stehe die Gründung eines Ensembles für Alte Musik an der Musikschule Wartburgkreis. Darüber hinaus sei das Format hinsichtlich der Aufführungsorte ausbaubar - zum Beispiel bis Wilhelmsthal oder Eisenach.

Auch eine thematische Öffnung sei denkbar, so Heß, und verwies in diesem Zusammenhang auf die Romantik.

Die höfische und die kirchliche Barockmusik würden durch Molter und Roemhildt vertreten, so Dr.Christian Storch. Aber der Bogen lässt sich über die beiden Komponisten hinaus weiter spannen. Zum Beispiel durch eine Sammlung von 300 Kompositionen, die auf den Steinbacher Kantor Liebermann zurückgeht. Sie enthält eine Vielzahl sogenannter Leichenmotetten als Untermalung für Trauerfeiern, die aus der Feder von Steinbacher Adjuvanten, also von Helfern des Kantors, stammen, deren Namen heute vergessen sind. Die höfische Musik wiederum gepflegt wurde in Barchfeld bei Landgraf Adolf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, wo vielfach Transkriptionen großer Werke von den Adeligen selbst geschaffen und aufgeführt wurden, erläuterte Christian Storch. 400 Kompositionen sind erhalten geblieben.

Auch für Stefanie Ihling, Leiterin der Musikschule Wartburgkreis, ist es wichtig, den Schatz der Barockmusik aus der Region den Bürgern näher zu bringen. Um dies langfristig zu sichern, werde das Ensemblespiel im Kinder- und Jugendbereich um die Alte Musik ergänzt, kündigte sie an. Die Herausforderung bestehe darin, Instrumente mit historischer Stimmung zu spielen. Vier Violinen, vier Blockflöten und ein Cembalo stehen für diese Gruppenarbeit zur Verfügung. Auch das Hineintragen der Alten Musik in die Schulen im Rahmen von speziellen Projekten sei möglich.

Wolfram Flurschütz und Frank Schaft vom Förderverein Barchfelder Schlösser freuen sich darüber, dass ihr Verein in die Veranstaltungsreihe eingebunden wird. In den vergangenen Jahren seien das Landgräfliche Schloss und das Steinsche Schloss mehr und mehr zur kulturellen Zentren von Barchfeld geworden.

In Tiefenort soll nicht nur musiziert, sondern auch gelesen werden. Autor Peter Drescher weiß durch seine Recherchen über Molter, dass der Komponist als Hofkapellmeister ganz wesentlich das kulturelle Leben am Hof von Sachsen-Eisenach geprägt hat.

Tiefenorts Pfarrer Thomas Volkmann erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die "Straße der Barockmusik" auch ein Rückgriff auf das Jahr 2015 sei, als zum 250. Todestag in ganz besonderer Weise an den Komponisten in seinem Geburtsort erinnert wurde. Jochen Wölkner vom Vokalensemble "Viva la musica", vertrat die Musikgruppen aus der Region, die in die Veranstaltungsreihe eingebunden ist. Man habe ein breit gefächertes Repertoire, sei aber nicht auf Alte Musik spezialisiert. Es biete sich somit eine gute Gelegenheit, regionale Komponisten aus dieser Zeit wieder in den Vordergrund zu rücken.

Dass Roemhildts Werke an dem Ort gespielt werden, für den sie gedacht waren, darauf verwies der Bad Salzunger Kantor Hartmut Meinhardt.

Als Teil eines Wandelkonzertes wird auch die Weinhandlung Refuge in der Sulzberger Straße in Bad Salzungen Aufführungsort sein. Es bestünde auch die Möglichkeit, Tür und Tor zu öffnen, um die Sulzberger Straße zu bespielen, so Uwe Müller, Besitzer des Anwesens.

Für die Veranstaltungsreihe steht ein Gesamtbudget von 58 000 Euro zur Verfügung. Finanziell unterstützt wird die "Straße der Barockmusik" von den beteiligten Kommunen, dem Landkreis, der Bürgerstiftung Wartburgkreis, dem LEADER-Programm und der Thüringer Staatskanzlei. Mehr zu den einzelnen Programmpunkten in einer der kommenden Ausgaben. yv

 

    
    

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