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Landwirte erwarten kein besonderes Erntejahr

Fehlende Niederschläge im zeitigen Frühjahr und späte Fröste beeinflussen die Erträge

SÜNNA/WARTBURGKREIS Mit einer eher unterdurchschnittlichen Ernte rechnenen die Landwirte der Region in diesem Jahr. Ein trockenes zeitiges Frühjahr und späte Fröste im Mai sprechen gegen bessere Ergebnisse.

Der Probedrusch veranlasste Mitarbeiter der Agrarvereinigung Sünna noch zu waren, weil der Feuchtigkeitsgehalt zu hoch war. Im Vergleich zu den Vorjahren beginnt die Ernte später. 2017 fiel der Startschuss in der Wartburgregion schon am 29. Juni, vor zwei Jahren am 5. Juli und im letzten Jahr am 8. Juli.   » zu den Bildern

SÜNNA/WARTBURGKREIS Zwar stehen die Landwirte in den Startlöchern, um mit den Mähdreschern das Korn einzuholen. Aber dem machte vielerorts erst einmal das Zwischentief in dieser Woche einen Strich durch die Rechnung. Der Feuchtigkeitsgehalt war auch beim Probedrusch auf einem Feldstück unweit von Sünna zu hoch. Der Bereich gehört zur Agrarvereinigung "Rhönpforte", wo am Mittwoch die Erntesituation für die Wartburgregion erläutert wurde.

Die Wintergerste hat es offenbar besonders hart getroffen auf den Feldern im Landkreis. Werner Mosebach vom Vorstand des Kreisbauernverbandes rechnet hier mit Ausfällen von 10 bis 80 Prozent. "Das ist abhängig von der Sorte." Ursächlich sei die große Trockenheit vor allem im März. Einbußen werden auch beim Raps erwartet, wenngleich genauere Aussagen noch nicht getroffen werden können. "Das 1000-Korn-Gewicht ist entscheidend." Nicht ungetrübt ist die Freude zudem bei der Futtermittelgewinnung. Der erste Grünschnitt habe zwischen 20 bis 40 Prozent unter dem Durchschnitt gelegen. Der zweite Schnitt sei dafür "durchweg normal", wie Mosebach sagte. Doch das Defizit bleibt, was die Landwirte nur durch eine Zwischenfrucht oder Zukäufe ausgleichen könnten. Die Trockenheit, die nun mittlerweile im dritten Jahr anhält, bereitet Sorge, auch wenn es heuer nicht ganz so dramatisch aussieht wie 2018 und 2019. "Der Feuchtezustand des Bodens ist erschreckend. In anderthalb bis zwei Meter Tiefe ist es staubtrocken", berichtete Werner Mosebach.

Das Bild, das er zeichnete, wurde von Veiko Schmidt, Vorstand der Agrarvereinigung "Rhönpforte" im Wesentlichen bestätigt. "Die Trockenheit im Frühjahr werden die Erträge beeinflussen. Bei der Gerste sind die Spätfröste von Bedeutung. Es wird keinen Totalausfall geben, aber diese Flächen sind eben besonders beeinflusst."

Nach Angaben des Kreisbauernverbandes wächst in diesem Jahr in der Wartburgregion auf rund 19 500 Hektar Getreide, auf rund 5700 Hektar wurde Winterraps angebaut. Mais steht auf rund 3700 Hektar, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Agrarvereinigung Sünna bewirtschaftet auf größtenteils angepachteten Flächen 520 Hektar Ackerland und 250 Hektar Grünland und hat sich der Mutterkuhhaltung verschrieben. In der Vorderrhön, so Vorstand Schmidt, sei das nicht zuletzt für die Landschaftspflege von Bedeutung.

Die Preise für die Erträge bewertet Schmidt gegenwärtige als "mittelprächtig". Das sieht Werner Mosebach bei Milch und Fleisch ähnlich. Zudem: "Der Fall Tönnies geht durch die Medien und hat ein relativ großes Chaos angerichtet." Eine Entwicklung, die auch Landrat Reinhard Krebs "mit Sorge" sieht: Die Ausdünnung des Verarbeitungsnetzes - die Konzentration bei Molkereien und Schlachthöfen - hätten solche Entwicklungen begünstigt. Wofür die Bauern jedoch nichts könnten. "Die Diskussion um Tönnies wird immer in Verbindung mit den Landwirten gesehen. Das ist unfair. Sie haben keinen Einfluss auf den Schlachtbetrieb."

Dieter Mitschke, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, sieht außerdem die Auflagen und der Dokumentationspflicht, die die landwirtschaftlichen Betriebe inzwischen erfüllten müssten, kritisch. Diese seien inzwischen so hoch, der die Erlöse immer geringer ausfielen. Leider seien die Proteste Anfang des Jahres im Hinblick auf die EU-Düngemittelverordnung und für faire Preise "nicht zum Erfolg gekommen". Er sieht die Tendenz in Thüringen, dass landwirtschaftliche Betriebe darüber nachdächten, die Milchproduktion aufgeben. Was wiederum Auswirkungen auf die Landschaftpflege haben könnte. yv

    
    

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