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Revival von: "Was jetzt kommt, weiß niemand..."

Ein kritisch-unterhaltsamer Abend mit Kurt Tucholsky am 27. Oktober im Alten Postgebäude am Lohgraben 4

COBURG Aufgrund der vielen Nachfragen hinsichtlich einer Wiederholung der Veranstaltung Ende Juni diesen Jahres, haben der Verein "MakingCulture e.V.

Frederik Leberle. Foto: Tyler Stalman   » zu den Bildern

COBURG Aufgrund der vielen Nachfragen hinsichtlich einer Wiederholung der Veranstaltung Ende Juni diesen Jahres, haben der Verein "MakingCulture e.V." in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg beschlossen, Tucholsky erneut zu präsentieren. Erfreulicherweise haben die hochkarätigen Künstler sich bereit erklärt, nochmals seine Texte und Chansons auf die Bühne zu bringen. Frederik Leberle, der u.a. aktuell als "Wallenstein" im Landestheater auftritt, wird die Textauslese vortragen, Anne Rieckhof reist aus Saarbrücken, Dominik Tremel aus Bamberg an, um wiederum mit Chansons das Repertoire zu bereichern.

Franziska Bartl, Coburger Historikerin und Leiterin der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg, wird in kurzen Überleitungen die historischen Hintergründe erläutern.

Kurt Tucholsky wäre einer, der uns auch heute noch den Spiegel vorhalten könnte, so wie er es vor knapp hundert Jahren in der Weimarer Republik getan hat. Er würde sich wohl die Themen, die uns aktuell umtreiben, wie Populismus, Flüchtlingskrise, etc. in kämpferisch -journalistischem Manier vornehmen und in bissig scharfzüngigen Sentenzen seine Ansichten dazu vor Augen führen.

Die Frage ist, würden wir ihn hören oder müsste er wiederum resigniert feststellen, dass wie einst seine Worte verhallen? Erich Kästner formuliert es folgendermaßen: "Ein kleiner dicker Berliner, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte"

Wenn er 1920 in dem Beitrag "Dämmerung" für die "Weltbühne" über die Zeitumstände philosophiert, darüber, dass sich in dem täglichen geschäftigen Treiben etwas zusammenbraut und "diese Zeit etwas durchaus Gespenstiges hat". Aber was?

"Ich weiß es nicht. Ich fühle nur dumpf, dass da etwas herankriecht, das uns alle zu vernichten droht. Uns: das ist unser altes Leben, das sind die grünen Inseln, die wir uns im Strom des lächerlich lauten Getriebes noch zu bauen verstanden haben - uns: das ist unsre alte Welt, an der wir - trotz allem - so gehangen haben. Wohin treiben wir?"

Diese Auseinandersetzung mit den damaligen politischen und gesellschaftlichen Zuständen treibt ihn um. Er, der promovierte Jurist, zwingt sich jeden Tag erneut und manchmal widerwillig, klagend, wütend, verzweifelt, in die Schreibmaschine zu hacken, was er anprangert, in der Hoffnung, seinen Lesern die Augen zu öffnen und sich zu besinnen. Er trieb es soweit mit seinen "Feder"-Angriffen auf die sog. Obrigkeit, die Speichellecker, die Nationalsozialisten, dass er auf der ersten Ausbürgerungsliste landete und 1929 emigrierte. Seine Bücher wurden verbrannt.

Es gibt aber auch noch die andere Seite des Kurt Tucholsky: Die eines äußerst einfühlsamen Mannes, der mit seinen zwei Romanen "Rheinsberg" und "Schloss Gripsholm" Bestsellerauflagen erzielte. Oder sich als Verfasser unzähliger Liebesbriefe an seine spätere Frau Mary mit den Worten "Mein Kornblumenmätzchen, Schaukelbadewanne meiner Gefühle..." zärtlich offenbart.

Der als Porträtist einen Charlie Chaplin in treffenden Bildern widerspiegelt, als Theaterkritiker seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe beweist oder in pastellfarbigen Reisebildern schweifen lässt. Der als bissiger Satiriker seine Angriffe gegen alle und jeden richtet oder sich als frech-witziger Humorist Löcher im Käse oder Ehekrisen vornimmt.

Sein Verleger Rowohlt beschreibt Tucholsky in dem Klappentext zu der Ausgabe "Unser ungelebtes Leben" Briefe an Mary von 1982 im Klappentext folgendermaßen: "...An dessen spitzer Feder erinnert so mancher Satz- doch das Faszinierende, geradezu Schockierende ist der Grundakkord, das Leitmotiv dieses im altmodischen Sinne sehr männlichen Lebens: moll". Dessen Leben auch in Moll endete.

Verantwortlich für Programmgestaltung und Inhalte: Dr. Friederike Beck-Meinke und Franziska Bartl

Ort: Altes Postgebäude am Lohgraben 4 (gegenüber Seiteneingang Kaufhof)

Zeit: 27. Oktober, 19 Uhr

Eintritt: frei

Veranstalter sind:

- die Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg, gefördert durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

-Verein "MakingCulture e.V."

    
    

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