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Der Bierschnegel wird im Coburger Land wieder angesiedelt

 Der Bierschnegel war im Coburger Land ausgestorben  Die Höhere Naturschutzbehörde erlaubte die Wiederansiedelung  Vor kurzem wurde die

Der verschollene Bierschnegel wird im Coburger Land wieder angesiedelt. Dafür hat der LBV die Genehmigung der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberfranken eingeholt und drei Keller für die besonderen Bedürfnisse der Schneckenart ausgestattet. Foto: LBV  

 Der Bierschnegel war im Coburger Land ausgestorben

 Die Höhere Naturschutzbehörde erlaubte die Wiederansiedelung

 Vor kurzem wurde die Schneckenart in einem Keller in Bertelsdorf freigelassen

COBURG Der Bierschnegel ist eine Nacktschneckenart, und manche Menschen wären vielleicht froh, wenn diese ausstirbt. Anders als die in Gärten und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen schädliche "Spanische Wegschnecke" zählt der Bierschnegel jedoch nicht zu den Schneckenarten, die sich für grüne Pflanzen interessieren. Für Naturschützer ist der Bierschnegel eine schützenswerte Tierart, die besondere Aufmerksamkeit braucht, zumal sie als eine Charakterart der fränkischen Bier- und Felsenkeller gilt.

"Als Artenwächter kämpfen wir dafür, die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten, damit das ökologische Gleichgewicht nicht aus dem Tritt kommt", sagt Frank Reißenweber, Erster Vorsitzender des LBV Coburg. "Wiederansiedlungsprogramme ausgestorbener Arten sind nicht nur was für Biber, Wildkatze und Bartgeier, sondern auch für Insekten oder wie hier für Weichtiere, weil alle Organismen im Ökosystem eine Funktion haben!" Heute wurde der Bierschnegel in einem Keller in Bertelsdorf freigelassen, um ihn bei uns wieder anzusiedeln, denn er ist im Coburger Land ausgestorben. Mit der Aufgabe der feuchten Bierkeller waren im Coburger Land leider auch die Tage des Bierschnegels gezählt. "Die Art war in Franken und nach Angaben früherer Weichtierkundler auch im Coburger Gebiet weit verbreitet und ist erst mit der Nutzungsauflassung der Keller als Lager für Lebensmittel fast ausgestorben", erklärt der hinzugezogene Schneckenexperte Christian Strätz aus Bayreuth. "Da die Vorratshaltung heutzutage in trockenen und sauberen Lagern stattfindet, wurde dem Bierschnegel zunehmend der Lebensraum entzogen, und seine Vorkommen sind drastisch zusammengebrochen."

Aktuell wird er in den Roten Listen Deutschlands und Bayerns als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Nach Angaben von Manfred Colling aus Oberschleißheim, der gerade die neue Rote Liste Bayerns erstellt, wird es bei dieser Gefährdungseinstufung bleiben. Der Bierschnegel erreicht im ausgewachsenen und ausgestreckten Zustand eine Länge von sieben bis maximal zehn Zentimetern. In der Regel sind die Tiere schmutzig-gelb bis dunkelorange gefärbt. Für ihr Aussehen typisch sind hellere oder dunklere, meist längliche, unregelmäßig angeordnete Flecken auf der Oberseite, der gelbe Körperschleim sowie die blaugrauen Fühler. Zu verwechseln ist der Bierschnegel nur mit dem Grünschnegel aus dem Schwarzmeergebiet, der auch in England und Irland sowie auf den Kanaren beheimatet ist und erst seit wenigen Jahren auch in Deutschland als Neubürger auftritt.

Im vergangenen Jahr meldete ein LBV-Mitglied aus Würzburg, dass sie die vom Aussterben bedrohte Schneckenart bei sich im Hinterhof gefunden hatte. Nun ist Irmgard Schuster eigens mit rund 100 Exemplaren des Bierschnegels nach Coburg gefahren.

Die Tiere wurden in einem aufgelassenen Bierkeller im Coburger Ortsteil Bertelsdorf, der speziell für den Bierschnegel vorbereitet wurde, freigelassen. In zwei weiteren Kellern, in Bad Rodach und im Coburger Ortsteil Ketschendorf, wird der Bierschnegel auch noch angesiedelt. Zuvor wurde bei der Höheren Naturschutzbehörde in Bayreuth eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für die Wiederansiedelung beantragt, die mit der Auflage genehmigt wurde, die Bestandsentwicklung der Tiere zu dokumentieren.

Anschließend wurden die drei Keller mit Temperatur- und Feuchtemessgeräten und nach Empfehlung von Irmgard Schuster und Christian Strätz mit einem breiten Spektrum an Futter ausgestattet: Karotten, Mehl, Kartoffeln, Pilze, Gurken, Haferflocken, morsches Holz und Getreidekörner. "Was der Bierschnegel am liebsten frisst, wird sich im Laufe der Zeit zeigen", sagt Gerhard Hübner, der die Wiederansiedelung fachlich begleitet.

Als Versteck dienen den Schnecken Bretter, altes Laub und Blumenuntersetzer aus Ton. Und natürlich darf auch das Bier nicht fehlen, denn damit wird der Bierschnegel angelockt - wie sein Name verrät. Um eine möglichst hohe Luftfeuchte zu erzeugen, wurden Wassereimer aufgestellt, die mit einem Gazestoff abgedeckt wurden, damit die Schnecken nicht ertrinken. Um den Bierschnegeln langfristig ein neues Zuhause zu geben, werden die drei Keller zukünftig kontrolliert. "Wir werden die Keller zunächst in einem Rhythmus von ein bis zwei Monaten begehen, und dann werden wir sehen, ob unsere Vorbereitungen den richtigen Effekt haben", sagt Diplom-Biologe Gerhard Hübner. Dass sich die Schneckenart aus den Kellern über den ganzen Landkreis verbreitet, ist allein biologisch nicht möglich: "Die Schnecken brauchen einen ganz speziellen Lebensraum, der nur in den vorbereiteten Kellern künstlich geschaffen wurde", so versichert der Naturschutzexperte des LBV Coburg.

Zum LBV Coburg

Im Landkreis Coburg hat der Landesbund für Vogelschutz aktuell rund 3000 Mitglieder, davon mehr als 100 Mitglieder im aktiven Ehrenamt, die sich nicht nur um die Belange von Vögeln kümmern, sondern um alle bedrohten Tiere und Pflanzen im Landkreis. Wir betreuen über 250 Fledermauskeller, über 400 Eulennistkästen und rund ein Dutzend Storchenhorste. Außerdem haben wir eine Greifvogelauffangstation in Neu-Neershof und eine Fledermausanlaufstelle in Ahorn. Um Menschen für die Natur zu begeistern, betreiben wir Umweltbildung und bieten jährlich zahlreiche Naturveranstaltungen an - und fast alle sind kostenlos. Bayernweit setzt sich der LBV mit mehr als 100.000 Mitglieder, mit 4.000 ehrenamtlich Aktiven, mit 265 lokalen LBV-Gruppen und mit 17 Umweltbildungseinrichtungen für den Naturschutz ein.

    
    

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