» zur Übersicht Hildburghausen
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Von der Munition zum Spielzeug

Das Murmelmuseum in Sachsenbrunn hat mehr als nur einen Museumsrundgang zu bieten

Diana Werner-Uhlworm SACHSENBRUNN Auf der Suche nach etwas Nichtalltäglichem und einem außerordentlich kulturellen Highlight ist der Besucher im Murmelmuseum Sachsenbrunn

Axel Trümper führt persönlich durchs Museum, das sich in der ehemaligen Produktionsstätte im Kellergeschoss der Härtelsmühle befindet.   » zu den Bildern

Diana Werner-Uhlworm

SACHSENBRUNN Auf der Suche nach etwas Nichtalltäglichem und einem außerordentlich kulturellen Highlight ist der Besucher im Murmelmuseum Sachsenbrunn (Gold)richtig. Von Eisfeld kommend, stellt sich das Museum in der Hauptstraße 157, auf der linken Seite, rein äußerlich als eher unscheinbar dar. Der erste Eindruck täuscht, denn ein "Grand Canyon" an Wissenswertem und einer Geschichte, verbunden mit einer unglaublichen Vielfalt an Exponaten, erschließt sich dem Betrachter. Axel Trümper, Inhaber des Murmelmuseums, freut sich auf jeden Gast, den er persönlich durchs Areal führen darf. Dabei sollte jedem bewusst sein, dass es sich um keine gewöhnliche Führung handelt, denn der gebürtige Berliner wirft sich extra hierfür in "Schale". In mittelalterlichem Kostüm, mit Murmelkugeln verziert, heißt er seine Gäste herzlich willkommen. Auf eine besondere Weise wird der Gast auf eine Zeitreise von der Herstellung der Munitionskugel bis hin zur Murmel als Spielzeug mitgenommen.

Geschichte
konserviert

Axel Trümper kaufte 1994 das Gehöft der Härtelsmühle, bestehend aus einem teilweise maroden Gebäude und einem Areal, das sich in keinem guten Zustand befand. Wie der Inhaber berichtet, waren Haus und Grundstück vollgestellt mit Schrott, Bauschutt und Müll. Zu DDR-Zeiten gehörte das frühere Unternehmen zur Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft und diente mehr oder weniger als Lager und illegale Müllkippe. Für Axel Trümper waren es schwere entbehrungsreiche Jahre. Der gelernte Bildhauer für historische Kunst zog von Berlin nach Sachsenbrunn in sein neu erworbenes Domizil und ließ seine Familie vorerst in Berlin zurück. Sie zogen Jahre später erst ein, nachdem einige Zimmer im Haus bewohnbar waren. In mühevoller Akribie kämpfte sich Axel Trümper durch das Haus, bis es nach vielen Jahren zu dem wurde, was es heute ist - ein Schmuckstück. Im Laufe der Zeit und der damit verbundenen Aufräum- und Sanierungsarbeiten, wurde ihm bewusst, welch einen Schatz er mit dem 1892 erbauten Fabrikgebäude erworben hatte. Vor der Enteignung 1950 war der Standort anfangs eine Fabrikhalle für Munition. Später wurden hier Spielzeugkugeln hergestellt. Der damalige Besitzer Günther Zetzmann flüchtete in die alten Bundesländer und ließ in Sachsenbrunn sein Hab und Gut zurück. Danach wurde das Gehöft von der LPG als Lager und Deponie benutzt. "Auf der einen Seite war es chaotisch so etwas zu kaufen, zu entrümpeln, wieder aufzubauen und vor allem nutzbar und bewohnbar zu machen. Aber andererseits was es auch ein Glücksgriff, denn hier wurde die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes konserviert. Ich übernahm die Härtelsmühle in einem geschichtlichen Zustand, als wäre die Zeit stehen geblieben", so Axel Trümper. Für den Bildhauer erfüllte sich damit, trotz aller Anstrengungen, ein Lebenstraum, ohne deren Engagement seiner Frau viele Projekte nicht möglich gewesen wären. Hierfür möchte er sich an dieser Stelle bei ihr herzlich bedanken.

Weltkulturerbe

In der Mühle wurden Murmeln aus Kalkstein hergestellt und in die weite Welt hinaus vertrieben. Als Material hat der damaligen Fabrikbesitzer Günther Zetzmann den Kalkstein vom Stelzener Berg verwendet. Auch wurden Kalksteinkugeln schon früher als Munition für Vorderladergewehre und Pistolen in den Kugelmühlen und Bachläufen hergestellt. Um 1732 kam das Handwerk von Österreich nach Südthüringen und Franken. Die maschinelle Herstellung der Tonmurmel konnte im Jahre 1906 im Sachenbrunner Ortsteil Sophinau nachgewiesen werden. Daher ist sich Axel Trümper auch sicher, dass in Sachsenbrunn ein Weltkulturerbe beheimatet ist. Wie er zu verstehen gab, befindet sich hier Europas einziges Stein- und Tonkugelmuseum. Die ehemalige Härtelsmühle wurde früher mit drei Wasserrädern betrieben. Axel Trümpers Wunsch ist es, diese Mühlenräder wieder in Betrieb zu nehmen. Nach langen Grabungsarbeiten hat er die maroden Mühlräder an das Tageslicht gefördert. Er will sie in mühevoller Kleinarbeit sanieren und wieder in Funktion nehmen. Im Laufe der Jahre wurden alle Anstrengungen unternommen, die gesamte Technik der Stein- und Tonkugelindustrie zusammen zu tragen sowie Vergleichbares dazu zu kaufen. Daher ist im Keller der damaligen Produktionsstätte ein Museum entstanden, das seinesgleichen sucht. Nicht nur das hier die Produkte in einer großen Vielfalt zu sehen sind, auch die Herstellung der Tonmurmeln ist original getreu dargestellt. Im Rest des großen Mühlengebäudes befinden sich drei Wohnungen und ein Souvenirshop. Ein langer mühsamer Weg liegt bereits hinter Axel Trümper und er ist noch nicht am Ende. Nach dem Kauf sind viele Jahre vergangen und auf dem Areal des Murmelmuseum hat sich eine ganze Menge verändert. Er und seine Familie haben viel Geld für die Wiederaufarbeitung der „alten – längst vergessenen – Geschichte“ gesteckt und niemals aufgegeben, die neuen Projekte umzusetzen. Dass er dabei seine Visionen nicht abgelegt hat, beweisen seine neuesten Vorhaben. In gemeinsamer Arbeit mit dem seit 1997 bestehenden Verein Murmelmuseum e.V. soll das Museum um eine Museumsstube erweitert werden. Dabei kommen ihm auch wieder seine bildhauerischen Fähigkeiten zu Gute. Vieles wurde durch ihn wieder originalgetreu saniert oder neu aufgearbeitet. Axel Trümper lebt für sein Museum – von der Munition zum Spielzeug. Wer die Geschichte der „Hullerbimmser“, der „Schrabnellen“, der „Steinerle“ und mehr hören, sehen und erleben möchte, der ist in Sachsenbrunn bei Axel Trümper genau richtig. Murmelmuseum Sachsenbrunn Hauptstraße 157, 98678 Sachsenbrunn. Öffnungszeiten nach Vereinbarung. Telefon: 0171/7931263 oder ax-mo@web.de www. murmelmuseum.info

    
    

Diesen Artikel

    
    

aktuelle Verlagsbeilagen

Berufsbildungsmagazin Frühjahr 2017
Berufsbildungsmagazin November 2016
    
    

Online-Anzeigenannahme 

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben? Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen. »mehr
    
    

Herz trifft Herz 

Sie suchen einen netten Partner oder die große Liebe? Dann sind Sie bei amio Singlesuche genau richtig! »mehr
    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, technischen Angaben und vielen weiteren Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr