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"Hilfe für die Seele"

Die Notfallseelsorge im Landkreis Hildburghausen benötigt dringend Unterstützung

Diana Werner-Uhlworm HILDBURGHAUSEN Es gibt sie noch - Menschen die anderen Menschen uneigennützig helfen und wahre Wunder vollbringen.

Das Team der Notfallseelsorger im Landkreis Hildburghausen besteht aus (v.l.n.r.) Marco Pfeffer, Peter Schätzlein, Barbara Jahn, Uwe Harnisch, Anja Bartenstein, Bodo Dungs. Foto: privat  

Diana Werner-Uhlworm

HILDBURGHAUSEN Es gibt sie noch - Menschen die anderen Menschen uneigennützig helfen und wahre Wunder vollbringen. Das Wort Nächstenliebe umschreibt diese Art der Zwischenmenschlichkeit genauer und am zutreffendsten. Es gibt durchaus viele Möglichkeiten, Nächstenliebe zu praktizieren. Jemandem zuzuhören, ihn ausreden lassen, sich nicht selbst in den Mittelpunkt drängen, anderen Raum geben. Offen sein für andere Menschen und deren Probleme, das ist auch die Grundvoraussetzung, um in der Notfallseelsorge arbeiten zu können. Nicht jeder hat den Willen und die Fähigkeit, dieses Amt auszuüben. Vielen fehlt es an mangelnder Bereitschaft, anderen Menschen in schweren Situationen zur Seite zu stehen. Aber auch der Ausbildungslehrgang zum "Notfallseelsorger" als Grundlage oder der Besuch von Weiterbildungskursen, die teilweise auch selbst finanziert werden müssen, lassen Abstand nehmen.

All das hat Anja Bartenstein nicht abgeschreckt. Sie ist neben ihren weiteren fünf Kollegen Notfallseelsorgerin mit Leib und Seele im Landkreis Hildburghausen. Die in Hellingen lebende, zweifache Mutter ist in ihrem Element, wenn sie Menschen, die in Not geraten sind, helfen kann. Im Landkreis Hildburghausen basiert dieses Amt auf reiner Ehrenamtlichkeit. Als Träger zeichnet sich der Evangelische Kirchenkreis Hildburghausen verantwortlich. Träger und Handhabung sind je nach Landkreis und Bundesland unterschiedlich. Fakt ist, den Entschluss zu fassen, als Notfallseelsorger zu arbeiten, benötigt nicht nur jede Menge Enthusiasmus, sondern auch Zeit und Geld spielen dabei eine große Rolle. Für die junge Frau aus Hellingen ist es eine Berufung, in diesem Metier tätig zu sein. Ihr Herzenswunsch ist, Hilfe für die Seele in den ersten Stunden eines schweren Schicksaalschlags leisten zu können. "Schicksalsschläge wie plötzlicher Kindstod oder Suizid ist für Hinterbliebene ein herber Schlag, der nur schwerlich und das nicht nur in den ersten Stunden, verarbeitet werden kann", so Anja Bartenstein, die unter anderem auch Mitglied in der Feuerwehr Hellingen ist.

Dringend Notfallseelsorger im Landkreis gesucht

Wenn Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst zu Verkehrsunfällen, Katastrophen, Bränden, Suizid oder Mord und Totschlag gerufen werden, wird an Ort und Stelle den Opfern und Hilfebedürftigen geholfen. Danach werden Hinterbliebene und Angehörige mit den sehr schlechten Nachrichten konfrontiert. Für die Einsatzkräfte, die unter anderem auch Todesbotschaften überbringen, keine leichte Aufgabe. Oftmals werden zu solchen Einsätzen Notfallseelsorger gerufen. Mit einem Piepser ausgestattet, informiert die Leitstelle über deren Einsatz. Dann entscheidet der Teamleiter (in Hildburghausen zeichnet sich dafür Marco Pfeffer verantwortlich), welches Mitglied näher am Einsatzort wohnt oder klärt ab, wer sich dort aufhält. Derzeit gestaltet sich die Arbeit für das Team etwas schwierig, da Mitglieder bzw. Gleichgesinnte fehlen, die in der Notfallseelsorge mitwirken möchten. "Wir suchen aus dem Gebiet Schleusingen, Masserberg, Themar und Römhild dringend motivierte Einsatzkräfte, die sich der Notfallseelsorge widmen möchten. Nur wenn wir breit im Landkreis aufgestellt sind, können wir schnell am Ort des Geschehens sein", gab Anja Bartenstein zu verstehen. Die Notfallseelsorge im Landkreis Hildburghausen wurde 1997 von der Kirche ins Leben gerufen. Waren es nach der Gründung meistens Pfarrer, die dieses Ehrenamt begleiteten, so besteht das Team heute aus einem Techniker, einem Rettungsassistenten, einem Pfarrer, einer Verkäuferin und einer Industriekauffrau.

"Trotz dieser verschiedenen Voraussetzungen sind wir zu einem guten Team zusammengewachsen, das derzeit aus zwei Frauen und vier Männern besteht", so Anja Bartenstein.

Das Leben kann
sich in einem Augenblick ändern

Es ist nur ein winziger Augenblick, der das Leben für immer verändern kann: Wann immer Menschen den plötzlichen Tod des Partners, eines Familienangehörigen oder Freundes verkraften müssen, stehen Notfallseelsorger bereit. "Wir sind rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr für Menschen erreichbar und begleiten Betroffene in Ausnahmesituationen, mit denen sie allein oft überfordert wären", sagt Anja Bartenstein.

"Menschen, die den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen miterlebt haben und verkraften müssen, sind oft fassungslos und aufgrund des Verlustes hilflos. Das kann aufgrund eines Verkehrsunfalls oder auch durch einen Suizid der Fall sein. Sie stellen sich die Frage: Was ist gerade passiert? Wie konnte das passieren?", sagt die Seelsorgerin.

Ihr "Job" besteht darin, Fragen zu beantworten, die Trauernden zu unterstützen und psychosoziale Begleitung anzubieten, wenn die Arbeiten von Polizei und Rettungsdienst beendet sind. In den ersten Stunden nach dem Unglück betreuen die Seelsorger die Hinterbliebenen und schauen, was in der jeweiligen Situation vorrangig zu tun ist - etwa, welche weiteren Angehörigen, Freunde, aber auch Institutionen wie Arbeitgeber oder ähnliches verständigt werden müssen. "Die Normalität ist nach einem schlimmen Ereignis zunächst einmal weg", so Anja Bartenstein.

Wer den Entschluss fast, als Notfallseelsorger tätig zu sein, der muss mit Stress umgehen können, belastbar sein sowie Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Organisationsfähigkeit und ein feines Gespür für Menschen und ihre Bedürfnisse mitbringen. Ein ausgeprägtes Kommunikationsverhalten ist außerdem wichtig. Die Arbeit ist fordernd, der Rückhalt untereinander in den Teams sowie Abstand und Distanz nach der Arbeit sind daher wichtig.

Das Amt des Notfallseelsorgers ist ein wichtiges Gefüge im großen Zahnrad der Rettungskette. Doch manches Mal fühlen sich diese Einsatzkräfte in ihrem Wirkungskreis nicht wichtig genommen. Behörden und Institutionen verlassen sich auf bestehende Strukturen, die aber nur auf Ehrenamtlichkeit und dem "Herzblut" der fleißigen Helfer aufbauen.

Und dabei sind wir uns alle einig, wie Anja Bartenstein mit den richtigen Worten umschreibt: "Wir üben eine sinnvolle Tätigkeit aus und können anderen Menschen in schweren Situationen helfen. Es ist ein gutes Gefühl, Gutes getan zu haben. Und es ist richtig"

    
    

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