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Ein Schloss für Kinder

Kinderheim und Jugendheim Schloss Marisfeld - 25 Jahre in Trägerschaft der Diakonie

Ein halbes Jahrhundert Diakonisches Werk "Kinder- und Jugendheim Schloss Marisfeld", das war für alle Schlossbewohner, Verantwortlichen im Evangelischen Kirchenkreis "Henneberger Land e.V.

Festveranstaltung 25 Jahre Diakonie Schloss Marisfeld. Von links nach rechts: Geschäftsführer Lutz Stiehel, Kristina Kemlein, Annette Zimmermann, Ilona Güntzler, Sebastian Bräcklein und Manuela Kolk. Fotos:obe   » zu den Bildern

Ein halbes Jahrhundert Diakonisches Werk "Kinder- und Jugendheim Schloss Marisfeld", das war für alle Schlossbewohner, Verantwortlichen im Evangelischen Kirchenkreis "Henneberger Land e.V., Jugendämtern sowie der Gemeinde ein freudiger Tag zum Feiern und gleichzeitig ein würdiger, emotionaler Anlass für eine Zeitreise in die einzigartige Historie des Hauses vom Raubritterschloss zum modernen Kinderheim.

MARISFELD "Es war ein sehr beschwerlicher und mühevoller Weg", beschreibt Lutz Stiehler, Geschäftsführer des Diakonischen Werks die damalige Entscheidung, das Kinderheim Schloss Marisfeld am 1. April 1993 aus der öffentlichen Hand in die freie Trägerschaft des Diakonischen Werk im Evangelischen Kirchenkreis Henneberger Land e.V. zu übernehmen. Schließlich war Anfang der 90er-Jahre die Trägerschaft nicht nur mit vielen finanziellen Problemen, sondern auch mit administrativen Unsicherheiten verbunden. Um das Schloss weiterhin als Kinderheim zu betreiben, standen zur Verbesserung der Lebens- und Betreuungsmaßnahmen entsprechend den neuen gesellschaftlichen Bedingungen umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen an. Ziel war es, eine düstere mit dicken Mauern und Schlafräumen bis zu sechs Kindern, einer riesigen Gemeinschaftsküche und großen Gemeinschaftswaschräumen ausgerichtete Aufbewahrungs- und Erziehungsanstalt in ein freudbetontes, lebenswertes und vor allem kindgerechtes Schloss zu verwandeln. Wärme, Achtung, Schutz und Geborgenheit fanden die Kinder und Jugendlichen auch schon zu früheren Zeiten hinter den dicken Schlossmauern. Doch mit der Rekonstruktion und den damit erheblich verbesserten Lebensbedingungen konnten völlig neue persönliche und soziale Beziehungen aufgebaut werden, um Kinder und Jugendliche aus zerrütteten und komplizierten Familienverhältnissen ein neues zu Hause geben. Lutz Stiehler nannte aber auch noch einen weiteren wichtigen Grund, warum sich das Diakonische Werk "Henneberger Land" vor 25 Jahren für die Trägerschaft entschied. "Wir spürten bereits damals, dass die Kinder voll in der Gemeinde integriert waren. Sie wurden von den Einwohnern nicht als Waisen behandelt, sondern waren durch Schule und Kindergarten gleichwertige Bewohner des Dorfes." Das sich dann auch der Landkreis Hildburghausen durch die Bereitstellung erheblicher Mittel an der Gesamtfinanzierung von 2,1 Millionen Euro an der grundhaften Sanierung und damit zum Erhalt des Kinderheimes bekannte, war die Zukunft des Hauses gesichert. So war das 25. Jubiläum auf breiter Ebene ein würdiger Anlass, allen Beteiligten Dank und Anerkennung für ihr engagiertes Handeln auszusprechen sowie für die gute Zusammenarbeit mit allen zuständigen Institutionen und Ämtern. Nur so war und ist es möglich, eine Atmosphäre der Liebe, häuslicher Geborgenheit und zielgerichteter Vorbereitung auf das Leben zu schaffen. "Heute sind wir froh", so Landrat Müller, "dass wir als Mitbeleger immer in guter Verbindung mit dem Kinderheim stehen, dass die Heimbewohner hier bestens versorgt sind und eine neue Heimat finden." In diesem Zusammenhang zitierte Thomas Müller die Worte einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, wenn sie Kinder aus ihrem häuslichen Umfeld in ihre Obhut nehmen und ins Kinderheim Schloss Marisfeld bringen muss. "Kind habe keine Angst, wir fahren jetzt in ein Schloss. Da kannst du ein Ritter oder eine Prinzessin sein. Habe keine Angst. Die Mauern sind die Bewohner und Pädagogen und bieten Dir Schutz, Sicherheit und Geborgenheit."

1934 nach dem Verkauf des letzten adligen Besitzers Baron von Eichel, wurde die Immobilie für gemeinnützige Zwecke genutzt. 1938 als Kindererholungsheim des NSV-Gau Essen. Damals kamen zirka 60 Jungen einige Jahre aus dem Ruhrgebiet zur Erholung in das Schloss. Nach Ende des II. Weltkrieges zogen Kinder aus ganz Deutschland in das Schloss ein. Einfache Wohnverhältnisse herrschten damals. Wichtig war, dass die Kinder ein Dach über dem Kopf hatten. Wie Ilona Güntzler berichtete, gibt es heute noch Kontakt mit einem ehemaligen Heimkind aus den 50er Jahren und so wisse man über die damaligen Verhältnisse bestens Bescheid. Und erst kürzlich habe ein junger Mensch mit seiner Familie bei uns vorbeigeschaut", so Güntzler. Trotz vieler Höhen und Tiefen in seiner Biografie hat er aber nach wie vor die schönsten Erinnerungen an seine Zeit im Schloss Marisfeld.

Heute leben 20 jungen Menschen im Schloss. Sie werden von zwei Sozialpädagogen und weiteren Erzieherinnen und Erzieher begleitet und von einem Heimpsychologen unterstützt. Zwei Hauswirtschafterinnen sorgen für eine heimelige Atmosphäre. Eine Kunsttherapeutin leistete für einige Kinder eine hervorragende Einzelarbeit zur Biografie-Arbeit. Eine sehr enge Zusammenarbeit gibt es mit einer Naturtherapeutin. Erst kürzlich pflanzten die Schlosskinder rund 120 Bäume im Rahmen einer NABU-Aktion in Meiningen. Nicht unerwähnt ließ Güntzler die gute Zusammenarbeit mit der Grund- und Regelschule in Themar und natürlich auch mit dem Kindergarten in Oberstadt.

Die Zahlen sind schon beeindruckend, die Güntzler im Zusammenhang mit der Betreuung und dem Ende der Heimerziehung in den 25 Jahren Diakonie-Trägerschaft nannte. Aktuell bleiben im Durchschnitt 50 junge Menschen bis zur Volljährigkeit im Kinder- und Jugendheim. Von 2000 bis 2010 wurden jährlich nach Beendigung der Heimerziehung, auf Wunsch der Personensorgeberechtigten beziehungsweise nach Zielerreichung 30 der jungen Menschen nach Hause entlassen. Das Kinderheim Schloss Marisfeld ist nicht nur in der Gemeinde, sondern auch im Landkreis Hildburghausen bis hin nach Suhl zu einer wichtigen Institution für besonders fürsorgliche jungen Menschen geworden. Aufgabe und Ziel unserer Arbeit ist es, so Ilona Güntzler zu zeigen, dass die Heimerziehung kein Makel der Gesellschaft ist, sondern vielmehr Hilfe zur Erziehung und Sicherung des Kindeswohl. Dafür bedankte sich Geschäftsführer Lutz Stiehler beim Personal des Kinderheims mit einer Rose.

obe

    
    

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