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Ein echtes Erbstück vom Kulturbund

Vier Jahrzehnte Kleine Galerie Roßdorf: Ausstellung mit 26 Künstlern

ROßDORF Es ist damit zu rechnen, dass am Freitag in Roßdorf alle Besucherrekorde gebrochen werden. Vernissagen mit 100 Gästen ist man beim Verein für Regionalförderung und Kunstgeschichte Roßdorf e.V.

Dietrich Ziebart, Herbert Lubich, Gunda und Walter Nickel (v.l.n.r.) bei einem von vielen Vorbereitungsgesprächen für die Geburtstagsausstellung. Foto: S. Kruse  

ROßDORF Es ist damit zu rechnen, dass am Freitag in Roßdorf alle Besucherrekorde gebrochen werden. Vernissagen mit 100 Gästen ist man beim Verein für Regionalförderung und Kunstgeschichte Roßdorf e.V. ja beinahe schon gewohnt, die neue Exposition dürfte jedoch weit mehr Kunstinteressierte in den Gutshof locken: Die Kleine Galerie wird 40 Jahre alt, und die Ausstellerliste liest sich wie das "Who is who" der lokalen, regionalen und nationalen Kunstszene. Unter dem Titel "Vier Jahrzehnte Kleine Galerie Roßdorf" sind von den 27 Künstlern und Künstlergruppen, die jemals in Roßdorf ihre Arbeiten präsentiert haben, 26 mit jeweils einem Werk vertreten. Zudem zeigt die Ausstellung - am Freitag, dem 17. Mai 2013, soll sie eröffnet werden - eine Reihe von Plakaten, mit denen vergangene Expositionen angekündigt wurden. "Das waren anfangs vom Kulturbund vorgegebene Plakate, die Walter nur noch mit den entsprechenden Daten ergänzt hat", erklärt Gunda Nickel. Die Frau des Roßdorfer Künstlers, Walter Nickel, hat über die Jahre akribisch festgehalten, was, wann und wo gezeigt wurde. Die Kleine Galerie war ja erst Ende 2002 in den alten Gutshof umgezogen, der damals so liebevoll saniert worden war. Neben der Gemeindeverwaltung, der Wagner-Stube, dem Museum zum "Gefecht am Nebel", dem Schützenverein und anderen Bewohnern, ist die Kleine Galerie fester Bestandteil der Gemeinschaft. Zuvor war die "Kleine Galerie" des Kulturbundes der DDR im Kulturhaus in Roßdorf angesiedelt, davor gab es bereits Ausstellungen in der Roßdorfer Schule. "Den Beginn genau zu benennen, ist schwierig", sagt Herbert Lubich, der gemeinsam mit Walter Nickel sozusagen das Herz des inzwischen nur noch fünf Mitglieder zählenden Vereins bildet. "Es hat ja schon in den 60er Jahren Ausstellungen in der Schule gegeben", erklärt er. Der richtige Galeriebetrieb unter dem Namen "Kleine Galerie" habe dann 1973 begonnen - zwei Jahre nach Einweihung des Kulturhauses. "Die erste Ausstellung hatten armenische Studenten, die im Studentenaustausch in Roßdorf waren gestaltet", erinnert sich Gunda Nickel an armenische Volkskunst. Auch die Entwicklung der Raumfahrt sei einmal Thema gewesen - die Schule trug den Namen Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, so erklärt sich der Ausflug in die Wissenschaft. Irakische Gewandungen waren schon in den Vitrinen in der Schul-Zeit der Galerie zu sehen, ebenso wie 1966 eine historische Schau zum 100-Jährigen des Gefechts am Nebel. "Die Galerie ist also schon älter als vierzig Jahre", unterstreicht Herbert Lubich.

In der ersten Zeit habe man sich unter dem Dach des Kulturbundes der DDR - der Verein wurde erst mit Einzug ins Gutshaus gegründet - auf Künstler der Region beschränkt, erklären Lubich und Nickel.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturbund habe man die Möglichkeit bekommen, auch entfernter lebende Künstler ins Dorf zu holen. Heinz Drache aus Berlin nennt Gunda Nickel als Beispiel. So sind im Laufe der Zeit viele Künstler nach Roßdorf gekommen, und das Dorf hat sich einen guten Ruf als Kunstzentrum in der Rhön erworben. "Irgendwann war der Status erreicht: In Roßdorf lohnt es sich zu warten. In Roßdorf muss man ausstellen, und jemand hat sogar mal gesagt, in Roßdorf muss man Schlange stehen", erklärt Herbert Lubich mit aller ihm eigenen Bescheidenheit. Stolz scheint er dennoch zu sein, und sein Freund Walter Nickel, der im Übrigen ein nicht weniger bescheidener Zeitgenosse ist, auch. Sie bezeichnen die Kleine Galerie als ein "echtes Erbstück" des Kulturbundes. "Wir haben schon auf Qualität geachtet." Nicht jeder Künstler, der wollte, konnte auch in Roßdorf ausstellen, zumindest musste so mancher eine ganze Weile warten, bis die Zeit für ihn reif war. Früher war es der Kulturbund, der auch die Roßdorfer mit thematischen Ausstellungen beschickte - zu Johannes R. Becher, zum Beispiel, oder die Kunstausstellungen der DDR. "Dazu bekamen wir Mappen mit Arbeiten, die jeweils in der Kunstausstellung gezeigt worden waren", erinnert sich Gunda Nickel. So sei schon damals große Kunst ins Dorf gekommen, und das Beste: Sie war für jedermann frei zugänglich, denn der Raum im Kulturhaus schloss sich an den Speisesaal an und war nie verschlossen. In der Kleinen Galerie von heute gibt es Öffnungszeiten. So ist an den Wochenenden die Galerie geöffnet von 14 bis 17 Uhr sowie nach Absprache. Durchschnittlich gibt es drei Ausstellungen im Jahr.

"Wir haben einen erstaunlich großen Besucherkreis, ein richtiges Stammpublikum", freuen sich die beiden Künstler. Die Strahlkraft der Kleinen Galerie reicht über den Wartburgkreis hinaus nach Bad Hersfeld, Fulda und Bad Neustadt sowie nach Bayern bis Mellrichstadt und Bad Königshofen. Auch aus Richtung Osten kamen sowohl Künstler als auch Besucher- aus Meiningen, Suhl und Ilmenau, aus Schmalkalden, Wernshausen, nördlicher dann aus Friedrichroda, Bad Liebenstein, Bad Salzungen, Eisenach, Mühlhausen und Erfurt.

Während mancher Künstler auf die Einladung nach Roßdorf wartete, waren andere öfter in der Rhön zu sehen: Der im vergangenen Jahr verstorbene Waldo Dörsch, zum Beispiel, oder der ebenfalls bereits verstorbene Werner Schwarz. Immer wieder wussten sie mit beeindruckenden Werken die Besucher zu begeistern. "Künstler, die zum ersten Mal bei uns ausstellten, waren vom Klima erstaunt, das in der Kleinen Galerie herrscht", erzählt Herbert Lubich. Künstler und Publikum begegnen sich beinahe familiär, und zu einigen Ausstellungen gab es ja auch noch Zusatzveranstaltungen, Künstlergespräche, Lesungen, Lichtbildervorträge. Karl Tränhardt, beispielsweise, hat in der Kleinen Galerie schon Bilder ausgestellt und Fotografien, die er zusammen mit eigenen Texten und in Zusammenarbeit mit Künstlerfreund Dietrich Ziebart in Büchern veröffentlicht und daraus gelesen hat. Auch in der Jubiläumsausstellung gibt es ein neues Buch und ein Foto daraus zu sehen. "Jeder Künstler, der bei uns ausgestellt hat, wird mit einem Werk beteiligt sein", kündigt Walter Nickel an. Auf der Einladung sind sie in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt: Reinhard Berkes, C. Crecu, Waldo Dörsch, Heinz Drache, Esteban Fekete, Lothar Freund, Karl-Heinz Giersch, Freia Gratz, Hans Hattop, Manfred Hausmann, Volker R. Hedwig, Gerhard Heinrich, Volker Hielscher, Bernd-Günther Hoffmeyer, Jürgen Holzhausen, Michael Höppner, Künstlergruppe "Phönix F", Wolfgang Lucya, Herbert Lubich, Wilfried Malz, Susanne Nickel, Walter Nickel, Elfriede Raphael, Franz Reiß, Andrea Rexhäuser, Hubert E. Rockenberger, Ehrenfried Rottenbach, Albrecht Rosenstiel, Adalbert Rost, Bernd Rückert, Werner Schwarz, Karl Tränhardt, Gerd Ullmann, André Wagner, Peter Weber, Webkreis Steinbach-Hallenberg und Dietrich Ziebart. Kunstfreunde dürfen sich also auf eine bemerkenswerte Kunst-Mischung freuen, die auf Grund der großen Zahl an Künstlern viele verschiedene künstlerische Sprachen und Ausdrucksformen verspricht.

Die Vernissage findet am Freitag, dem 17. Mai 2013 in der Kleinen Galerie statt und beginnt um 19 Uhr.

(sdk)

    
    

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