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Würde des Menschen achten

Bildrede von Recklinghäuser Polizeipräsidentin / Tag der Deutschen Einheit gefeiert

SCHMALKALDEN Die Bilder in der Kirche von Schloss Wilhelmsburg sind eine Aufforderung zum Nachdenken, zum Hinterfragen von Alltag, christlichem Glauben und dem eigenen Tun.

Harald R. Gratz hat die Bilder in der Schlosskirche gemalt, Friederike Zurhausen sprach über die beiden an der Empore im Hintergrund. Fotos: Erik Hande   » zu den Bildern

SCHMALKALDEN Die Bilder in der Kirche von Schloss Wilhelmsburg sind eine Aufforderung zum Nachdenken, zum Hinterfragen von Alltag, christlichem Glauben und dem eigenen Tun. Etwas poppig, frech und in einem, für die kleine Kirche neuen Stil hat sie der Schmalkalder Harald R. Gratz gemalt. Seine Werke an den Emporen künden von den Wurzeln des christlichen Glaubens und reichen bis in die flüchtlingsbehaftete Gegenwart.

Im Projekt "Beherrsch mich!! - Die Schmalkalder Antithesen in 15 Lebensfragen" werden die Motive seit Juni in insgesamt 15 Bildreden besprochen. Für die Kirche sind sie ein Beitrag zu 500 Jahren Reformation, zu einem vielleicht neuen Aufbruch. In der Bildrede von Friederike Zurhausen am Montag, wurde weniger die künstlerische Seite betrachtet, sondern mehr die private Sichtweise und der moralische Aspekt des Zusammenlebens in Deutschland in den Mittelpunkt gerückt. "Was steht an höchster Stelle" war ihre Bilderrede überschrieben. Eingeladen dazu habe er die Polizeipräsidentin aus Recklinghausen bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der Partnerstadt voriges Jahr, so Dekan Ralf Gebauer eingangs. Sie habe sofort zugesagt. Die Polizeipräsidentin schaute nun auf zwei Bilder an der Stirnseite gegenüber dem Altar. Das eine zeigte einen Hochsee-Angler allein auf einem stabilen Schiff, das andere viele zusammengedrängte Menschen in einem flachen, wackligen Boot.

Was steht höher, Reichtum und Macht oder Gemeinschaft in der Not wie im Alltag, fragte friederike Zurhausen. Das "Ich" aus dem erstgenannten Bild dürfe nicht höher gestellt sein als das Wohl der Menschen im zweiten Motiv. Nicht der Einzelne "mit dem großen Fisch an der Angel" dürfe höher gestellt werden. Vielmehr gelte es auch die Interessen jener zu achten, die in einer Gemeinschaft ihr Über(leben) sichern müssen. Vielleicht sei der eine ein begüteter Angler im Mittelmeer und "die anderen sind Flüchtlinge", stellte Friedericke Zurhausen mit Blick auf die Bilder in den Raum. 5000 Menschen sind 2016 im Mittelmeer bei der Flucht ums Leben gekommen, nannte sie Zahlen des UN-Hilfswerks. Auch dieses Jahr waren es schon wieder über 2500 Menschen.

Wessen Interessen stellt man also in den Mittelpunkt, die des Einzelnen oder jene der Gemeinschaft? Polizeipräsidentin Zurhausen beantwortete diese Frage viel übergreifender. Die Würde jedes Menschen sei zu achten, sie sei eben "unantastbar" wie es im Grundgesetz formuliert ist. Diesem Leitgedanken, den die Kirche auch schon mit Martin Luther neu formuliert hatte, sehe sich die Polizei in Recklinghausen jeden Tag verpflichtet.

Polizisten seien prädestiniert, die Staatsgewalt zu vertreten, aber müssten zugleich die Würde jedes Menschen gemäß Verfassung achten. In die "Villa Münster" führe sie deshalb junge Polizisten bei ihrem ersten Dienstantritt. Von dort aus hatte die Ordnungspolizei in der Nazizeit Judentransporte in Konzentrationslager zusammengestellt und eben nicht die Würde der Menschen geachtet.

Auch wenn Polizisten selbst von anderen häufig respektlos behandelt und in ihrer Würde verletzt werden, Täter scheinbar ungestraft freikommen und andere Widersprüche im Alltag bestünden, sei es Aufgabe der Staatsgewalt, die Würde jedes Menschen zu achten. "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen", so stehe es in der Präambel des Grundgesetze, habe sich das deutsche Volk dieses Grundgesetz gegeben, mahnte Friederike Zuhausen als Fazit ihrer Bilderrede zu Respekt im Umgang miteinander. Es brauche ein Stück neue Reformation, sagte sie.

Deutsche Einheit gefeiert

Gemeinsam feierte dann die Delegation aus Recklinghausen, die von Oberbürgermeister Christoph Tesch angeführt wurde, den, mit den Schmalkalder Gastgebern am Dienstag den Tag der Deutschen Einheit. In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Thomas Kaminski, dass nicht nur der Osten viele Opfer gebracht habe, sondern auch der Westen auf etliches verzichtet hat. Recklinghausen habe aktuell 8 Prozent Arbeitslosigkeit, die zuvor sogar bei 12 Prozent gelegen habe. Das seien Werte, die im Raum Schmalkalden mit 3,9 Prozent Arbeitslosigkeit, längst der Geschichte angehören. "Man darf manchmal nicht vergessen wie gut es uns eigentlich inzwischen geht", sagte der Schmalkalder Bürgermeister. (eh)

    
    

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