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Jugendschanze übergeben

Weltneuheit am Hang / Matten aus Polyestergewebe mit verbesserten und neuen Eigenschaften

STEINBACH-HALLENBERG Exakt 29 Meter weit führte der erste Skisprung auf der neugestalteten K-30-Jugendschanze. Die Landung stand Hannah Rommel vom Skiclub Steinbach-Hallenberg genauso sicher wie auf jedem anderen Belag.

Auf dem neuen Belag lässt es sich auf der K30-Schanze hervorragend springen. Fotos: Erik Hande   » zu den Bildern

STEINBACH-HALLENBERG Exakt 29 Meter weit führte der erste Skisprung auf der neugestalteten K-30-Jugendschanze. Die Landung stand Hannah Rommel vom Skiclub Steinbach-Hallenberg genauso sicher wie auf jedem anderen Belag. Dabei war sie gerade auf einer Weltneuheit gelandet, einem Kunstbelag aus Polyesterfasern mit einem Baumwoll-Flies darin, der überschüssiges Wasser schnell aufsaugt. "Mit dem Belag können wir jetzt das ganze Jahr über auf der Schanze springen", erklärte Vereinsvorsitzender Wolfram König bei der Premiere begeistert. Denn entgegen bisheriger Kunststoffmatten müssen die zehn Meter breiten Matten beim ersten Schnee nicht mehr abmontiert werden. Der neuartigen Belag ist sogar fest mit Spannseilen und Erdankern befestigt, sodass er die Schneelast des Winters tragen kann.

Ursprünglich kommen diese Matten aus dem Bereich Alpin und Rodeln. Doch als die K-30-Schanze saniert werden musste und deren Profil modern gestaltet werden sollte, bot sich die Gelegenheit, das neuartige Material auszuprobieren. Aus Chemnitz kam die Anfrage der Firma Mr. Snow, welche textile Skipisten herstellt, ob man ihr neuartiges Produkt nicht am Aufsprunghang der Schanze testen könnte. Das Unternehmen hat seinen Belag aus Kunststofffasern und Flies bereits auf Rodel- und Alpinhängen im Einsatz, auch Skilanglaufpisten gibt es bereits mit dem Material.

Seitens des Skiclubs Steinbach-Hallenberg gab es dafür Interesse. Ließ sich doch auf diese Weise die Erneuerung der Sprunganlage gleich noch mit einer Innovation von praktischen Nutzen verbinden. Immerhin beruhen die heute eingesetzten Kunststoffmatten an Schanzen in der Regel noch auf der Entwicklung aus den sechziger Jahren. Da verspricht neues Material neue Chancen. Die FIS, die Internationale Skiförderation, wissen die Skisportler aus der Haseltal-Stadt dabei an ihrer Seite, denn die hat die neue Schanze mit dem Belag zertifiziert.

Doch ehe es soweit war, musste kräftig Hand angelegt werden. Weil der Hang und der Auslauf "weicher" gestaltet wurden, galt es das bestehende Areal aufzufüllen. Unzählige Lkw-Fuhren Erdreich wurden herangefahren, verfestigt und planiert. Der etwa 37 Grad steile Aufsprunghang wurde neu geformt. Dafür war es notwendig, Terrassen zu bauen, auf denen die Baumaschinen Platz und Halt fand, informierte Architekt Gerd Fontanive aus Suhl.

Massive Erdanker sind rechts und links des Hangs eingebracht, an denen nun die Spannseile für die Matten befestigt sind. Diese wurden daran eingehangen und sind somit sicher verlegt. Für die Herstellerfirma aus Chemnitz ist es jetzt wichtig zu wissen, wie es sich auf dem Belag springen lässt. Dafür gibt es weiterhin einen regen Austausch zwischen dem Skiclub und dem Hersteller der Matten. Der braucht Feedback, schließlich hat er die Kunstfasern erst neu entwickelt. Sie geben Sprungskiern nach dem Landen eine gerade Führung nach unten, statt wie beim Slalom auch quer Halt zu bieten, erklärte Felix Neubert von der Firma Mr. Snow.

Seit dem Jahr 2014 beschäftigte sich der Skiclub bereits mit der Sanierung der Schanze. Die anfänglich geschätzten Kosten von 67 000 Euro stiegen jedoch in der Praxis rasant auf etwa 170 000 Euro an. Mit einem Zuschuss des Landessportbund und dem Eigenanteil der Kommune wurde das notwendige Budget aufgebracht.

Dazu kamen erhebliche Eigenleistungen der Skiclub-Mitglieder und der Eltern der im Verein trainierende Kinder. Selbst das Vereinsheim, die Fritz-Pfannschmidt-Hütte, erhielt sogar noch einen neuen Anstrich. Insgesamt wurden reichlich 200 000 Euro in die Schanzenanlage investiert.

Die Sportanlage konnte Anfang Juni gebührend mit einem Wettkampf der Nachwuchssportler eingeweiht werden. Auf allen drei Schanzen sprangen Kinder und Jugendliche. Im Skiklub Steinbach-Hallenberg trainieren derzeit etwa 20 Nachwuchsspringer im Alter von 7 und 13 Jahre. Die Hälfte davon sind Mädchen.

Unter den Eröffnungsgästen befanden sich Bürgermeister Christian Endter, der einstige Skiflug-Weltrekordler Manfred Wolf sowie die Nordische-Kombinierer-Legende und heutiger Geschäftsführer des Thüringer Skiverbandes Ulrich Wehling. Den weitesten Sprung auf der sanierten Schanze stand bei den Schüler S14 Erik Stolz aus Lauscha mit 31 Metern. Beachtenswert war auch die Weite von Julius Jahns aus Zella-Mehlis, der in der Altersklasse S12 mit 30 und 30,5 Meter gewann. Den weitesten Sprung der Mädchen hatte in der S15 Hannah Rommel mit ihrem Einweihungssprung von 29 Metern abgeliefert.

Über hoffentlich viele weitere gute Sprünge darf sich künftig Knut Klinzig, Landestrainer Skispringen des Thüringer Skiverbandes, freuen. Die neue Sprunganlage helfe dem Nachwuchs, sich später leichter auf die großen Schanzen umzustellen zu können, denn die würden alle ein modernes Profil besitzen.

Vielleicht kommen wieder Talente wie Matthias Menz aus Steinbach-Hallenberg an die Weltspitze. Der Steinbach-Hallenberger gehörte als Nordischer Kombinierer zur Weltspitze und fungierte zur Schanzenweihe als Wettkampfleiter. Der Skiclub bietet neben den Sportanlagen also auch viele sportliche Erfahrungen, die dem Nachwuchs vermittelt werden können.

Erik Hande

    
    

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