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Die Landrätin

Interview mit Peggy Greiser über die beiden ersten Monate ihrer Amtszeit

Peggy Greiser war von 2015 bis 2018 ehrenamtliche Beigeordnete des Landrates. Nun steht die gemeinsame Kandidatin der Linken und SPD seit dem 1. Juli 2018 selbst an der Spitze des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.

Mit Peggy Greiser ist die erste Frau an der Spitze des Landratsamtes zu finden. Noch dauert es, bis alles darauf eingerichtet ist und auch die Hinweistafeln mit "Landrätin" beschriftet sind. Viel wichtiger ist Peggy Greiser aber, dass sie sich bereits gut einarbeiten konnte. Foto: Erik Hande  

Peggy Greiser war von 2015 bis 2018 ehrenamtliche Beigeordnete des Landrates. Nun steht die gemeinsame Kandidatin der Linken und SPD seit dem 1. Juli 2018 selbst an der Spitze des Landkreises Schmalkalden-Meiningen. Sie schaute für den "Wochenspiegel" auf die ersten beiden Monate ihrer Amtszeit zurück.

Frau Greiser, bei der Einweihung der Sportanlage an der Gemeinschaftsschule Trusetal haben Sie nach der blauen Schere gegriffen, ist Blau Ihre Lieblingsfarbe?

Das war wohl eher intuitiv. Wichtig war für mich an diesem Tag, dass im Landkreis seit diesem Schuljahr eine weitere hochmoderne Freisportanlage für den Unterricht zur Verfügung steht. Das ist gut für den Bildungsstandort und das ist gut für den Vereinssport, weil hier vielleicht das eine oder andere Talent erwächst.

Wer macht nun daheim die Hausarbeit, wer kocht sonntags? Auch in modernen Familien ist das oft Aufgabe der Frau - oder bei Ihnen Zuhause nicht?

Ich habe einen Mann der wirklich gern kocht, aber am vorigen Wochenende stand ich auch selbst in der Küche und es hat mir Spaß gemacht. Den Rest der Hausarbeit teilen wir uns.

Wann fängt ihr Arbeitstag jetzt als Landrätin zumeist an und wie lange dauert dieser?

In der Regel beginne ich 7 Uhr und arbeite meist bis 19 Uhr. Morgens habe ich so wenigstens eine Stunde, um mich auf die anstehende Termine vorzubereiten, bevor der Alltag beginnt. Natürlich kommen dann häufig noch Abendtermine dazu.

Welche wichtigen Themen standen seit Ihrem Amtsantritt auf dem Arbeitsplan?

Der Integrale Taktfahrplan (ITB) hatte mich vorher schon beschäftigt. Anfang Juli konnte ich dann mit vielen Schulleitern darüber sprechen. Der Stand beim Fahrplan ist, dass es Rückfragen und Unsicherheiten gibt. Das braucht man nicht verschweigen. Da war und ist die MBB als Verkehrsbetrieb stark gefordert und musste an einigen Stellen nachjustieren. Je länger es läuft, desto weniger Anfragen erhalten wir. Mir ist auch wichtig, den Fahrplan nicht nur auf den Schülerverkehr zu reduzieren, es geht um die gesamte Bevölkerung. Es geht um Mobilität für unterschiedliche Zielgruppen - auch für jene, die wir bisher nicht erreicht haben! Bis spätestens 2020 folgt dann auch die zweite Stufe des ITF -hier ist dann das Nebennetz an der Reihe.

Außerdem haben wir in den vergangenen Wochen die WM-Bewerbung von Oberhof vorangebracht. Die Stadt ist ein absoluter Leuchtturm mit den Wettbewerben im Hochleistungssport beim Biathlon und Rodeln. Jetzt schauen wir gespannt auf die anstehende Vergabe der Biathlon-WM und 2019 auf die Vergabe der Rodel-WM 2023.

Ein weiterer Baustein war die Hohe Geba. 164 Büros wollten sich an der Planung des touristischen Projektes beteiligen, 20 wurden daraus ausgewählt. Bis Ende September sollen die Vorschläge vorliegen, die dann durch eine Jury geprüft werden. Das nächste Jahr dürfte für die weiteren Planungen benötigt werden. Ich rechne mit einem Baubeginn frühestens 2020.

Was waren weitere Themen in den erste beiden Monaten?

Für den Schanzen-Umbau in Brotterode gibt es ein umfängliches Konzept, mit dem auch Anbindungen zur Inselberg-Region und zu den touristischen Angeboten geschaffen werden soll. Wir sind da in der ersten Stufe des Antragsverfahrens, um eine Förderung für das Konzept, das auch neue Ideen beinhaltet, zu erhalten. Ziel ist es, einen Skisprung-Weltcup ausrichten zu können - für Frauen wohlgemerkt. Denn das ist eine Disziplin im Aufschwung und mit touristischem Potenzial.

Was ist mit dem Schulnetz im Landkreis, wann muss das angepasst werden? Angeblich führt das geplante neue Schulgesetz viele Schulen im Kreis in das Aus, weil sie zu klein wären?

Diese Kritik aus den Reihen der Landtagsfraktion der CDU ist schlichtweg falsch, sie entbehrt jeder Grundlage. Kürzlich fand hierzu ein Arbeitsgespräch mit Bildungsminister Helmut Holter statt. Nach aktuellen Zahlen erfüllen neun von 49 Schulen im Landkreis - zwei Grundschulen, vier Regelschulen, ein Gymnasium und zwei Gemeinschaftsschulen - die künftig geplanten Vorgaben nicht. Das heißt im Umkehrschluss, dass 40 Schulen die Vorgaben erfüllen werden. Aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, Schüler für viel Geld durch die Gegend zu fahren, um eine vermeintlich zu kleine Schule zu schließen. Das hilft keinem. Im Gegenteil: Schulen sind Standortfaktoren für die Kommunen, aber auch für Arbeitskräfte und Bauherren. Deswegen ist für mich klar, dass alle Schulstandorte erhalten bleiben sollten. Ich sehe insgesamt auch wenig Handlungsbedarf, weil wir im Landkreis über ein effizientes Schulnetz verfügen. Im Gesetz wird es zahlreiche Ausnahmetatbestände geben, zudem sind verschiedene Kooperationsmodelle denkbar. Darüber müssen wir uns im Landkreis 2020/21 mit dem dann neu gewählten Kreistag und Bildungsausschuss Gedanken machen.

Was haben Sie mit dem Bildungsminister noch besprochen?

Dass man von Landesseite auch in Sachen Berufsschulen über den Tellerrand blicken sollte. Erfurter Berufsschüler können auch in einer Zella-Mehliser oder Meininger Berufsschule lernen. Sie kommen leichter dahin als ein Berufsschüler aus Bettenhausen oder Roßdorf nach Erfurt. Da sollte und muss man meiner Meinung nach vieles überdenken, um auch in diesem Punkt das ländliche Leben zu stärken. Hier gehört auch das Azubi-Ticket dazu, dass wir gerne anbieten würden, sobald die Förderrichtlinie des Landes vorliegt.

Bei diesem Treffen haben wir auch über inklusives Lernen gesprochen. Klar ist: Die Förderzentren werden nicht geschlossen, aber es muss für jeden die Möglichkeit geben, an einer allgemeinen Schule zu lernen, der es wünscht. Wir haben barrierefreie Schulen in allen Schulformen. Das ist aber nicht immer die Wunschschule, insofern braucht es auch mit den Eltern und Schülern einen Konsens und auch Kompromissbereitschaft. Auch die berufliche Bildung, ähnlich dem PA-Unterricht (praktische Arbeit) für mehr Praxisnähe der Schulausbildung haben wir angesprochen.

Wie stellt sich die Situation mit Geflüchteten im Landkreis dar, ist der Zustrom immer noch groß?

Derzeit leben 413 Geflüchtete im Landkreis, deren Asylverfahren noch anhängig sind. Die Zahl der Geflüchteten mit Anerkennung oder Duldung ist noch etwas höher. Ein Teil von ihnen ist sogar schon in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Am 16. August kam - wie jetzt alle zwei, drei Wochen - ein Bus mit 32 neuen Flüchtlingen an. Momentan sind die sogenannten Anker-Zentren im Gespräch. Die Erstaufnahmestelle in Suhl hat mit Blick auf das Modell eigentlich alles was benötigt wird. Dort müsste organisatorisch noch der Komplex der Rückführung dazu - und abgelehnte Flüchtlinge dürften nicht erst auf die Kreise verteilt werden. Beim Finanzbedarf hat das Land nachjustiert und übernimmt mittlerweile fast komplett alle Kosten.

Die Wirtschaft blickt sorgenvoll auf den Fachkräfte-Nachwuchs. Es fehlt an Auszubildenden, dafür wollen zu viele Abiturienten studieren. Was läuft verkehrt?

Die Abbrecherquote in der Lehrausbildung ist gering, da kenne ich die Zahlen im Landkreis genau. Wir müssen an den Gymnasien anfangen, denn wir brauchen 75 Prozent Fachkräfte und 25 Prozent Studierende. Doch in der Praxis ist das Verhältnis 50 zu 50. Deshalb sollten wir die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen noch mehr vermitteln. Auch der Abschluss in der Regelschule ermöglicht doch den weiteren Weg zum Abitur, wenn es später wirklich das Studium sein soll. Für das Thema und die verschiedenen Perspektiven müssen wir aber Eltern und Großeltern sensibilisieren, die den Weg mit Kindern und Enkeln gehen. Die Möglichkeiten des Landkreises sind auf den ersten Blick begrenzt. Aber ich habe das Thema Wirtschaftsförderung als Stabsstelle aufgenommen, ich möchte enger mit allen Kammern und Unternehmen zusammenarbeiten. Deshalb starten wir auch das Projekt "Karriereheimat Rennsteig-Rhön". Hier wollen wir gezielt Schulabgänger, aber auch Pendler oder Rückkehrer für eine berufliche Zukunft in der Heimat gewinnen. Dazu gibt es in den nächsten Tagen mehr Informationen.

Wie steht es um den Tourismus in der Region?

Das ist für uns eine wichtige Branche. Der Wirtschaftszweig reicht von der Gastronomie und Hotellerie bis zu den Attraktionen und Museen - aber auch Handwerker wie Bäcker und Metzger profitieren genauso wie der Handel, wenn viele Menschen bei uns Urlaub machen. Und das lohnt sich: Wir haben eine unheimliche Vielfalt zu bieten: Thüringer Wald, Rhön, Grabfeld und Werratal, dazwischen unsere Städteperlen Meiningen und Schmalkalden. Oberhof ist sicherlich unser touristischer Leuchtturm, der aber nicht vergessen darf, dass Oberhof auch von touristischen Angeboten in den Orten ringsum profitiert - und umgekehrt. Das Meeresaquarium in Zella-Mehlis, Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, der Theaterbesuch in Meiningen und Noahs Segel in der Rhön - das sind alles Angebote, die einen Tagesausflug wert sind. Und da könnte man noch viele weitere nennen.

Frau Landrätin, zum Schluss die Frage nach der Kreisgebietsreform, was sollte der Landkreis anstreben?

Für Kaltennordheim gilt die Sachlage, dass es schon lange Kooperationen gibt, vom ÖPNV bis zu den Schulen. Die Verflechtungen zwischen der Stadt Kaltennordheim und unseren Rhöngemeinden sind mannigfaltig, traditionell und historisch auf den verschiedensten Ebenen gewachsen. Da ist Kaltennordheim künftig gut im Landkreis Schmalkalden-Meiningen aufgehoben. Ansonsten gilt in Richtung Suhl der Kreistagsbeschluss, dass wir grundsätzlich offen für den Beitritt vom Kommunen in unseren Landkreis sind. Da sage ich auch dazu: Oberbürgermeister und Landrätin sprechen tatsächlich gemeinsam über verschiedene Themen. Einen Zusammenschluss der Städte Suhl und Zella-Mehlis sehe ich aber nicht als notwendig an.

Vielen Dank für das Gespräch!

Erik Hande

    
    

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