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Schleppender Internet-Ausbau

Schnelles Internet befindet sich noch in der Warteschleife / Kritik am Vorpreschen der Telekom und Netkom

FLOH-SELIGENTHAL Wenn sich Antennengemeinschaften engagieren mussten, damit Bürger und Unternehmen vor Ort überhaupt einen Internetzugang zur Verfügung hatten, dann war das schlichtweg eine unbefriedigende Situation.

An zentralen Standorten bauen die Deutsche Telekom - hier in der Schmalkalder Renthofstraße - und Thüringer Netkom derzeit das Internet aus und erschließen sich damit Kundenpotenzial. Unwirtschaftliche Standorte werden vernachlässigt. Für deren Erschließung benötigen Kommunen deshalb künftig wohl noch mehr Fördergelder aus Steuermitteln. Foto: Erik Hande  

FLOH-SELIGENTHAL Wenn sich Antennengemeinschaften engagieren mussten, damit Bürger und Unternehmen vor Ort überhaupt einen Internetzugang zur Verfügung hatten, dann war das schlichtweg eine unbefriedigende Situation. So wurde der Antennenverein Struth-Helmershof einst zum Vorreiter, der mit Eigeninitiative die Datenpakete in den Ortsteil von Floh-Seligenthal brachte. Denn in der Zeit nach der Jahrtausendwende schlich die Deutsche Telekom AG größtenteils noch mit ISDN-Geschwindigkeit durch das Dorf, während die Antennengemeinschaft sich aus der Not heraus um eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit bemühte und deshalb von Schmalkalden aus eine eigene Übertragungsstrecke errichtete.

Inzwischen ist der Versorgungsgrad in Sachen Internet in der Region fortgeschritten, aber noch keineswegs befriedigend. Deshalb haben sich zahlreiche Kommunen von Roßdorf bis Floh-Seligenthal - und über die Kreisgrenze hinweg sogar Tambach-Dietharz - in einer Projektgruppe zusammengefunden, um gemeinsam den Ausbau des "schnellen Internets" zu forcieren.

Mit rund 90 Prozent Fördermitteln aus dem Programm "Breitbandausbau", 10 Prozent muss jede Kommune selbst aufbringen, soll das bewerkstelligt werden. Nach mittlerweile zweieinhalb Jahren ist inzwischen der Stand erreicht, dass die Leistungen ausgeschrieben sind und Gespräche mit den Bietern geführt werden, informierte nun Ralf Holland-Nell.

Bei dem Bürgermeister von Floh-Seligenthal laufen die Fäden zusammen, denn die Gemeinde hat die Projektführung in der Region für die beteiligten Kommunen übernommen. Dass die gesamte Prozedur so lange dauert liegt indes nicht an der Gemeinde, sondern an Land und Bund, welche die Fördermittel bereitstellen, dies aber immer wieder verzögerten.

Einerseits war die Antragsprozedur so kompliziert, dass die meisten Kommunen deutschlandweit bis Ende 2017 brauchten, um überhaupt Anträge auf Fördermittel stellen zu können. Dann wurden Rahmenbedingungen geändert.

Bisher hatte das Programm ein Ausbauziel von 50 MBit/s. Das sollte mit dem Ausbau mit Kupferkabeln erreicht werden, die durch Vectoring sogar 100 Mbit/s ermöglichen. Sonderlich zukunftsfähig ist das allerdings nicht. Denn nur mit Glasfaser wird jene Übertragungskapazität möglich, die nach heutigem Wissen auch den Anforderungen in 5 oder 8 Jahren noch genügt.

Nun wären viele Nutzer in der Region von der Werra bis zum Rennsteig froh, wenn sie im Alltag wenigstens verlässliche 30 Mbit/s hätten, jenen Wert, den die EU künftig als Mindestversorgungsgrad ansieht. Doch darauf warten sie immer noch. Nun soll der Breitbandausbau möglichst noch dieses Jahr beginnen.

Derzeit würden die Bietergespräche geführt, berichtete Bürgermeister Ralf Holland-Nell. Die gute Nachricht dabei: Alle beteiligten Firmen, mit denen derzeit Gespräche stattfinden, hätten zugesichert, dass sie auch wirklich Baukapazität zur Verfügung stehen haben. Wer den Zuschlag erhält, kann also wirklich gleich den Auftrag abarbeiten, stellte RalfHolland-Nell klar.

Kritik übt er derweil an der Deutschen Telekom AG und der Thüringer Netkom, die gegenwärtig im Eigenausbau mit dem technisch begrenzten Vectoring zentral gelegene Standorte mit etwas schnellerem Internet erschließen. Damit werde es künftig für andere Anbieter noch schwieriger, wirtschaftlich vertretbare Preise für die Erschließung mit schnellem Internet einer Region anbieten zu können. Die Folge: Am Ende müsste der Steuerzahler diese Praktiken bezahlen, weil der Förderbedarf auf dem flachen Land dadurch größer werde, meint Bürgermeister Holland-Nell.

Sein Amtskollege Thomas Kaminski in Schmalkalden sieht dies nicht ganz so dramatisch, denn man bekomme jetzt durch diesen Eigenausbau wenigstens eine Übertragungskapazität, die in den kommenden Jahren ausreicht. Allerdings fragte auch er danach, welche Aufsichtsbehörde das Vorgehen des ‚rosa Riesen‘ und der Netkom kontrolliert? In der Theorie ist das zumindest die Bundesnetzagentur. Erik Hande

    
    

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