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Wildwest-Manier nicht erwünscht

US-Generalkonsul in Schmalkalden / Gespräche mit Unternehmern, Verbänden und Politikern

Mit Timothy Eydelnant kam erstmals ein US-Generalkonsul nach Schmalkalden. "Eine wechselseitige Neugier" stellte Bürgermeister Thomas Kaminski bei der Begegnung fest, die Gemeinsamkeiten und Differenzen gleichermaßen deutlich machte.

Der US-Generalkonsul (2.v.l.) bekam von Bürgermeister Kaminski Vita Cola geschenkt und von Karl-Heinz Einhäuser (re.) deutliche Worte zur US-Handelspolitik gesagt. Fotos: Erik Hande   » zu den Bildern

Mit Timothy Eydelnant kam erstmals ein US-Generalkonsul nach Schmalkalden. "Eine wechselseitige Neugier" stellte Bürgermeister Thomas Kaminski bei der Begegnung fest, die Gemeinsamkeiten und Differenzen gleichermaßen deutlich machte.

SCHMALKALDEN Erst trug sich der Gast in das "Goldene Buch" der Stadt ein, dann folgte am vorigen Dienstag der Rundgang durch Schmalkalden. Eine Prise Geschichte rund um die Reformation, die auch Amerika prägte, fehlte dabei ebenso wenig wie die Erklärungen zur Erneuerung der Stadt nach der deutschen Wiedervereinigung. Über Probleme und Herausforderungen im ländlichen Raum wollte sich Timothy Eydelnant informieren, der vom US-Generalkonsulat Leipzig aus, in Mitteldeutschland tätig ist.

Im Gespräch mit Vertretern von Politik und Wirtschaft standen am Dienstag bei Viba die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland im Mittelpunkt. Schnell machte Gastgeber Karl-Heinz Einhäuser deutlich, dass sein Unternehmen in 17 Ländern, darunter auch den USA, tätig ist. Allerdings trage der Stil von US-Präsident Donald Trump nicht zum Miteinander bei. "Wir kaufen Mandeln in Kalifornien und Verpackung in China", machte der Viba-Chef höflich im Ton, aber deutlich in der Sache, klar, dass man sich das eigene Handeln nicht von Amerika diktieren lasse.

Er habe Interesse daran, dass die transatlantischen Verbindungen gestärkt werden. Jeden Tag würden 74 000 Menschen aus Europa über den Atlantik reisen, in Deutschland sichern US-amerikanische Firmen 700 000 Arbeitsplätze und davon viele auch in Südthüringen. Man habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg geöffnet, Russland und China nach dem "Kalten Krieg" Chancen geboten. Doch diese würde einseitig ausgenutzt. Das Defizit der USA im Handel mit Europa liege zum Nachteil Amerikas bei 140 Mrd. Dollar, das mit China bei 350 Mrd. Dollar, nannte der Konsul Zahlen.

Die konterte MdB Gerald Ullrich ganz schnell. 2017 hätten die Vereinigten Staaten im Bereich Dienstleistung über 51 Mrd. Umsatz gemacht, im Primär- und Sekundärgeschäft 216 Mrd. Dollar. Der Überschuss der USA betrug daraus 14,2 Mrd. Dollar. "Sie machen gute Geschäfte mit uns", sagte der Bundestagsabgeordnete aus Floh-Seligenthal. Man habe China bei der Aufnahme in die Welthandelsorganisation Zusagen gegeben, in der Hoffnung, dass sich das Land wandelt. Dies sei nicht geschehen, China nutze jetzt nur die Zusagen aus, die es erhalten hat, rückte Ullrich das Problem ins rechte Licht.

IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas benannte die Folgen der US-Handelspolitik unter Präsident Trump deutlich. Die neuerlich erhobenen Zölle und Drohungen hätten in Thüringen bei Firmen, die in der Branche Mess- und Regeltechnik tätig sind, zu einem Umsatzrückgang von 11 Prozent geführt, bei Kfz-Teilen für den Automarkt - den die USA im Focus haben - aber nur zu 2 Prozent, im Bereich elektrotechnische Erzeugnisse beträgt der Rückgang hingegen 14 Prozent. Unabhängig von der Handelspolitik sei das Handelsvolumen zwischen den USA und Thüringen im vergangenen Jahr aber um 4,4 Prozent gestiegen, machte Pieterwas auch deutlich.

Er wolle Differenzen nicht kleinreden, so der US-Generalkonsul, die Stärke beider Länder sei, Probleme zu erkennen und sie zu beseitigen, schaute er voraus. Deutschland müsse angesichts seiner Wirtschaftskraft bei der EU eine bedeutendere Rolle spielen und mehr Einfluss nehmen, befand er. Mit Sorge sah er chinesische Beteiligungen in deutschen und Thüringer Firmen. Das sei durchaus auch in den klein- und mittelständischen Betrieben gewollt, entgegnete Pieterwas. Wenn stattdessen amerikanisches Kapital einfließe, sei das durchaus willkommen, machte er deutlich.

Mathias Dietsch nannte ein anderes Beispiel von der Leitmesse der Möbelbranche. "Die Chinesen sind so verdammt präsent". Wo aber sind die Amerikaner, fragte er. Wer Geschäfte mit Europa machen wolle, der müsse sich auch zeigen und auf andere zugehen.

Man sehe Europa als Partner, warb der Konsul für ein Miteinander, zumal die Europäer und Deutschland mit ihren Werten doch näher an den USA als an China seien. Der Handelsstreit zwischen den beiden Weltmächten zog sich wie ein roter Faden durch das zweistündige Gespräch. Firmen würden derzeit lieber Geschäfte mit den Chinesen abschließen, weil die in aller Regel eine win-win-Situation, also den Vorteil für beide Seiten, suchen. Amerikaner kämen dagegen häufig in Wildwest-Manier und wöllten nur Geschäfte tätigen, die allein ihnen zum Vorteil reichen, beschrieb ein Unternehmer. Was denn überhaupt fairer Handel sei, zog er die Trumpsche Sprechblase in Zweifel.

Auch die Militärausgeben, zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, wurden kontrovers diskutiert. MdB Ullrich meinte, dass Deutschland seine gegebene Zusage einhalten müsse. Ob die Regelung an sich sinnvoll sei, daran könne man allerdings zweifeln.

"Wir erkennen kein Ziel, die Politik erscheint willkürlich", fasste Bürgermeister Kaminski die US-Politik aus seiner Sicht zusammen. Mitunter habe man sogar das Gefühl, China sei Feind Nr. 1 und Deutschland Feind Nr. 2. "Warum ist das Säbelrasseln so verdammt laut", fragte er. Das beunruhige auch die Menschen in Südthüringen.

"Uns kommen die Märkte abhanden, nicht weil wir keine guten Produkte haben, sondern wegen der politischen Verwerfungen, lautete eine andere Meinung aus der Unternehmerrunde. Am Ende würden von dem Handelsstreit aber Arbeitsplätze in Südthüringen betroffen sein, monierten die Firmenvertreter die einseitige US-Politik.

Einig waren sich Generalkonsul Timothy Eydelnant und die Vertreter aus Wirtschaft und Politik, dass man in der ostdeutschen Öffentlichkeit mehr bewusst machen müsse, dass die USA historisch genauso zum Sieg über Nazideutschland beigetragen haben. Dieses Thema und viele andere könne man gern bei einem weiteren Besuch besprechen, regte Bürgermeister Kaminski an und lud den US-Generalkonsul neuerlich nach Schmalkalden ein.

Erik Hande

    
    

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