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designed in schmalkalden - zeichen setzen!

Ausstellung in der FBF-Galerie über die Gestaltung von Werkzeugen, Möbeln und Sportgeräten

SCHMALKALDEN Gerade konnte Norbert Krah zwei Medaillen für "Gutes Design" aus dem Jahr 1985 für die Ausstellung "designed in schmalkalden - zeichen setzen!" entgegen nehmen.

Harald Eckardt, Norbert Krah, Walter Reinhold und Wolfgang Nickel sind ein Teil des Galerieteams, das monatelang die Ausstellung vorbereitet hat.   » zu den Bildern

SCHMALKALDEN Gerade konnte Norbert Krah zwei Medaillen für "Gutes Design" aus dem Jahr 1985 für die Ausstellung "designed in schmalkalden - zeichen setzen!" entgegen nehmen. Dann wartete schon wieder jemand mit einem Bild auf den Leiter der FBF-Galerie. Trotzdem die Ausstellung bereits vor einigen Tagen unter viel Zuspruch eröffnet wurde, kommen immer noch Exponate in der FBF-Galerie an.

Der Ausstellungsleiter freut sich über die Resonanz und die vielen positiven Antworten auf seine Anfragen. Von Schmalkalden über Suhl bis Dresden und weiter bis nach Österreich haben er und das ganze Galerie-Team seit über einem Jahr Kontakte geknüpft und Produkte gesucht, die einst in Schmalkalden gestaltet und hergestellt wurden.

Das Anliegen dieser Exposition erläutert der Galerieleiter gern am Beispiel dreier Zangen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Das älteste Werkzeug davon erfüllt seine Funktion, liegt aber wie ein Hackklotz in der Hand und bietet keine Einstellmöglichkeiten. Das folgende aus DDR-Zeiten ist schon ergonomischer geformt und lässt sich ganz gut greifen. Doch das dritte Modell, aus den neunziger Jahren bietet nicht nur Qualität und wohlgefälliges Aussehen, sondern ist so gestaltet, dass es schmeichelnd in der Hand liegt, viele Funktionen bietet und doch griffig ist. An diesen Exponaten lasse sich nachvollziehen, wie die Gestaltung, sprich Design, von Produkten immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.

"In den siebziger und achtziger Jahren wurden schließlich Formgestalter bewusst in die Entwicklung einbezogen", ergänzte Reinhold Walter, einst im Werkzeugkombinat Schmalkalden in der Abteilung Handwerkzeuge tätig. Die erwähnten Medaillen brachte der Sohn von Jürgen Kallenbach, der im WKS als Abteilungsleiter Entwicklung Handwerkzeuge verantwortlich war. Die Ehrungen, beide aus Meißner Porzellan, hatte es für die "Form10" gegeben, welche zur Leipziger Messe 1985 erstmals an Werkzeugen gezeigt wurde.

Mit dem Designbüro von Dr. Sorg aus Dresden habe das WKS seinerzeit zusammengearbeitet. Später kamen ausgebildete Designer wie Gerhard Usbeck, Roland Heim, Jürgen Altenburg oder Ralf Kleinsteuber dazu.

Die Designed-Ausstellung in der FBF-Galerie zeigt aber noch viel mehr. Da sind Möbel zu sehen, die in Floh hergestellt wurden und noch als Reparationsleistung für die Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg an die damalige Sowjetunion geliefert wurden. Der Bogen spannt sich bis zu den heutigen Produkten der Firma Dietsch Polstermöbel. Highlight ist das von Kathleen Dietsch gestaltete Sitzmöbel, welches der Form eines Blatt gleichend zum Erholen und Entspannen einlädt.

Aber auch Gebrauchsgüter, Bestecke und Sportartikel fallen in der Ausstellung sofort auf. Da sind vor allem viele Modelle von Skiern zu sehen, die im Sportgerätewerk Germina entwickelt, designed und hergestellt wurden. Für Österreich wurden "Kneissl"-Skier hergestellt und für die heimischen Sportler Skisprung-Skier oder Langlaufski. Biathlon-Olympiasieger und Weltmeister Frank Ullrich hat sogar zwei seiner Sieger-Ski für die Ausstellung signiert und zur Verfügung gestellt. Der Trusetaler Peter Jung gab seine Skier, mit denen er fünfmal am Wasa-Lauf teilgenommen hat dazu. Alle miteinander stammen aus Germina-Produktion.

Die heutige Germina Sportwelt GmbH aus Unterschönau fertigt weiterhin Ski mit dem Markennamen an, verweist Galerieleiter Norbert Krah auf die Tradition und den Fortschritt der weltbekannten Marke.

Auch sei das keine Schmalkalder, sondern eine regionale Ausstellung. Viele der gezeigten Werkzeuge sind zum Beispiel im Haselgrund angefertigt worden. Aus der Werkzeug-Union (WU) stammen die Zangen, deren technischer Fortschritt ebenso wie das immer gefälligere Design in der Ausstellung ersichtlich werden.

Gaben die Schmiede einst mit der Funktion das Aussehen von Werkzeugen oder Gebrauchsgegenständen vor, so übernahmen später Konstrukteure diese Aufgabe, indem sie versuchten, komplexe Werkzeuge, Maschinen oder Gegenstände zweckmäßig und ansprechend zugleich zu gestalten. Dann kamen die Formgestalter, heute sagt man Designer, hinzu.

"Der Markt verlangte Veränderungen, zum Beispiel das Loch im Griff von Werkzeugen. Das brauchte es, um Schraubendreher oder anderes im Geschäft am Warenständer zur Präsentation aufhängen zu können. Da wurden auch flachere Griffe entwickelt, mit den sich Material und Transportvolumen einsparen ließ. "Aber die hatten Nachteile bei der Kraftübertragung", schilderte Reinhold Walter. Also kehrte man zu runden Griffen zurück. Diese und viele andere Einblicke mehr gibt die Ausstellung, in der jeder einen Bezug findet: weil sie verständlich ist, weil sie einfaches Handwerkzeug, aber auch komplexe, digital gesteuerte und mit WLAN ausgestattete moderne Maschinenwerkzeug zeigt, die in der Region hergestellt werden.

Dazu kommt die Kunst, zu der die Ausstellung den Bogen spannt. Wer sich Wolfgang Nickels "100 Schmalkalder kleine Dinge" anschaut, der bestaunt erst einmal die Kunst, solch ein Relief gestalten zu können und dann auch noch die Vielfalt an Werkzeugen und Gegenständen darin. Wie ein Wimmelbild lädt es zum Verweilen und Entdecken ein.

Auch die Nachdrucke alter Zunftsiegel erregen das Interesse der Besucher immer wieder. Dazu kommen jene vier gestalteten Seidenbanner, die für vier technologischen Etappen der Fertigung stehen. Sie verdeutlichen die Zeit der Zünfte, die Zeit der Industrialisierung, die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die Gegenwart mit Industrie 4.0. Gerade in der Gegenwart orientiert sich Design bei Werkzeugen zum Beispiel längst nicht mehr nur an der menschlichen Hand, sondern immer öfter an den Griffen des Roboterarmes.

Es ist wirklich eine außergewöhnliche Ausstellung, die Kunst und heimische Produktion interessant verknüpft und so sehr sehenswert werden lässt. Bis zum 30. Oktober sind Besucher herzlich willkommen, die designed-Ausstellung in der FBF-Galerie anzuschauen.

Erik Hande

    
    

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