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Ziel: Transitverkehr über den Rennsteig stoppen

Brotteroder Bürger startete Online-Petition / Rennsteig-Querung mit Maut belegen

Eine Unterschriftensammlung hat Joachim Kaufmann gestartet. "Erhaltung Naturpark Thüringer Wald" heißt diese, an der sich jeder beteiligen kann, der den Lkw-Verkehr über den Rennsteig leid ist.

Die Straßen sind für den Lkw-Verkehr nicht gedacht, zu eng und kaum ohne Befestigung am Straßenrand. Fotos: privat   » zu den Bildern

Eine Unterschriftensammlung hat Joachim Kaufmann gestartet. "Erhaltung Naturpark Thüringer Wald" heißt diese, an der sich jeder beteiligen kann, der den Lkw-Verkehr über den Rennsteig leid ist.

BROTTERODE Mautsäulen sollen auf den Inselsberg, den Heuberg und den Nesselberg. Das schlägt Joachim Kaufmann aus Brotterode vor, der des Lkw-Verkehrs durch seine Heimatstadt müde ist. Denn er und viele andere Anwohner an den Hauptstraßen von Tann, Dermbach, Roßdorf, Wernshausen bis Brotterode-Trusetal, Tabarz oder Floh-Seligenthal, Friedrichroda, Tambach-Dietharz kommen nachts kaum zum Schlafen, weil ständig Lkw die Abkürzung über den Rennsteig nutzen, um Maut zu sparen.

Lärm und Müll

weisen den Weg

über den Rennsteig

"Seitdem die B19 mit Maut belegt ist, ist es ganz schlimm geworden", schildert der Brotteroder seine Erfahrung. Zunehmend nutzen Lkw-Fahrer die Querung über den Rennsteig als Abkürzung, um ihre Fahrstrecke zu verkürzen und dabei Mautkosten zu vermeiden. Teilweise würden die Fahrer von Lastzügen im internationalen Transit in Fulda von der Autobahn fahren, durch die Rhön nach Dermbach kommen und über den Rosagrund in Richtung Inselsberg oder Heu- und Nesselberg fahren, um auf die Autobahn A4 zu gelangen. Der Blick auf die Karte zeigt den Vorteil. Würde ein Lastwagenfahrer vom osthessischen Fulda über die A7 und A4 nach Waltershausen fahren, müsste er 125 km zurücklegen. Nimmt er die allerkürzeste Verbindung über Tann, Dermbach, Roßdorf Brotterode-Trusetal, dann ist die Strecke nur noch 95 km lang. Ein Pkw wäre über die Autobahn in 1h9min am Ziel, über den Rennsteig bräuchte er 1h42 min.

Doch Lkw‘s sind bekanntlich nicht so schnell, die Zeitersparnis können sie auf der Autobahn nicht realisieren. Aber die Mautgebühr, die sie für die Kilometer auf der Autobahn und der Bundesstraße bezahlen müssen, können sie einsparen. Genau dieser finanzielle Aspekt ist der Grund, der Joachim Kaufmann und vielen anderen Leidtragenden den Schlaf raubt! Dazu kommen die Abgase, die zerfahrenen Straße, der hinterlassene Pausenmüll und von Lkw zugestellte Parkplätze, weil deren Fahrer Ruhepausen einhalten müssen.

Gäbe es eine Mautsäule auf dem Inselsberg, Heuberg und Nesselberg, es würde wieder Ruhe einkehren, ist sich der Brotteroder sicher. Denn in dem Moment wäre der finanzielle Vorteil über alle Berge, der Zeitverlust für Lkw-Fahrer hielt sich auf der Autobahn in Grenzen. Dafür wäre der Thüringer Wald wieder jenen vorbehalten, die als Einwohner, Tagesgast oder Urlauber die Natur genießen wollen.

"Wir werben mit Natur und bieten Lkw-Verkehr", benennt Joachim Kaufmann den krassen Gegensatz im Ort. Da rauscht nicht der Wasserfall in Trusetal, sondern der Fahrzeugverkehr auf der Landesstraße, da saust nicht der Gast auf der Sommerrodelbahn, sondern die schweren Lastwagen ins Tal, meint Joachim Kaufmann.

Damit die Verkehrsbelastung möglichst bald ein Ende hat, startete der Brotteroder die Petition "Erhaltung Naturpark Thüringer Wald" unter openPetition.de. 1500 Unterschriften werden benötigt, dann gibt der Betreiber der Webseite die Petition an den Thüringer Landtag. Dessen Petitionsausschuss muss sich mit solch einer Eingabe befassen und von Behörden oder dem Gesetzgeber Stellungnahmen einfordern. Im Ergebnis der Beurteilung könnten Vorschläge an die zuständigen Ministerien und Fachbehörden ergehen, die im besten Fall unter anderem in drei Mautsäulen auf dem Inselsberg, dem Heuberg und Nesselberg münden.

Weiterhin verweist Kaufmann darauf, dass Kommunen laut EU-Verordnung verpflichtet sind, einen Lärmschutzplan zu erstellen. Laut der sogenannten EU-Umgebungslärmrichtlinie sind "Lärmkarten für Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen sowie für Ballungsräume" auszuarbeiten, heißt es auf der Homepage des Bundesumweltministeriums. In Ballungsräumen würden zusätzliche Lärmquellen im Bereich Straßenverkehr, Schienenverkehr, Luftverkehr sowie Industrie- und Gewerbe erfasst. Das müsste auch für solche Verkehrswege wie über den Rennsteig gelten, meint Joachim Kaufmann und fordert im Zusammenhang mit der Petition auch kommunale Lärmschutzpläne ein.

Noch fünf Wochen können sich Bürger online für die Unterstützung der Petition eintragen. Das geht einerseits direkt im Internet unter dem abschließend genanten Link, aber auch über das Handy mit einem QR-Code-Scanner. Einfach den Scanner starten und die Grafik anvisieren, die Software erkennt den Link und öffnet ihn automatisch. Schon kann sich jeder, der möchte, zur Unterstützung der Petition eintragen.

Wer damit vielleicht nicht zurecht kommt, der fragt Kinder, Enkel oder Nachbarn, da hat man gleich Gelegenheit für ein nettes Gespräch. Noch wichtiger ist aber, dass man womöglich beiträgt, einer Petition zum Erfolg zu verhelfen, die den Schutz des Rennsteigs und seiner Anwohner zum Ziel hat.

Erik Hande

Internet:

www.openpetition.de

    
    

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Wochenspiegel Thüringen-Ausgaben vom 30.05.2020

    
    
    
    

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