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Rotes Licht angesichts tiefroter Zahlen

Veranstaltungsbranche machte deutschlandweit auf Not-Situation aufmerksam

STEINBACH-HALLENBERG Vielen Unternehmen und Solo-Selbstständigen der Veranstaltungsbranche sind die Einnahmen zum Teil komplett weggebrochen.

Die Ruine der Hallenburg war am Montagabend in rotes Licht getaucht, als Appell an die Politik, der Veranstaltungsbranche zu helfen. F.: Panke   » zu den Bildern

STEINBACH-HALLENBERG Vielen Unternehmen und Solo-Selbstständigen der Veranstaltungsbranche sind die Einnahmen zum Teil komplett weggebrochen. Konzerte, Theateraufführungen, Tanzabende bis zu Festen wie Jahrmärkten und Kirmessen sind angesichts der Corona-Pandemie abgesagt, um Monate verschoben oder finden gar nicht mehr statt. Viele der Firmen und Selbstständigen, um nicht zu sagen bis zu 90 Prozent der Branche, stehen vor dem wirtschaftlichen Aus.

Auch in der Region gibt es Betroffene, die bisher wunderbare Veranstaltungen beschert haben. Einer davon ist Daniel Kiesewetter mit seinem Unternehmen DanJelsound, der in den letzten Jahren viele Veranstaltungen in Schmalkalden mit Licht, Ton, Video und Spezialeffekten aufgewertet hat. Gemeinsam mit ihm setzte die Stadt Schmalkalden in der Nacht vom Montag zum Dienstag ein Zeichen und tauchte wie in anderen deutschen Städten Kultureinrichtungen in ein rotes Licht. So wurden die FBF-Galerie und das Kunsthaus in der "Night of Lights" in roter Farbe angestrahlt.

Für die FBF-Galerie waren, nach Aussage von deren Leiter Prof. Norbert Krah, "die letzten Monate eine zum Teil schwer verkraftbar Verharrungszeit". Denn alle Planungen mit Ausstellungen und Veranstaltungen, die wenn auch nur bescheidene, kleine Spenden eingebracht hätten, konnten nicht stattfinden. Aber Kosten seien dennoch Woche für Woche angefallen und müssten entrichtet werden, so Krah. Deshalb habe sich das FBF-Galerieteam sehr gefreut, dass Daniel Kiesewetter mit seinem Team die Galerie und das Otto-Müller-Museum nicht mit rotem Tuch verhüllt, so wie es vielleicht Christo getan hätte, sondern ideenreich mit dunkelrotem, fast blutrotem Lichtern zur nächtlichen Stunde bis weit über Mitternacht angestrahlt hat. Es sei ein deutliches Zeichen für die schon vorhandene Not gewesen, die sich aus den notwendigen Schutzmaßnahmen zur Corona- Krise für Kunst- und Kulturschaffende auch im Landkreis Schmalkalden-Meiningen ergeben haben. Für den Galerieleiter war es indes "wohltuend zu sehen, dass viele bekannte Kunstfreunde und andere Schmalkalder Bürger sich mit dieser Kunst-Protestaktion solidarisierten und über eine lange Zeit anwesend waren, um in kleinen Gruppen Gespräche zu Problem der Zeit zu führen.

"Nach dieser Protestaktion müssen aus unserer Sicht von der Stadt und vom Landkreis weitere konkrete, ideenreiche, organisatorische und finanzielle Unterstützungsmaßnahmen ausgehen, damit die kleine Kunst- und Kulturszene unseres Landkreises nicht bis ins Marginale schrumpft", forderte Krah aktives Handeln der Kommunalpolitik ein.

Die Aktion, gedacht als ein flammender Appell an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft, fand auch in Steinbach-Hallenberg Aufmerksamkeit. In Anlehnung an das Burgfest wurde dort die Burgruine Hallenburg in rotes Licht getaucht. Andreas Panke, vom gleichnamigen Veranstaltungsservice, und Mitstreiter hatten am Fuß des städtischen Wahrzeichens die Scheinwerfer aufgestellt, um auf die Not der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. Sein letzter Auftrag, den er wahrnehmen konnte, war der Karneval in Viernau. Als nächstes hätte im März die Gewerbeausstellung in Steinbach-Hallenberg folgen sollen. Doch diese wurde wegen der Corona-Pandemie in das kommende Jahr verschoben. Von da an ging es reihenweise Absage um Absage weiter.

Er wisse nun nicht, wann der nächste Auftrag kommt, sagte Andreas Panke. Mittlerweile würden rundum bereits die Kirmesveranstaltungen abgesagt. Die in Suhl-Heinrichs, eine stets gut besuchte, genauso wie die in Viernau und die in Herges-Hallenberg - alle ersatzlos gestrichen.

Das verwundert nicht, denn auch die Veranstalter, oftmals sind es örtliche, ehrenamtlich tätige Vereine, wissen teilweise gar nicht wie sie Hygieneauflagen erfüllen sollen. Oder aber sie können unter den eingeschränkten ihre Veranstaltungen nicht wirtschaftlich umsetzen. Was nutzt es schließlich, eine Kirmes zu veranstalten, wenn der Ausrichter damit womöglich ein finanzielles Minus macht? Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten der Veranstaltungsbranche, die in Deutschland etwa eine Million Beschäftigte zählt, düster.

Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik fordert deshalb Überbrückungshilfen, weil Hausbanken, wenn überhaupt, KfW-Kredite jetzt nur mit hoher Privathaftung gewähren bzw. sie bei aktuellen Rahmenbedingungen unternehmerisch sinnlos sind. Denn Kredite lassen sich nur zurückbezahlen, wenn man bei Veranstaltungen auch Einnahmen erzielen kann.

Doch genau das bleibt Solo-Selbstständigen wie dem Unterschönauer Andreas Panke in der Praxis auch weiterhin verwehrt.

Der befürchtet nun, dass ihn Corona einen Jahresumsatz kostet. Dabei blickt er nicht nur auf sich selbst. Auch die Bands, Solo-Künstler, DJ‘s und andere aus der Veranstaltungs- und Unterhaltungsbranche stünden vor dem Aus. Selbst wenn Großveranstaltungen wieder genehmigt würden brauche es teilweise eines halben Jahres Vorlauf, um Veranstaltungen wie zum Beispiel Preisverleihungen der IHK Südthüringen, regionale Berufs- und andere Messen und andere Events vorbereiten zu können.

Solange fehlen ihm und den anderen der Veranstaltungsbranche aber weiterhin Einnahmen. Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen, beteiligte sich Andreas Panke an der "Night of Lights" und tauchte am Montagabend die Ruine Hallenburg von 21 Uhr bis kurz vor Mitternacht in rotes Licht.

Erik Hande

    
    

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