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Denkmalpreis des Landkreises für Pfaffengasse 14

Kerstin Blaschke für ihr denkmalschützerisches Engagement geehrt / Bisher unbekannte Wandmalerei entdeckt / Künftig soll das Haus wieder dem Wohnen dienen

SCHMALKALDEN Vor drei Jahren schauten sich in der Veranstaltungsreihe "Alte Häuser erzählen" 200 Besucher im Haus Pfaffengasse 14 um. Erschrocken reagierten damals viele angesichts des schlechten Gebäudezustandes.

Diese unbekannte Wandmalerei von 1661 wurde bei den Sanierungsarbeiten entdeckt. Fotos: Erik Hande   » zu den Bildern

SCHMALKALDEN Vor drei Jahren schauten sich in der Veranstaltungsreihe "Alte Häuser erzählen" 200 Besucher im Haus Pfaffengasse 14 um. Erschrocken reagierten damals viele angesichts des schlechten Gebäudezustandes. Würden sie heute durch das wohl im 16. Jahrhundert erbaute Haus gehen, sie kämen aus dem Staunen nicht heraus.

Kerstin Blaschke hat das zusehends verfallende Anwesen erworben und Schritt für Schritt saniert. So vorzüglich und mit viel Gespür für historische Details, dass ihr dafür vorigen Freitag einer der drei Denkmalpreise 2020 des Landkreises Schmalkalden-Meiningen verliehen wurde.

Landrätin Peggy Greiser ließ es sich nicht nehmen, diese Auszeichnung persönlich zu übergeben. Dabei erfuhr sie von Kerstin Blaschke, dass es in der Bauphase manche Überraschung gab. So kam im zweiten Obergeschoss eine Wandbemalung zum Vorschein, von der niemand gewusst hatte. Aus dem Jahr 1661 stammt diese. Sorgsam geschützt ist sie heute freigelegt und ein Kleinod des Hauses. Dazu kommen die vielen Stuckdecken, die fachgerecht saniert wurden. Angesichts der massiven Feuchtigkeit, die über Jahrzehnte in das ungesicherte Haus eindringen konnte, ist es eine herausragende Leistung, dieses historische Gebäude samt seinen baulichen Zierelementen wieder so hervorragend instandzusetzen, lobte auch Bärbel Oehring von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises.

Selbst das Firmenschild des ehemals im Haus tätigen Goldschmiedemeisters Fritz Baum hat die neue Eigentümerin aufgehoben und über die Bauarbeiten hinweg gerettet. Bis in die 1970er Jahre hinein habe dieser damals in der Pfaffengasse 14 sein Domizil gehabt, wusste Kerstin Blaschke.

Das Haus soll künftig einmal Wohnzwecken dienen. Vieles darin ist bereits fertiggestellt, aber es braucht schon noch Zeit, bis die ersten Bewohner darin einziehen können. Mit Blick auf Schloss Wilhelmsburg und die Stadtkirche St. Georg bietet sich von dort aus wahrlich ein schöner Ausblick. Für die Passanten in der Pfaffengasse ist hingegen der Anblick des Hauses Nr. 14 wieder ein erfreulicher.

Das aus drei Flügeln bestehende zweigeschossige Fachwerkgebäude wurde auf einem massiven Erdgeschoss errichtet. Wie fast alle Gebäude in der Straße hat es ein hohes, mit roten Ziegeln gedecktes, Satteldach. Die bauhistorischen Untersuchungen haben ergeben, dass das repräsentative Fachwerkgebäude in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach umgebaut wurde. Das zeigen nicht nur die unbesetzten Zapflöcher sondern auch Deckenbalken und Schwellhölzer, die nachträglich gekürzt wurden. Die Traufseiten des Gebäudes zieren geschweifte Kreuzstreben (Andreaskreuze/ Feuerböcke), die sich stilistisch in die Zeit zwischen 1550 und 1600 datieren lassen.

Nach der Wende stand das Haus lange Zeit leer und fristete ein trauriges Dasein. Die Eigentümer nutzten das wertvolle Gebäude nur zu Lagerzwecken. Kerstin Blaschke hat sich in das Gebäude verliebt und konnte den Verfall des Fachwerkhauses nicht länger mit ansehen. Im Jahr 2017 kaufte sie das Anwesen, um diesem neues Leben einzuhauchen.

"Das Gebäude war teilweise in solch einem schlechten Zustand, dass sofortige Notsicherungsmaßnahmen erforderlich wurden. Während der Arbeiten zur Sicherung des Daches wurden immer massivere Schäden an der Holzkonstruktion sichtbar. Deckenbalken oder auch stützende Teile der Fachwerkkonstruktion waren nicht mehr als solche zu erkennen. Über Jahre drang Feuchtigkeit ungehindert in das Gebäude ein. Das hatte zur Folgen, dass ganze Teile der Lehmwickeldecken heruntergebrochen waren. Es wurden immer mehr akute Schäden sichtbar", schilderte Landrätin Greiser in der Laudatio bei der Übergabe des Denkmalpreises.

Für die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Gebäude habe die Eigentümerin nur Firmen beauftragt, die entsprechende Referenzen bei der Sanierung von Baudenkmalen nachweisen konnten. Alle Arbeiten wurden in permanenter Abstimmung mit den Denkmalbehörden durchgeführt. Nachdem die Fassaden aller Gebäudeteile restauriert wurden, erstrahlt das Anwesen nun wieder in seiner vollen Pracht. Die Gestaltung der Außenanlagen soll dann die Gesamtsanierung abschließen. Erik Hande

    
    

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Wochenspiegel Thüringen-Ausgaben vom 28.11.2020

    
    
    
    

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