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Witterungsrückblick auf den August 2020 - es gab ein wenig Action

NEUHAUS Auch wenn er sich herbstlich verabschiedete - der August war mit Abstand der wärmste aller diesjährigen Sommermonate. Eine mittlere Temperatur von 16,9° bedeutet ein Plus von 3,7°C gegenüber dem klimatologischen Mittel.

Foto: R. Manig  

NEUHAUS Auch wenn er sich herbstlich verabschiedete - der August war mit Abstand der wärmste aller diesjährigen Sommermonate. Eine mittlere Temperatur von 16,9° bedeutet ein Plus von 3,7°C gegenüber dem klimatologischen Mittel. In der Statistik ist er damit der fünftwärmste August seit mindestens 1940. Der August war jedoch nicht einfach nur zu warm - aus meteorologischer Sicht gab es daneben einige sehr interessante Ereignisse.

Die ersten drei Wochen waren mehr oder weniger von einer Blockierungslage geprägt. Klingt erstmal etwas langweilig, war es allerdings nicht. Fünf Hochs in der Reihenfolge Claws, Detlef, Emil, Frederik und Gundmar lagen entweder direkt oder etwas östlich Mitteleuropas. Atlantische Tiefausläufer hatten bis zum 25. August keine Chance sich gegen diese Herren durchzusetzen. Nur wenn sie ihren Kern etwas Richtung Osten verlegten hatten einzelne Störungen die Gelegenheit, in unserer Region für etwas Action zu sorgen. Stürmisch waren sie nun gerade nicht, allerdings örtlich sehr niederschlagsträchtig, den Ausdruck "Sumpfgewitterlagen" kennt man vielleicht schon.

Zwei Starkregenereignisse kurz hintereinander mit über 50 Litern pro Quadratmeter hier in Neuhaus und Umgebung - das gab es schon lange nicht mehr. Verursacherinnen dieser Großausschüttungen - Tief Heike in der Nacht vom 14. und 15. August und dann die Ingrid zweieinhalb Tage später am Montag zur schönsten Mittagszeit. Während es Heike noch moderat angehen ließ und die Hauptniederschlagsmenge über 6 Stunden verteilte nahm sich Ingrid nicht so viel Zeit.

Die gleiche Menge in nur zweieinhalb Stunden - und als Highlight eine wahre Sturzflut innerhalb von 10 Minuten. 21,5 Liter pro Quadratmeter innerhalb dieser kurzen Zeit - ich kann mich an nichts Vergleichbares erinnern. Eine offizielle Statistik gibt es hier für diese Zeiträume nicht, in all den Jahren habe ich mir jedoch immer ein paar Highlights notiert, die stärksten Intensitäten waren: Im Juli 2015 in 3 Minuten 10,4 und im Juli 2016 im gleichen Zeitraum 7,5 Liter pro Quadratmeter, größter Wert 2015 - innerhalb einer Minute 4,4 (!) Liter pro Quadratmeter. In der Summe eine Niederschlagsmenge von 199 Liter pro Quadratmeter, drittnassester August seit 1940. Wie üblich bei solchen konvektiven Niederschlagsereignissen die Verteilung sehr unterschiedlich. Während in der näheren Umgebung von Neuhaus bis zu 220 Liter pro Quadratmeter registriert wurden waren es im Süden des Landkreises Sonneberg an der Grenze zu Bayern teilweise nur 70 Liter pro Quadratmeter, im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in der Region Teichröda - Remda noch einmal 10 Liter pro Quadratmeter weniger. Temperaturmäßig wurde hier oben mehrmals an der 30°C-Marke gekratzt, gleichwohl immer knapp verfehlt.

Gleich am ersten Monatstag in südosteuropäischer Festlandsluft ein Maximum von 29,6°C, am 8. und 9.August jeweils 29,1°C, der 9. August zugleich mit einer mittleren Temperatur von 23,7°C der wärmste Tag des Monats.

Und da in der Nacht zwischen diesen beiden Tagen die Temperatur nicht unter 20°C sank wurde es die 14. Tropennacht seit Bestehen der Wetterstation, vor 1987 sind solche Tage nicht nachweisbar. Das absolute Monatsmaximum wurde mit 29,8°C dann am 21. August erreicht, ein neuer Dekadenrekord in südeuropäischer Subtropikluft. Am Tag darauf wurde noch einmal kurz die 20°C-Marke überschritten, danach erst einmal Fehlanzeige für weitere Bergsommertage.

In der letzten Augustwoche wurde dann die Blockade aufgelöst, eine recht ordentliche Westlage stellte sich ein - Und dies mit einer sehr beeindruckenden Frau. Sturmtief Kirsten, eine sogenannte Shapiro-Keyser-Zyklone, zog im Laufe des 26. August knapp nördlich Deutschlands hinweg beeinflusste mit ihrem Sturmfeld weite Teile des Landes. Bis in tiefere Lagen wurde in Böen Windstärke 10 registriert, an unserem Windmessstandort in Neuhaus-Igelshieb mit 21,3 Meter pro Sekunde satte Windstärke 9.

Das erste Mal seit dem 30. April, dass hier oben überhaupt wieder einmal die Windstärke 8 erreicht wurde. Da an diesem Tag verbreitet die Sonne schien und es nur im Norden stärker bewölkt war wurde an diesem Tag ein neuer

Öko-Strom-Rekord aufgestellt. Der letzte Monatstag zugleich der kälteste, in erwärmter subpolarer Meeresluft ein Tagesmittel von nur noch 10,6°C. Das absolute Minimum eine Woche zuvor am Montagmorgen mit 8,8°C. Meteorologisch gesehen ist nun der Sommer beendet, astronomisch gesehen bleiben uns da ja noch einige Tage. Nimmt man rein die mittleren Tagestemperaturen macht die meteorologische Einteilung des Sommers schon viel Sinn. Hier in Neuhaus beginnt mit dem 2. Juni der Zeitraum, wo eine mittlere Tagestemperatur von 12°C nicht mehr unterschritten wird, und endet mit dem 2. September.

Die restlichen Klimawerte des August: Bergsommertage 18 (14), Maximum > 25°C 9 (4), relative Luftfeuchte 73% (77), Bedeckungsgrad 69% (60), Tage mit Nebel 10 (11), Tage mit Böen der Windstärke sechs 5 (10), mit Böen der Windstärke acht einer (einer), Tage mit Gewitter 10 (6).

Rüdiger Manig,

Wetterstation Neuhaus

am Rennweg

    
    

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