» zur Übersicht Suhl/Zella Mehlis
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Kleines Volksinstrument ganz groß in der Gunst der Förderer

In genau einem Jahr ist 7. Cister-Symposium - Neuer Förderverein hat die Fäden in der Hand

Von Sabine Gottfried SUHL/ALTERSBACH Es war so in den Neunzigerjahren, da hätte es Horst Schäfer ein wenig gereut, 100 Mark für die Restaurierung seiner ersten, für 20

Kostbarkeiten nennt Horst Schäfer die Thüringer Waldzithern inzwischen. Unter seinem Vorsitz nimmt der neue Verein der Freunde und Förderer der Thüringer Waldzithern das 7. Cister-Symposium in Angriff. Foto: got  

Von Sabine Gottfried

SUHL/ALTERSBACH Es war so in den Neunzigerjahren, da hätte es Horst Schäfer ein wenig gereut, 100 Mark für die Restaurierung seiner ersten, für 20 Mark erstandenen Thüringer Waldzither aufzubringen. Heute nennt er die handlichen, neunsaitigen Instrumente "Kostbarkeiten", die viel öfter in der Öffentlichkeit erklingen sollten. Anfang der Neunziger wurde Schäfer nämlich zum Wahl-Thüringer, zum Altersbacher, und nun steht er an der Spitze des neugegründeten, ersten Vereins der Freunde und Förderer der Thüringer Waldzither. Die Faszination Waldzither muss es sein, derentwegen der Fachhochschulprofessor und nun auch Kreistagsvorsitzende von Schmalkalden-Meiningen dem gerade in Suhl so traditionsreichen, aber lange vergessenen Instrument Zeit widmet, um ihm mehr Popularität zu verschaffen.

Ein gutes Stück sind die Suhler und Mitstreiter in ganz Mitteldeutschland für die neue Karriere der Waldzither aus der internationalen Familie der Cistern freilich schon vorangekommen. Denn bereits das 7. Cister-Symposium in genau einem Jahr vom 25. bis 27. September 2015 in Suhl wird vorbereitet. Musiker mit Leidenschaft und exzellentem Können in den Fingern sowie Bewahrer heimatlicher Musik- und Handwerkstraditionen haben es zu einem in der "Szene" viel beachteten und gut angenommenen Ereignis gemacht. Da wird nicht nur musiziert auf dem kleinen, lautenartigen Instrument mit kurzem Hals, mit oder ohne Bauch. Workshops, die Meisterschaft von Instrumentenbauern, neue Spieltechniken und natürlich der vielseitige Klangfacetten-Reichtum der Cister im Chor mit anderen schönen Instrumenten stehen im Mittelpunkt der drei Tage. Von all dem kann sich das Publikum beim großen Konzert "Cister Act" eine große Portion auf die Ohren holen.

Aber: "Das alles lebte finanziell allein von Fördermitteln. Deshalb ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als sich der Förderverein im Juli gegründet hat", strahlt die Projektleiterin im Waffenmuseum, Doris Eckhardt. Und Professor Horst Schäfer erinnert, dass die Hauptlast der Organisation der Symposien mit zuletzt rund 50 Teilnehmern bei einer Frau lag, Doris Eckhardt. Hatte sich 2013 schon eine Arbeitsgruppe mit den Vereinsplänen beschäftigt, flossen Liebe am Waldzither-Musizieren und Engagement tatsächlich in den Zusammenschluss ein. Über 30 Mitglieder wurden es recht rasch, Musiker, Sammler, Bewahrer heimatkundlicher Historie, Instrumentenbauer, vor allem aus dem lokalen Bereich, aber auch aus dem Vogtland, wo die Vogtländische Waldzither beheimatet ist, aus Hamburg, das eine Waldzither-Fabrik hatte, oder aus einer Schweizerischen Instrumentenbaufirma.

Mitglieder vom Studenten bis zum 80-Jährigen, vom Anfänger bis zum versierten Profi, zählt Horst Schäfer auf. Ganz tolle Leute hätten sich zusammengefunden, die sich perfekt auskennen. Die sehr gut wissen, dass der Cister nicht nur das Volkslied zu entlocken ist, sondern die kleinen Klangwunder sich auch fabelhaft für Renaissancemusik, Balladen, Pop, Blues und unendlich mehr ausreizen lassen. Da machen seine Könner das alte Instrument topmodern. Altmeister Hilmar Günther, in die Jahre gekommen, sperrt bestimmt schon beim Hörensagen Augen und Ohren auf. Der für lange Zeit letzte noch lebende Suhler Cisternbauer hatte das Handwerk von vor über 110 Jahren fortgeführt, das einst Theodor Heym und Friedrich Ludwig Möller hier ersonnen hatten. Wohlgemerkt, nicht die Tischzither ist gemeint, die beispielsweise in der Musik von Herbert Roth oder der Alpenmusik zum Einsatz kommt. Aber das dürfte nach sechs Cister-Symposien hier längst bekannt sein. Recht ansehnlich ist bereits auch der Instrumenten-Fundus im Waffenmuseum.

Doris Eckhardt und Horst Schäfer schätzen und praktizieren längst das sehr einfach erlernbare Spiel, Schäfer freilich in Perfektion. Die Waldzither mit ihren vier doppelchörigen Saiten und dem Bass-Strang zaubert schon beim einfachen Anschlag der offenen Saiten einen wohlklingenden Dur- oder Moll-Akkord. Schon das macht Laune. Alles weitere sei sehr leicht und sehr schnell gelernt, wissen die Kenner. Dieses Erlebnis und mehr will der Waldzither-Förderverein in die Lande tragen. Es fließen für derartige Pläne pro Fördermitglied zehn, für Firmenmitglieder 20 Euro im Monat in die Kasse, die einfache Mitgliedschaft kostet schlappe zehn Euro im Jahr. Dadurch wird zuallererst das zweijährliche Symposium Bestand haben können. Die Werkstatt von Hilmar Günther, jetzt beheimatet in der kleinen Heinrichser Kapelle und engagiert geführt von Matthias Wiewiorra, möchte ihre Aktivitäten beispielsweise bei Vorführungen ausweiten.

Neues Anfänger- Lehrbuch und anderes mehr in Vorbereitung

In Arbeit ist ein neues Waldzither-Lehrbuch mit CD für Anfänger, das der Zupfinstrumenten-Virtuose Joachim Rosenbrück aus Ilmenau erarbeitet. Und man hat eine Forschungsgruppe im Auge, die die vielen einzeln existierenden Arbeiten bündelt und erweitert. Denn "es gibt allein in Suhl noch viel zu erforschen", meint Doris Eckhardt. Kommenden Sommer soll es erstmals eine Waldzither-Sonderausstellung geben. Mit all den Vorhaben empfiehlt sich der Förderverein für einen Deutschen Waldzither-Verein. "Denn um sie geht es uns, nicht um alle Cistern dieser Welt", meint Horst Schäfer - der Physiker, den quasi die interessante Physik der Instrumente schon lange gepackt hat.

Folkmusik schlechthin, schon als er 17 war, aber "nicht die Schlager im Dirndl sind gemeint", spöttelt der aus Bad Sooden-Allendorf stammende 57-Jährige. Erst in Südthüringen erfuhr er von dem "eigenartigen Instrument", von dem er nur mit Mühe herausbekam, dass es Waldzither heißt. Die erste eigene für seine durch und durch musikalische Familie erstand er, wie gesagt, für 20 Mark. Die Kunde von einem Cister-Symposium war ein Aha-Effekt: "Es gibt also mehrere von meiner Sorte, die Gefallen an der Vielfalt der Stile der Waldzither finden." Weil viele Auftritte mit dem universellen Instrument auch für Chorgruppen und besonders die Weihnachtslieder zum Mitsingen daheim in der Altersbacher Kirche zu wahren Rennern wurden, ist der "Cister-Professor" fortan ein aktiver Mitgestalter des Symposiums geworden. Auf das nächste in einem Jahr ist er als Vereinsvorsitzender nun besonders gespannt. Wer den Förderverein unterstützen möchte, hier die Kontakte:

Vizevereinschef Hartmut Wiktor, Goldlauter, Tel. 03681/4116240, Mail: cistersuhlev@gmail.com

Doris Eckhardt, Waffenmuseum Suhl, Tel 03681/742326, Mail: doris.eckhardt@stadtsuhl.de

    
    

Diesen Artikel

    
    
    
    

Online-Anzeigenannahme 

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben? Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen. »mehr
    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, technischen Angaben und vielen weiteren Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr