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SCC beendet halbes Jahrhundert der närrischen Leidenschaft

50. Kampagne ab 11. November definitiv der Schlusspunkt - "D´r SCC - e echter Fuff´zger"

Von Theo Schwabe SUHL "Hilfe, die Jecken sind los", mit diesem närrischen Slogan gespickter Lebensfreude ausgelassenen karnevalistischen Treibens pur werden nach der

Mit seiner 50. Kampagne 2014 hat der Suhler Carneval Club sein Ende proklamiert. Hier ein historisches Foto von 1975, wahren Glanzzeiten, als die Suhler Stadthallen-Brette die karnevalistische Welt bedeuteten. Foto: SCC-Archiv  

Von Theo Schwabe

SUHL "Hilfe, die Jecken sind los", mit diesem närrischen Slogan gespickter Lebensfreude ausgelassenen karnevalistischen Treibens pur werden nach der fünften Jahreszeit in Suhl künftig nur noch drei Karnevalsvereine die Närrinnen und Narren in ihre Narrhalla locken, denn der Suhler Carneval Club (SCC) startet am 11. November mit der 50. Kampagne definitiv in seine letzte Saison. Mit vier Karnevalsvereinen war Südhüringens größte Metropole narren-technisch wie kaum eine andere Narrenhochburg im Freistaat bestens bestückt. Das wird sich aber nach der Jubiläumssitzung "50 Jahre SCC" am 15. November ändern, wenn die Karnevalisten des SCC in den Ruhestand gehen. Auf der jüngsten Vorstandssitzung des SCC verkündete Präsident Joachim Scheibe im Rahmen eines Pressegespräches, dass der SCC nach Beendigung der fünften Jahreszeit sich vom närrischen Treiben und der öffentlichen Ausrichtung karnevalistischer Veranstaltung für immer verabschiedet.

"Leicht fällt uns dieser Schritt schon angesichts unseres treuen närrischen Publikums nicht", sagte Scheibe. Die Vorstandsmitglieder wollen ihren endgültigen Abschied aus der Suhler Narrenszene nicht dramatisieren, betonten Mitglieder des SCC-Präsidiums. Doch welchem Karnevalsverein der Region gelang es in den 50 Jahren wie dem SCC, mit stetig imposanten Mottos und reizvollen, satirisch-karnevalistisch ausgereiften Kampagnen mehr als 2000 Närrinnen und Narren aus Nah und Fern in die Narrhalla zu locken? Ein Ticket für die SCC-Session zu ergattern, glich oftmals einem Glückspiel. SCC-Ehrenpräsident Jochen Rebhan erinnert sich dabei noch an den Zelt-Karneval auf dem "Platz der Deutschen Einheit", als keiner der 2000 Sitzplätze leer blieb.

Der SCC hat in seinen 50 Kampagnen Karnevalsgeschichte geschrieben, die in der gesamten Region und weit darüber hinaus tiefe und unvergessliche Spuren hinterlassen hat, die trotz des unweigerlichen Endes bei allen Fans noch lange in Erinnerung bleiben und für historischen Gesprächsstoff sorgen werden. Angesichts der bis heute anhaltenden Aktualität des SCC ist Erinnern nicht nur ein Privileg der 12 Gründungsmitglieder Karl-Heinz Dill, Bernd Heyder, Walter Melech, Rainer Malsch, Dieter Trommer, Jochen Rebhan, Michael Rebhan, Joachim Röser, Joachim Heym, Hans Ritzmann, Gerhard Eckstein und Christel Müller, die am 25 April 1965 den SCC unter dem Deckmantel der damaligen Organisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ) im Clubhaus des Ernst Thälmann-Werkes (ETW) ins Leben riefen. Viele Legenden und Anekdoten ranken sich um die karnevalistischen Urgesteine des SCC, die dem Karneval unter den damals herrschenden politischen Bedingungen der DDR ein unverwechselbares Bild gaben.

Markenzeichen: die feine satirische Klinge

Es waren vor allem die gesellschaftlichen Bedingungen, die die SCC-Karnevalisten bei ihren Auftritten in der Bütt mit feiner satirischer Klinge satirisch aufs Korn nahmen. Alljährlich warteten die Närrinnen und Narren mit großer Spannung auf die Bütt des "Suhler Michel" (Michael Rebhan), des "Suhler Waffenschmied" (Wolf-Bertram Scheidt), auf "Bläcky" (Werner Hertha), auf Carmen Ruth als "Sühler Weiberleut´" , Burghardt Kelber als "Laternenscheißer", Jan Görting, Kirsten Eckert oder auf "Herrn Sauerbrei" (Joachim Scheibe), um nur einige aus der großen Schar exzellenter SCC-Karnevalisten zu nennen. Wie Chronist Manfred Schlegelmilch erwähnte, gaben in der 50-jährigen Geschichte des Clubs über 20 Büttenredner dem Karneval ein unvergessenes Gesicht. Es war nicht einfach", so SCC-Präsident Scheibe, trotz strenger Zensur der Parteioberen ein Bütt zu halten, die die Narren frenetisch begeisterte und noch lange Zeit Gesprächsstoff in Suhl und Umgebung waren.

Der SCC kreierte 25 Jahre lang unter den damals herrschenden Verhältnissen eine völlig neue und bis heute unvergessliche Karnevalskultur. Er hat mit viel Engagement, Mut, Witz, Humor und hohem Einfallsreichtum Suhler Karnevalsgeschichte geschrieben, die in den Herzen eines jeden echten Karnevalisten noch lange weiterleben wird.

Doch irgendwann geht eben eine Ära zu Ende, denn so wie bis 1990 Karneval gefeiert wurde, war es in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr möglich. "Die Karnevalsstruktur veränderte sich seit 1990 total", gibt Präsident Scheibe zu verstehen. Nicht nur in der Gestaltung des karnevalistischen Programms von Büttenreden bis hin spaßig-freudvollen Unterhaltung, sondern auch von den Kosten. "Allein schon aus wirtschaftlichen Gründen können wir uns trotz Unterstützungen so ein niveauvolles Ambiente wie das Congress Centrum Suhl einfach nicht mehr leisten", lässt Manfred Schlegelmilch wissen. Der Besucherschwund war trotz eines immer ausgefeilteren Programms und Neuerungen nicht mehr aufzuhalten und somit der finanzielle Aufwand nicht mehr zu stemmen. Zudem wurde es immer komplizierter, junge Kräfte im Verein zu binden und vor allem in die Bütt zu delegieren. Mit Robert Werner konnte sich zwar ein sehr talentierter und hoffnungsvolle Büttenredner etablieren und auch die Lumpensammler sowie "Herr Sauerbrei" sind absolute Aushängeschilder des SCC geblieben. Doch dem mit einem immer höher werden Durchschnittsalter operierenden Präsidium fällt es immer schwerer, sich allen aktuell anstehenden Fragen und Problemen einer Karnevalsveranstaltung auf hohem Niveau zu stellen", gab Joachim Scheibe zu verstehen.

Bei all dieser Entwicklung blutet natürlich das Herz, lässt man das halbe Jahrhundert karnevalistischer SCC-Hochzeiten des SCC Revue passieren. 1974 feierte der 1. Kappenball in der Stadthalle Premiere. Ein riesiger Erfolg, der bis dato in Suhl völlig unbekannt war. Karneval mit Niveau gab es ab 1978, als der SCC die Narrhalla in die "Stadthalle der Freundschaft" verlegte. Einen Höhepunkt feierte der SCC 1987 mit der Ausrichtung des 26. Präsidententreffens der DDR-Karnevalsvereine. Präsident Joachim Scheibe bezeichnete das Treffen als Sternstunde für den Karneval in der DDR und natürlich auch für die Hochburg Suhl.

Jetzt waren Staat und Partei und vor allem die Behörden auf der Suhler Sicherheitsburg noch mehr gefordert, die Karnevalisten ins Visier zu nehmen und ihre Bütt noch aufmerksamer zu zensieren. Es sprach vor allem für die karnevalistische Intelligenz des SCC, dem politischen Hochdruck des Sozialismus zu allen Kampagnen mit Bravour begegnet zu sein, um ihr närrisches Publikum nicht nur zur fünften Jahreszeit in Stimmung zu halten.

Mit dem Abriss der Stadthalle als gestandene Narrhalla setzte der SCC von 1993 bis 1995 auf den in Suhl bis dato unbekannten Zelt-Karneval. Mit Erfolg. In dieser Zeit feierte auch die 1. Weiberfastnacht Thüringens in Suhl ihre Premiere. Auf Initiative des SCC wurde 1996 die 4. Thüringer Meisterschaft in den karnevalistischen Tänzen durchgeführt. Nach einer finanziellen Krise und Ausweichen in ein Suhler Autohaus erfolgte im Februar 2009 der Wiedereinzug ins CCS. Doch den Luxus im großen Saal des CCS kann sich der SCC nicht mehr leisten, so dass die Festsitzung zum 50. Jubiläum unter dem Motto "D´r SCC - e echter Fuff'zger" am 15. 11. 2014 im Saal Simson über die Bühne geht. Den Schlusspunkt seiner 50-jährigen Karnevalskarriere setzt der SCC dann zum Frühschoppen am 16. November.

    
    

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