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Neue Schlossherren in Oberstadt: Vom ersten Augenblick an fasziniert

Oberstädter Wasserschloss soll als eine der architektonischen Perlen Thüringens erhalten werden

Von Theo Schwabe OBERSTADT Poetisch ausgedrückt, beenden die neuen Schlossbesitzer Armin und Annelies Saupe aus dem sächsischen Leupoldishain den

Annelies und Armin Saupe vor ihrem neuen, alten Traumschloss in Oberstadt. Foto: Schwabe  

Von Theo Schwabe

OBERSTADT Poetisch ausgedrückt, beenden die neuen Schlossbesitzer Armin und Annelies Saupe aus dem sächsischen Leupoldishain den erneuten Dornröschenschlaf des 1317 erstmals urkundlich erwähnten Oberstädter Wasserschlosses. Armin Saupe hat sich mit dem altehrwürdigen Wasserschloss kein einfaches Projekt auserkoren. Doch als der Kriminalist nach zielgerichteten Recherchen das bereits im großen Stil restaurierte Oberstädter Wasserschloss erstmals zu Gesicht bekam wusste er sofort. "Das ist es, mein Traumschloss!"

Nachdem der bisherige Schlossherr Bernd Fleckenstein aus Aschaffenburg vor gut 14 Jahren den dem totalen Verfall preisgegebenen Bau mit umfangreichen Restaurationen aus dem Jahrzehnte langen Dornröschenschlaf riss, läutete er für das symbolträchtige Bauwerk der kleinen Feldsteingemeinde Oberstadt und wohl auch für die gesamte Schlösser- und Burgenlandschaft Thüringens ein neues Zeitalter ein. Im engagierten Bemühen und enormem finanziellem Aufwand, dem geschichtsträchtigen Anwesen seinen altem Glanz und Charme zu verleihen, fanden Eigentümer und Behörden keinen gemeinsamen Nenner. Die von den Behörden rechtlich eingeforderten Kriterien konnte Bernd Fleckenstein aus finanziellen Gründen nicht tragen.

"Mir wurden jegliche Unterstützungen seitens der Unteren Denkmalbehörde verwehrt", beklagt sich Fleckenstein noch heute. "Irgendwann konnte ich mich der vielen Anschuldigungen nicht mehr erwehren", sagt er, "dass mir nur noch die Alternative des Rückzugs aus Oberstadt blieb. Ich bin mit einem tränenden aber auch mit einem freudigen Auge aus Oberstadt weggegangen", so Fleckenstein. Mittlerweile hat er sich in seiner Heimat ein Hotel hoch droben auf einem Berg mit Schloss-Architektur gekauft und versucht die Oberstädter Odyssee für immer zu den Akten zu legen.

Die Ausschreibungen laufen

Es ist einfach enorm, so der neue Schlossherr, was Bernd Fleckenstein in den zurückliegenden Jahren geleistet hat. Gleichzeitig verschließt Armin Saupe die Augen nicht vor den auf ihn zukommenden Aufgaben, das Wasserschloss in seiner Originalität zu sanieren und zu erhalten. Folgt man seinen Worten, dann kann er seine Liebe und Leidenschaft zu historischen Gemäuern nicht verbergen. Sanieren älterer Gebäude und Objekte habe er zum wichtigen Hobby in seinem Leben gemacht. An Beispielen mangelt es nicht. Damit angefangen habe er Anfang der 90-er Jahre. "Jetzt, wo es alle Materialien zu kaufen gab, habe ich mein Wohnhaus in Leupoldishain komplett saniert", sagt Saupe. Dann folgten weitere Objekte, so u.a. ein Familienhaus in Heidenau mit 680 Quadratmeter Wohnfläche für acht Familien.

Was den ehemaligen Dezernatsleiter der Kripo von Pirna aber ganz besonders faszinierte, waren Wasserschlösser. Regelrecht zu Schwärmen beginnt Armin Saupe, wenn er auf das Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz zu sprechen kommt. "Beim Anblick dieses herrlichen Gebäudes bohrte sich bei mir die verrückte Idee fest", sagt Saupe, "irgendwann selbst so ein Wasserschloss zu besitzen. Dann bekam ich von einem Studienfreund aus Hildburghausen den Hinweis, dass in Oberstadt eins zum Verkauf stünde." Vom ersten Augenblick an waren die Saupes vom Anblick des Oberstädter Wasserschlosses fasziniert. Es gibt in Deutschland nur noch sehr wenige Schlösser, die vollkommen von einem Wassergraben umgeben sind. Dass der historische Wassergraben in seiner Originalität wieder die gesamte Schlossanlage umgibt, ist ausschließlich das Verdienst von Bernd Fleckenstein. In die mit Bauschutt ausgefüllte Wasseranlage leitete die Gemeinde über Jahrzehnte ihre Abwässer ab und das präsentierte sich somit als übelriechende, stinkende Kloake. Erst durch die Trockenlegung und Neuverlegung der Kanalisation durch den Wasser- und Abwasserzweckverband (ZWAS) war es möglich, den Originalzustand herzustellen. Doch die Freude des Schlossherren und auch der Oberstädter Bürger währte nicht lange. Am 5. Juli 2001 sprach das Landratsamt Hildburghausen einen Baustopp für alle weiteren Erdarbeiten und Restausrationsmaßnahmen aus und damit auch das unweigerliche Ende für die Fertigstellung des Wasserschlosses. Viele edle Schmuckteile zieren es aber und fesseln den Betrachter, wie schön doch einmal das Schloss ausgesehen haben muss.

Besonders traurig über das vorzeitige Ende war das Schlossgespenst, das sich selbst an den vielen baulichen Schmuckstücken nicht mehr erfreuen konnte. 2005 hatten die Oberstädter noch einmal die Gelegenheit, im Rahmen der feierlichen Weihe der Schlosskapelle ihr fast saniertes Wasserschloss zu besichtigen. Doch sein Lebenswerk konnte Bernd Fleckenstein leider nicht vollenden.

Dieses Werk möchten jetzt die neuen Schlossherren Armin und Annelies Saupe in Angriff nehmen. Zurzeit laufen die Ausschreibungen zur Erneuerung der sehr maroden und dringend sanierungsbedürftigen Deckenbalken. Damit alles ordnungsgemäß abgewickelt werden kann, stehen die Schlossherren im engen und konstruktiven Kontakt mit den zuständigen Behörden. "Wir werden bei allen anstehenden Maßnahmen eine gemeinsame Linie fahren", hob Saupe hervor. Im Frühjahr steht dann die Restauration der Fassade an der Südseite an.

Oberstadt soll auch ihr ganzjähriger Wohnsitz werden. Der vorherige Schlossherr nutzte das Wasserschloss nur als Sommerresidenz. So gehörte der Einbau eines Kamins zu den ersten Aufgaben der neuen Schlossbesitzer. Schnell breitet sich die mollige Wärme in den Schlossgemächern aus. "Zur Schaffung einer ´schlossigen´ Wohnatmosphäre haben wir fast 16 Stunden am Tag gearbeitet", sagt Saupe. "Am Abend waren wir total kaputt. Jetzt können wir erst einmal abschätzen, was unser Vorgänger geleistet hat."

Auf keinen Fall soll dieses wunderschöne Schloss wieder in einen Dornröschenschlaf verfallen, haben sich die neuen Besitzer geschworen. "Mit diesem herrlichen Schloss sind all unsere Wünsche in Erfüllung gegangen."

    
    

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