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"Hier ist es gut, so wie es ist"

Weihnachtsmarkt-Händlern gefällt die nette Art der Leute und die hervorragende Organisation durch die Stadt

Von Sabine Gottfried SUHL Es ist anzunehmen, dass nach dem Gang über den Suhler Weihnachtsmarkt schon so manches Häkchen auf der Geschenkeliste gesetzt werden kann.

Bietet er nicht immer wieder einen urgemütlichen, heimeligen Anblick, der Sühler Chrisamelmart mit seinem Hüttendorf? Foto: got  

Von Sabine Gottfried

SUHL Es ist anzunehmen, dass nach dem Gang über den Suhler Weihnachtsmarkt schon so manches Häkchen auf der Geschenkeliste gesetzt werden kann. Eine Woche lang brodelt es nun schon bei Lichterglanz, Flockenwirbel, weihnachtlichen Klängen und diversen Düften in Suhls Innenstadt. Fast 50 Händler im gemütlichen Adventsdörfchen laden nicht nur zu Gaumenfreuden ein, die Vielfalt ihrer Offerten erleichtert es allemal, passende Geschenke zu finden.

Das Attribut für den Sühler Chrisamelmart, einer der liebenswürdigsten in Mitteldeutschland zu sein, trifft es schon. Alles ist nah beisammen, und es braucht keinen langen Marsch, überall vorbei zu schauen.

Lassen wir anderen Weihnachtsmärkten der Region aber ruhig ihre Superlative: Erfurt mit 167 Jahren wohl der älteste. Jena mit der höchsten Weihnachtspyramide. Gera mit den meisten Märchen auf seinem Märchenmarkt. Gotha mit der längsten Öffnungszeit der Hütten bis kurz vor Silvester.

Weiter oben, im äußersten Nordosten, gibt es sogar einen Markt mit dem spektakulärsten Schreibfehler. Auf 22 000 Glühweintassen im ostfriesischen Leer wurde bei "Weihnachtsmarkt" das "k" vergessen. "Mart" steht nun auf den Bechern. Kommt uns das nicht sehr bekannt vor? Chrisamelmart in Suhl - ohne "k" - ist einfach ein idyllisches, kleines Plätzchen, wo aus Vor-Freude die Jetzt-Freude wird.

Und weil die Sühler Traditionelles mögen, war auch zur Eröffnung eigentlich alles wie immer: schön, fröhlich und feierlich. Bis auf die Sicherheitssperren aus Beton in den Zufahrten vielleicht. Aber bunt verkleidet, machen sie den Bummelnden nicht unbedingt ein mulmiges Erinnerungsgefühl an den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr.

Als das einzige Fest mit zwei Seiten hatte bei der Eröffnung am Rathaus denn auch Enriko Müller von der evangelischen Kirchgemeinde die Weihnacht bezeichnet. Einerseits Trubel und Frohsinn, andererseits Innehalten und die Besinnung auf sich selbst, eine Chance zur Versöhnung, was Macht und Zwang oft nicht schaffen. Ein Appell auch an Menschlichkeit, Großzügigkeit, Freundlichkeit und Toleranz.

Das mit der Toleranz hat beim Anblick von acht Kilo mundgerecht geschnittenem Chrisamel am ersten Abend auch ganz gut geklappt diesmal; vor allem die Kinder langten zu. Wobei die jungen Leute aus der Konditorei Graeser mit ihrem langen Stollenbrett nicht wirklich weit in die Massen vordringen konnten. Ein Platz in den ersten Reihen war von Vorteil. Dass die 1000 Rathaus-Schoko-Adventskalender vor allem in Kinderhände gelangten, darauf achteten der Oberbürgermeister persönlich mit seinen Wichteln von der Stadtverwaltung.

Wie die Händler, die sich Tag für Tag die Beine in den Bauch stehen, die Zeit auf dem Chrisamelmart so empfinden, wollte der "Wochenspiegel" in einer kleinen Umfrage wissen.

"Die Suhler sind alle sehr nett, wir fühlen uns immer freundlich und herzlich aufgenommen und willkommen, wie in einer zweiten Heimat", sagt Nicole Grauberger. Ihre Familie kommt gefühlt schon immer mit ihrem Angebot aus Fürth nach Suhl, hat an der Weihnachtsmarkt-Organisation nicht das Geringste zu kritisieren. Die Stadtverwaltung gehe sehr auf die Händler ein, sie würden immer mit einbezogen. Organisator Andreas Krautwurst ist für sie eine sehr kompetente Person. "Großes Lob für ihn!"

Vielleicht noch etwas mehr Handwerkskunst aus der Region

Da stimmen Sibylle Malfertheiner und Andreas Kröckel aus Pößneck und Ohrdruf gern zu. Seit der Wende sind sie hier mit dabei, es sei schön, wie es ist. Nette Besucher, viele Stammgäste, und mit den Mitarbeitern im Rathaus funktioniere alles wunderbar, sie kümmern sich. Die Gebühren? Durchaus angemessen. Eine Woche mit minus 20 Grad 2010 werden sie wohl nie vergessen. "Da ist sogar der Glühwein in den Leitungen eingefroren."

Daran kann sich Rosalinde Garten aus Theuern bestimmt auch erinnern. Mit 25 Jahren auf dem Markt zählt sie sich längst zum Inventar. "Hier ist es doch schön, klein aber fein, nicht so anonym wie auf großen Märkten." Immer die gleiche Nachbarschaft, die sich freut, dass man wieder dabei ist. "Und die Leute sind einfach nett."

Patrick Gerold kommt aus Gera schon mehrere Jahre nach Suhl. Von den Kunden her ist es für ihn angenehm, nicht so stressig, wie etwa in Erfurt mit einem Haufen Auflagen. Die Suhler Standgebühren seien normal. Auch wenn jeder sein Geld verdienen muss, könne man sich hier nie beklagen.

Für Ramona Köllmer (r.) und Inna Osadchuk aus Suhl ist heuer die Weihnachtsmarkt-Premiere. "Aber es läuft gut. Die Suhler, die ich von meiner Arbeit im Handel kenne, kommen alle", sagt Ramona. Allerdings, etwas mehr Handwerkskunst direkt von hier hätte sie sich gewünscht.

Ein lebensfroher, einnehmender Gastgeber ist Darko Mlicevic, hier mit Freundin Ulrike Doering aus Eisfeld. Er sei ein zugereister Franke aus Nürnberg und das erste Mal auf dem Weihnachtsmarkt. Geworben hat ihn bei einem Simsontreffen eine ehemalige Mitarbeiterin aus dem Rathaus, weil er gut auf den Markt passen würde. So ist es auch, Darko fühlt sich sehr wohl, hervorragend von der Stadt betreut, und schon nach ein paar Tagen hatte sein Häuschen Stammkunden. Mit großer sozialer Ader, wird bestätigt, will er Gutscheine für Bedürftige bei der Diakonie ausgeben, Kinderpunsch für die Kleinen am Nikolaustag und einen Tag lang Nudelgerichte gratis springen lassen.

Dass Antje Frömel aus Bürgel kommt, ist unschwer an ihren Waren zu erkennen. Seit 15 Jahren schon und immer für eine Woche in einer der Wechselhütten. Dieses Angebot habe seinen Reiz. Außerdem mag sie das Publikum hier, die ganz nette Art der Südthüringer. "Und auch der Service ist toll und angenehm für uns." Kennt sie doch auch Märkte, wo man den Organisatoren ewig hinterher rennen muss.

    
    

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