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Zur Geschichte des Weihnachtsbaumes

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Das kann sich heute niemand mehr vorstellen.

Weihnachtskarte aus dem Jahr 1908. Repro: B. Heim  

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Das kann sich heute niemand mehr vorstellen. Woher kommt eigentlich der Brauch, einen geschmückten Nadelbaum aufzustellen, und was hat er zu bedeuten?

Der mit Lichtern und verschiedenstem Schmuck aufgeputzte Weihnachtsbaum - auch als Tannen-, Christ- oder Lichterbaum bezeichnet - ist wohl das am weitesten verbreitete Symbol des Weihnachtsfestes, nimmt jedoch im gesamten weihnachtlichen Brauchtum erst seit einem geschichtlich relativ kurzen Zeitraum einen festen Platz ein. Bereits vor vielen Jahrhunderten schmückten die Menschen Bäume und Zweige, um die Götter milde zu stimmen, sich vor bösen Geistern zu schützen sowie Glück und Gesundheit zu erhalten. Im Mittelalter bestand so vielerorts der Brauch, zu bestimmten öffentlichen Festlichkeiten ganze Bäume zu schmücken - zum Beispiel den Mai- oder Kirmesbaum. Vorläufer des Weihnachtsbaumes aber ist das Wintergrün, mit dem vielerorts früher zum Jahresanfang die Häuser geschmückt wurden. Bekanntlich steckt vor allem in immergrünen Pflanzen Lebenskraft und -energie und darum glaubten die Menschen bereits in grauer Vorzeit, Ge-sundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit Grünem schmückte. Dazu hat man in vielen Gegenden Mittel- und Nordeuropas seit alters her Nadel- oder Buchsbaumzweige an die Haustüren gehängt, die auch die Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings symbolisierten.

Äpfel am Weihnachtsbaum?

Im Zuge der Christianisierung sind dann zur Weihnachtszeit in den Kirchen sogenannte "Paradies-Spiele" aufgeführt worden, war doch der 24. Dezember der liturgische Gedenktag von Adam und Eva. Und den dazu aufgestellten "Paradiesbaum", der durchaus auch ein Laubbaum sein konnte, hat man mit Äpfeln behängt. Der Apfel diente als Zeichen der verbotenen Frucht vom "Baum der Erkenntnis" und erinnerte an den "Sündenfall" sowie an die Befreiung des Menschen von der Erbsünde durch Jesus Christus. Kandierte Äpfel sind übrigens bis heute auf Weihnachtsmärkten sehr beliebt.

Erste schriftliche Erwähnungen

Die weit verbreitete Aussage, wonach die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahr 1419 stamme, kann allerdings nicht nachgewiesen werden. Demnach soll die Bäckerinnung von Freiburg im Breisgau nach dieser unbelegten Aussage einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben, den die Kinder nach Abschütteln am Neujahrstag plündern durften. Die Handwerkerzünfte und -vereine waren es aber, die ein immergrünes Bäumchen in ihre Versammlungsräume oder Zunfthäuser stellten. Jedenfalls bürgerte sich das Aufstellen und Behängen von Bäumchen mit Früchten, Oblaten, Lebkuchen, Zuckerwerk, buntem Papier- und Rauschgoldschmuck zuerst im Oberrheingebiet ein. Basler Schneidergesellen sollen in dieser Weise ein kleines Nadel- bäumchen geschmückt haben. Ein im Jahr 1509 von Lucas Cranach d. Ä. gefertigter Kupferstich zeigt einen solchen "Dannenbaum". Die älteste schriftliche Erwähnung des Weihnachtsbaumes findet sich in Mainzer Akten aus dem Jahr 1527 - konkret ist es die Notiz vom "die weiennacht baum" im Hübnerwald bei Stockstadt am Main. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum zum festen Weihnachtssymbol wurde, und man sich dadurch von der katholischen Sitte des Krippen-Aufstellens unterschied, trat der Christbaum seinen Siegeszug an.1539 wurde erwähnt, dass man im Straßburger Münster einen Weihnachtsbaum aufstellte. In einem alten Reisebericht über das Elsass aus dem Jahre 1597 findet sich in der damals üblichen Schreib- und Ausdrucksweise die Schilderung von einem "Weyhnachtsbaum, geschmückt mit gefärbt Papier, Faden und Backwerk" in einem Patrizierhaus in Turckheim. Seit dem 17. Jahrhundert sind Weihnachtsbäume an deutschen Fürstenhöfen bezeugt und als deren Schmuck wurden Äpfel, Oblaten, buntes Papier, Zucker und dünne Blättchen aus Metall ("Zischgold") genannt. Den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen geschmückt haben soll man in Schlesien, und zwar im Jahr 1611 im Hause der Herzogin Dorothea Sibylle. Liselotte von der Pfalz beschrieb in ihren Jugenderinnerungen einen mit Wachskerzen geschmückten Weihnachtsbaum am herzoglichen Hof zu Hannover im Jahr 1660 und J. W. Goethe führte 1774 in seinem Werk "Die Leiden des jungen Werther" den "aufgeputzten Baum mit Wachslichten, Zuckerwerk und Äpfeln" in die deutsche Literatur ein.

Ab dem 19. Jahrhundert überall verbreitet

Bis ins 18. Jahrhundert war der Brauch, einen Weihnachtsbaum in den Wohnräumen aufzustellen, nur der Oberschicht vorbehalten, denn Nadelbäume und Schmuck waren teuer. Erst als im 19. Jahrhundert vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der allgemeine Bedarf an Weihnachtsbäumen gedeckt werden und verbreitete sich

Immer mehr. Im Jahre 1805 wurde der Weihnachtsbaum einem großen Leserkreis dadurch bekannt, dass ihn der Badenser Theologe und Schriftsteller Johann Peter Hebel in seinen "Alemannischen Gedichten" in dem Lied "Die Mutter am Christabend" erwähnte. Und E. T. A. Hoffmanns Märchen "Nussknacker und Mausekönig" aus dem Jahr 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der lichterglänzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmückte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint. Allgemein gebräuchlich wurde der als weihnachtlicher Zimmerschmuck geputzte Baum in den deutschen Bürgerfamilien im Verlaufe des 19. Jahrhunderts, ab 1800 zuerst in den großbürgerlichen Haushaltungen, dann setzte sich dieser Brauch schließlich bei fast jeder Familie in Stadt und Land durch. Besonders nach der Erfindung der billigen Stearinkerzen hielt er nach 1830 dann endgültig im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts seinen Einzug in jeden deutschen Haushalt. Dabei war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der Rauschgoldengel aus Nürnberg zum beliebten Weihnachtsbaumschmuck geworden. In der Zeit des Biedermeier kamen vergoldete und versilberte Nüsse und Kugelschnüre sowie das Lametta hinzu, nach 1820 auch Glasbläsereien aus dem Thüringer Wald - zuerst die als "Christbaumkugeln" bekannten Vollglaskugeln, danach Glasperlen in mancherlei Gestalt, Glöckchen, Tannen- und Eiszapfen, diverse Tierfiguren und andere glitzernde Glas- gehänge - und um 1900 Blechspielzeug und weiterer kunstgewerblicher Schmuck.

Der Weihnachtsbaum wurde schon früher, meist in einem Ständer stehend, auf einem Tisch oder dem Stubenfußboden aufgestellt. In vielen Orten des Thüringer Waldes und seines südlichen Vorlandes war es auch Sitte, ihn mit der Spitze nach oben an einem Haken befestigt von der Stubendecke herabhängen zu lassen. Insbesondere in den kleinen Wohnungen im Sonneberger und Coburger Land war das so auch noch bis in die 1950er Jahre vielerorts der Brauch. Und nachdem bereits im Jahr 1805 der Weimarer Buchhändler Hofmann einen Weihnachtsbaum für die Kinder der Stadt außen vor seinem Haus aufstellen ließ, stellte man übrigens erstmals 1919 in einigen deutschen Städten zur Weihnachtszeit auch einen "Weihnachtsbaum für alle" auf den Marktplätzen oder an einem anderen zentralen Platz auf, begründete so einen weitere Tradition, die ebenfalls bis heute in fast jeder Ortschaft praktiziert wird. Bernd Heim

    
    

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