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140 Jahre Präzisionsarbeit bei den Messmittel-Experten

Feinmess Suhl GmbH fertigt seit 1878 Präzisionsmessmittel höchster Qualität

von Diana Eichhorn SUHL 1878 wagte der Suhler Friedrich Keilpart den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in der

Heute sachlich, damals Postkartenmotiv - das FMS-Firmengebäude in den 1940er Jahren und heute. Bild: Feinmess Suhl GmbH  

von Diana Eichhorn

 

SUHL 1878 wagte der Suhler Friedrich Keilpart den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in der Zeit der fortschreitenden Industriealisierung und den steigenden Anforderungen an die Präzision von Maschinen und Produkten sein eigenes Unternehmen, eine Messwerkzeugfabrik. In dieser Zeit war im beschaulichen Suhl, wo ca. 10 000 Einwohner lebten, die Waffen- und Porzellanproduktion sowie die Präzisionsmechanik die am stärksten vertretene Wirtschaft. Mit seinem Unternehmen spezialisierte Friedrich Keilpart sich auf die Feinmesstechnik. In der Anfangszeit waren in einem unscheinbaren Wohnhaus mitten im Zentrum von Suhl drei Gesellen mit der Herstellung von einfachen Schiebelehren, Messstäben oder Wasserwagen beschäftigt. Ab 1890 kommen kleine Messuhren hinzu. Schnell wuchs das Geschäft und die Werkstatt wurde zu klein. Durch den Kauf von zwei nebeneinanderstehenden Häusern konnte Keilpart 1885 zusätzlich zur Werkstatt noch einen Maschinensaal einrichten und so seine Kapazitäten erweitern. Erste Patente wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts angemeldet, so auch eine Uhrenschieblehre, den Vorläufer der heutigen Feinzeigermessgeräte, und eine Bügelschraube, die mit einer Messgenauigkeit von <0,01 mm ein evolutionärer Schritt in Sachen Präzision ist. 1905 übernehmen die Söhne Max und Hilmar nach dem Tod des Firmengründers den Betrieb, der 1907 bereits 27 Mitarbeiter beschäftigt.

Keilpart stieg durch einen wachsenden Maschinenpark und einer kleinen Härte- und Galvanisierungsanlage in die Produktion von Mikrometern und Tourenzählern ein. Mit Beginn des 1. Weltkrieges werden spezielle Messgeräte für die Waffenindustrie mit in das Programm aufgenommen. Die wachsende Zahl der Aufträge machte eine erneute Erweiterung der Produktionsräume notwendig und schafft inzwischen Platz für 55 Angestellte. Der Erfolg des Unternehmens hält aufgrund der großen Nachfrage im Maschinenbau und der Werkzeugfertigung auch nach Kriegsende weiter an. Die in den 1920er Jahren entwickelten Geräte wie beispielsweise Messschrauben mit einem zusätzlichen Feinzeiger legen den Grundstein für den heutigen Weltruf. Die Firma erschließt in dieser Zeit erste ausländische Märkte und die große Nachfrage macht einen erneuten Umzug erforderlich. Ende der 1920er Jahre zieht man mit inzwischen 70 Mitarbeitern in die leerstehenden Hallen einer ehemaligen Waffenfabrik in Suhl. Die Zahl der Angestellten verfünffacht sich in den folgenden sechs Jahren. Vor allem Messwerkzeuge und verchromte Sonderlehren werden für die Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkrieges gefertigt und 1943 sogar noch ein weiterer Fertigungsstandort eröffnet.

 

Nachkriegs-Demontage

entgangen

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Machtübernahme durch die Rote Armee beginnt zwar die Produktion mit gerade einmal 60 Mitarbeitern wieder, doch zeitgleich wird das Werk auf die für April 1946 geplante Demontage vorbereitet. Zum Glück beschließt die Sowjetische Militäradministration die Keilpart-Fertigung für Reparationslieferungen zu erhalten, nicht ahnend, damit maßgeblich zum heutigen Erfolg beizutragen. Zum 1. August 1946 wird das Unternehmen unter die Verwaltung der Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG) gestellt. Der Maschinenpark wird 1947 erweitert und auf Serienproduktion umgestellt.

Ein weiteres einschneidendes Ereignis war der 1. Mai 1952. Von diesem Tag an wurde unter dem Namen FMS als VEB Feinmesszeugfabrik mit mittlerweile 950 Mitarbeitern Messuhren, -schieber und -schrauben gefertigt. Noch im Gründungsjahr können acht Entwicklungsprojekte für die Hochpräzisionsmessung - darunter verschiedene Vergleichs-Messinstrumente wie das Passameter, der Vorläufer des heutigen Digitalpassameters - erfolgreich abgeschlossen werden. Die aufgebaute Forschungsabteilung, in der 20 Konstrukteure und Facharbeiter beschäftigt waren, gilt heute noch als extrem produktiv.

 

Erfolgreiche 60er und 70er

Jahre

Die Kunden kommen zu dieser Zeit aus den Ländern des sozialistischen Auslands, aber auch aus Japan, England, Italien, Dänemark, Belgien, Kanada und Indien. In Jüchsen wird 1965 eine neue Produktionsstätte des VEB Feinmesszeugfabrik eröffnet und 1968 erhält der Betrieb auf der Leipziger Frühjahrsmesse die Goldmedaille für die Entwicklung des ersten Kleinlängenmessers KMM30. In diesen Jahren fertigt man neben den klassischen Messgeräten verstärkt halbautomatische Messvorrichtungen für die Fahrzeugindustrie und vollautomatische Messstationen für die Wälzlagerindustrie.

 

Mit der Wende das Ende?

1990 geht es nach der Wiedervereinigung mit der Produktion in der neugegründeten Feinmess Suhl GmbH erst einmal weiter. Doch trotz neuer Produkte im Bereich der Längenmesstechnik steht das Unternehmen 1992 kurz vor der Insolvenz. Aber auch dieses mal ist das Glück dem Unternehmen hold und buchstäblich in allerletzter Sekunde übernimmt die Firmengruppe August Steinmeyer GmbH & Co. KG aus dem schwäbischen Albstadt das Unternehmen. Mit gerade einmal 40 Mitarbeitern beginnt der Neustart. Im Programm der FMS sind jetzt 5000 Produkte - doch um die Fertigung auf Weltmarkt-Niveau durchführen zu können ist eine Modernisierung des Maschinenparks unumgänglich. Ein Ausbau der Produktionsstätte bringt das Unternehmen an die Kapazitätsgrenze. Und da der Denkmalschutz einer Erweiterung des alten Firmengebäudes in der Stadtmitte von Suhl im Weg steht, folgt 2010 der Umzug der mittlerweile über 80 Mitarbeiter auf das heutige Firmengelände im Gewerbegebiet Suhl-Friedberg. In den neuen Produktionshallen können alle Fertigungsschritte nach aktuellen Methoden umgesetzt und die Fertigungszeiten dadurch deutlich verkürzt werden.

Dank der verbesserten Produktionsbedingungen steigt der Absatz seitdem im In- und Ausland spürbar und 2011 erhielt das Unternehmen erstmals den Innovationspreis Thüringen. 2016 folgte bereits die nächste Auszeichnung. Auch wenn sich die Produkte mit den Jahren sehr verändert haben blieb doch die Leidenschaft für hochpräzise Messtechnik bei der FMS gleich.

"Passion for Precision" lautet deshalb der Slogan des Unternehmens, welches inzwischen mehr als 120 Mitarbeiter zählt. Es ist nicht nur eines der ältesten Messtechnik-Hersteller in Deutschland, sondern auch der Innovationsführer in der Branche. Und dies, so die Hoffnung des Geschäftsführers Nils Blondin, soll auch noch lange so bleiben. Er sieht die Zukunft im Bereich Industrie 4.0 und in der Integration digitaler Messmittel in automatisierte Fertigungsprozesse. Seit 140 Jahren, am 6. Dezember genau auf den Tag, steht das Glück dem Unternehmen zur Seite. Und wenn es ihm weiterhin so gewogen bleibt, steht der erfolgreichen Zukunft nichts im Wege.

    
    

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