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Gleichbehandlung im Sprachgebrauch: Gendersternchen ist Anglizismus des Jahres

Nach Fake News (2016), und Influencer (2017) - Die Jury der deutschen Initiative "Anglizismus des Jahres" kürt das Wort "Gendersternchen" zum diesjährigen Sieger

BERLIN Die Jury der deutschen Initiative "Anglizismus des Jahres" hat das Wort "Gendersternchen" zum diesjährigen Sieger gekürt. Gendersternchen.

Bildquelle: Freie Universität Berlin  

BERLIN Die Jury der deutschen Initiative "Anglizismus des Jahres" hat das Wort "Gendersternchen" zum diesjährigen Sieger gekürt.

Gendersternchen. Das Wort Gendersternchen bezeichnet ein "typografisches Zeichen (*), das bei Personenbezeichnungen zwischen der männlichen und der zusätzlich angefügten weiblichen Endung gesetzt wird, um neben Männern und Frauen auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität miteinzubeziehen und sichtbar zu machen" (DWDS.de) - z.B. Freund*in. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich ab 2013 zunächst die Form Gender Star. Obwohl das Wort aus englischen Wortbestandteilen zusammengesetzt ist und die für das Englische typische Getrenntschreibung aufweist, handelt es sich dabei um eine genuin deutsche Wortschöpfung - einen sogenannten "Scheinanglizismus". Schon im Folgejahr übernimmt die englisch-deutsche Mischform Genderstern - mit deutschem Zweitglied und in der für das deutsche obligatorischen Zusammenschreibung. Ab 2016 setzt sich dann zunehmend die Diminutivform Gendersternchen durch. Im allgemeinen Sprachgebrauch spielt es zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerte Rolle. Erst 2018, beflügelt durch hitzige Diskussionen um eine mögliche Aufnahme des Gendersternchens in die Amtliche Rechtschreibung, nimmt seine Häufigkeit um mehr als das Zehnfache zu, von unter 0,25 auf 2,5 Vorkommen pro zehn Millionen Wörter.

Überzeugt hat die Jury an Gendersternchen neben der sprunghaften Verbreitung im öffentlichen Sprachgebrauch zum einen die zentralen Bedeutung, die es in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem schwierigen und heftig umstrittenen Thema der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen hat und wohl auch weiter einnehmen wird. Zum anderen zeigt die Geschichte des Wortes, dass die Entlehnung von Wörtern kein passiver Prozess ist, sondern dass Sprachgemeinschaften das entlehnte Wortgut produktiv zur Bildung neuer Wörter nutzen. Der aktive Umgang mit dem Lehngut zeigt sich auch an der schnellen Integration der Neubildung in den Wortschatz des Deutschen, hier vor allem durch die Ersetzung des englischen Zweitglieds Star durch das deutsche Sternchen. Das Wort stellt eine klare Bereicherung des deutschen Wortschatzes dar, denn ob man den eingeschobenen Asterisk und die Absichten dahinter gutheißt oder nicht, darüber reden muss die Sprachgemeinschaft - und das Wort Gendersternchen stellt einen gut verständlichen Ausdruck dafür bereit.

Die Jury würdigt mit der Wahl außerdem ausdrücklich die Rolle des Wortstamms Gender und speziell des daraus abgeleiteten Verbs gendern, dessen Häufigkeit in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Der Wortstamm Gender bezeichnet eine Perspektive auf Geschlecht als kulturell hergestellter und damit veränderbarer Kategorie und ergänzt so das Wort Geschlecht, das eher eine biologische Perspektive einnimmt. Das Verb gendern findet sich seit der Jahrtausendwende im Sprachgebrauch und löst in der fachsprachlichen Bedeutung "die Gleichstellung von Mann und Frau verwirklichen" das vorher geläufige Gender-Mainstreaming ab. Gegendert werden können in diesem Sinne Texte, aber auch Institutionen oder Gesellschaftsbereiche. Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet es dagegen "in einem Text typische Formen der geschlechtergerechten Sprache verwenden". Beide Bedeutungen sind im Deutschen entstanden - das gendern von Institutionen wird im Englischen als to mainstream gender bezeichnet, das von Texten als to make gender inclusive.

Über den Wettbewerb

Sprachgemeinschaften haben überall und zu jeder Zeit Wörter aus anderen Sprachen entlehnt. Als globale Verkehrssprache spielt dabei derzeit das Englische für alle großen Sprachen eine wichtige Rolle als Gebersprache. Die unabhängige Initiative "Anglizismus des Jahres" würdigt seit 2010 jährlich den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Bisherige Anglizismen des Jahres waren leaken (2010), Shitstorm (2011), Crowdfunding (2012), die Nachsilbe -gate (2013), Blackfacing (2014), Refugees Welcome (2015), Fake News (2016), und Influencer (2017). PM

    
    

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