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Tausende Museumsschätze schlummern im Magazin

Depot des Waffenmuseums harrt des Umzugs in das künftige Haus der Geschichte

SUHL Waffenmuseum Suhl - das ist für den Besucher einzig das schmucke frühere Malzhaus.

Eine aktuelle Schenkung von Privat ist der über 100 Jahre alte Hirschfänger, für den im Museum Platz geschaffen wurde. Foto: got  

SUHL Waffenmuseum Suhl - das ist für den Besucher einzig das schmucke frühere Malzhaus. Was aber darüber hinaus für ein unermesslicher Schatz an Zeugnissen der Handwerks- und Stadtgeschichte bewahrt wird, offenbart erst das Museums-Magazin in der Suhler Lauter. Wer nachzählen möchte, dass das Waffenmuseum rund 18 000 Exponate gesammelt hat und bewahrt, wird im Malzhaus im Zentrum der Stadt stutzig werden. Den überwiegenden Fundus nämlich birgt das Museums-Magazin in der Lauter 42a am Stadtrand. Die zweieinhalb Etagen in der früheren Berufsschule sind ein überwältigendes Spiegelbild überlieferter Waffenhandwerks- und Medailleurskunst, von Industrie- und Stadtgeschichte, Kunstwerken Suhler Schöpfer, Sachzeugen der Lebensweise früherer Generationen. Fachliteratur füllt allein einen ganzen Raum. Das Gros von 2500 Waffen ist in sechs Kammern aufgebaut, nur 500 können Besucher im Museum bestaunen. Der weit größere Bestand mit 10 700 Stücken widmet sich der Regionalgeschichte - Porzellan, Werkzeuge, prächtige Möbel, Textilien, darunter wertvolle Suhler Trachten, Kunstgegenstände, Medaillen und Münzen, eine Zinnsammlung, Erzeugnisse hiesiger Betriebe, Haushaltsgegenstände und technische Gerätschaften. Es ist das Museum Teil 2. Nur recht beengt untergebracht und derzeit nicht zur Schau für Besucher.

Bisher Sammeln und

Verwahren

Für all die eindrucksvollen Zeugnisse des Arbeitens und Lebens gibt es ein Konzept zur Aufbewahrung im künftigen Haus der Geschichte, neben dem Bestand des Stadtarchivs. Nach ihm haben dessen Architekten ihre Pläne ausgerichtet. Möglichst auch für das in einem Lager im Simson-Gewerbepark beherbergte Museumsgut. Eine Nutzfläche von 1200 Quadratmetern ist dafür vorgesehen, berichtet Museumsleiter Peter Arfmann beim Rundgang durchs Magazin. Solch ein Umzug - was für eine Mammut-Aufgabe! Die treibt schon jetzt nicht nur ihn um, sondern auch die beiden Mitarbeiter im Magazin: Jörg Schulze, Büchsenmachermeister, Sammlungspfleger und -restaurator für die Waffen, sowie Alexander Börner, Diplommuseologe und Spezialist für den regionalgeschichtlichen Part. Sie ordnen und pflegen diese riesige Sammlung, von der Peter Arfmann bei seinem Dienstantritt 2007 höchst überrascht war. Eine Werkstatt ist gut sortiert. Zur wissenschaftlichen Betreuung des Sammlungsgutes aber gibt es niemanden, bemängelt Arfmann. Es werde nur gesammelt und verwahrt. "Das ist zu wenig." Hinzu komme ein immenser Restaurationsstau. Obendrein stoße man an räumliche und bauliche Grenzen des Magazins. Das Waffenlager tragen unbefestigte Ständer. Das Hausdach ist marode. Alte Heizungen, Wasser- und Elektroleitungen, undichte Fenster genügen keinen Lagerbedingungen aktuellen Standards. Auch deshalb wurde der Besucherverkehr zurückgefahren. Aber Anfragen gibt es fast täglich, auch von Fernsehsendern. Der Ausleihverkehr für andere Museen in Deutschland hingegen laufe rege. Erst kürzlich sei die Rüstkammer-Schau im niedersächsischen Emden mit Suhler Exponaten bestückt worden. Und dass für den Film "Sushi in Suhl" stilgerechte Inneneinrichtungen von hier kamen, ist vielleicht noch bekannt.

Mit sechs Millionen

versichert

Mit stattlichen sechs Millionen Euro ist die Sammlung versichert, verrät Peter Arfmann. Bedeutend höher aber liege deren Sammler- und Liebhaberwert. "Das Wichtigste an einem Museum ist nun mal sein Magazin", weiß der gelernte Kulturwissenschaftler. Nur so sei das Waffenmuseum auch zu thematischen Ausstellungen in der Lage. Immerhin würden ihnen pro Jahr 20 bis 30 Waffen angeboten und über 100 volkskundliche Exponate. Da ist durchaus Edles dabei, wie aktuell der prächtige Hirschfänger mit Solinger Klinge, eine aktuelle, über 100 Jahre alte Schenkung. Nach der Restauration bekommt er einen Platz im Museum. Einen eigenartigen Charme im Magazin haben etliche Schränke und Regale aus der früheren Stasi-Burg in der Hölderlinstraße, damaliger Standort auch des Magazins, das sie sich sicherte. Aber für das neue Domizil im Haus der Geschichte wurden bereits nagelneue Archivschränke angeschafft, ebenso für die Werkstatt. Die Ausgaben von über 100 000 Euro für Neuanschaffungen stützte das Land Thüringen.

Das also ist der Plan, und so klingt Optimismus. Es harren ja wirklich imposante Sammlungen einer angemessenen, gut gesicherten Bleibe. Die gebührt u.a. einer ganzen Galerie an Werken von Künstlern wie Alexander Gerbig, Otto Bruchholz, Otto Schön oder Erich Wurzer; den vielen feinen Stücken Suhler Medailleure, allein 150 aus der Hand des ehrenwerten Johann Veit Döll, dessen Andenken der jährlich in Suhl vergebene Deutsche Medailleurspreis würdigt; den 1000 Einzelteilen an Schlegelmilch-Porzellan oder auch dem Meisterstück von Graveurmeister Andreas Amthor - inzwischen in der Austellung präsentiert: ein Gewehr mit Gravur, Schaftverschneidung und Rubinen. Neuen Glanz an neuem Ort soll all das in der Zukunft bekommen.

got

    
    

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